Kampf um Kunden : Bestpreis-Garantien: Nur wer aufpasst, spart

Ob beim Kauf von Möbeln, PC oder Fernsehern:  Der eigene Preisvergleich ist sicherer, als sich auf irgendwelche Rabattversprechungen der Fachmärkte zu verlassen, sagt der Experte.
Ob beim Kauf von Möbeln, PC oder Fernsehern: Der eigene Preisvergleich ist sicherer, als sich auf irgendwelche Rabattversprechungen der Fachmärkte zu verlassen, sagt der Experte.

Kunden wird das Gefühl vermittelt, vor überhöhten Preisen geschützt zu sein. Doch einige Wissenschaftler halten die Praxis für alles andere als verbraucherfreundlich.

shz.de von
23. November 2013, 00:33 Uhr

Kiel | Bestpreis-Garantien sind beliebt. Optikerketten wie Fielmann oder Krane bieten sie ebenso an wie die Baumarktketten Bauhaus und Hornbach. Auch Möbel- und Elektronikhändler werben so um Kunden. Das Prinzip ist einfach: Wer das gleiche Produkt nach dem Kauf woanders billiger sieht, kann es umtauschen oder bekommt die Preisdifferenz erstattet – manchmal sogar mehr.

Das gibt den Kunden das schöne Gefühl, vor überhöhten Preisen geschützt zu sein. Doch einige Wissenschaftler halten die Praxis für alles andere als verbraucherfreundlich. Ganz im Gegenteil: Sie sei sogar „ein Instrument zur Durchsetzung hoher Preise“, warnt der Volkswirt Ulrich Schwalbe von der Universität Hohenheim. „Tief- oder Niedrigstpreis-Garantien sollen den Eindruck besonders günstiger Angebote und eines intensiven Wettbewerbs vermitteln“, erklärt Schwalbe. Aber in Wirklichkeit ermögliche eine Preisgarantie es der Firma, vergleichsweise gefahrlos die Preise zu erhöhen.

Denn im schlimmsten Fall müsse sie zwar zum Preis der Konkurrenten verkaufen – bekomme aber von uninformierten Käufern den höheren Betrag. Dies könne sogar dazu führen, dass sich die Preise insgesamt auf einem höheren Niveau einpendeln, wenn andere Unternehmen dem Beispiel folgen, so Schwalbe. Eine Studie über Preisgarantien bei drei Supermarktketten in den USA habe dies bestätigt.

Viele Unternehmen sehen das anders. „Unsere Absicht ist es, den Kunden eine Sicherheit zu geben“, sagt etwa Bauhaus-Sprecher Robert Köhler. Jährlich werde die Tiefpreisgarantie von einigen 10 000 Kunden in Anspruch genommen. Das koste einen kleinen Millionenbetrag. Köhler betont, der Wettbewerb in der Branche sei hart – schon deshalb könne es sich das Unternehmen nicht erlauben, überhöhte Preise zu nehmen.

Auch Deutschlands größte Augenoptikerkette Fielmann verteidigt die bereits 1982 eingeführte „Geld-zurück-Garantie“ vehement. Sie sei ein „einklagbarer Rechtsanspruch“ der Kunden und Ausdruck der Preiswürdigkeit des Unternehmens.

Schwalbe rät Verbrauchern denn auch, Preisgarantien „nicht besonders ernst zu nehmen“ und lieber selbst einen Preisvergleich vorzunehmen.

Ohnehin gibt es Branchen, in denen die Methode schon auf dem Rückzug ist. Deutschlands größte Elektronikketten Media Markt und Saturn warben früher ebenfalls mit Preisgarantien. Inzwischen haben sie sich davon jedoch verabschiedet. „Eine Bestpreis-Garantie kann man aus unserer Sicht in Zeiten des Onlinehandels nicht mehr seriös anbieten“, so eine Sprecherin. Denn die Preise im Netz könnten sich minütlich ändern und die Konditionen seien oft intransparent und kaum vergleichbar.

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