Beate Uhse verlegt Firmensitz nach Hamburg

Frauen als Kundengruppe: Beate Uhse hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich neu ausgerichtet.
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Frauen als Kundengruppe: Beate Uhse hat sich in den vergangenen Jahren erfolgreich neu ausgerichtet.

Erotikkonzern treibt Neuausrichtung weiter voran / Standort in Flensburg soll erhalten bleiben

shz.de von
12. Mai 2015, 19:08 Uhr

Für sein Bier ist Flensburg bekannt, für die Punkte-Kartei des Kraftfahrt-Bundesamtes – und eine geballte Ladung Erotik. Seit mehr als 50 Jahren ist die Fördestadt die Heimat des Beate-Uhse-Konzerns. Doch das könnte bald Geschichte sein. Das Unternehmen will seinen Firmensitz verlegen. Neuer Geschäftssitz soll Hamburg werden. Das bestätigte die Sprecherin des Beate-Uhse-Konzerns, Doreen Schink, gestern gegenüber unserer Zeitung. Aktionären des Konzerns soll ein entsprechender Vorschlag bei der nächsten Hauptversammlung am 29. Juni unterbreitet werden. Ein entsprechender Eintrag findet sich auch in der Einladung zur Hauptversammlung, die der Konzern im Internet veröffentlicht hat. Dort wird knapp unter dem Tagesordnungspunkt fünf in gerade einmal sechs Zeilen erklärt, dass Vorstand und Aufsichtsrat vorschlagen würden, eine Sitzverlegung zu beschließen. „Der Sitz der Gesellschaft wird von Flensburg nach Hamburg verlegt.“

Mit diesem Satz endet eine Ära. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Beate Uhse am Standort Flensburg den weltweit ersten Sexshop gegründet und das Unternehmen aufgebaut, das später zu einer der bekanntesten deutschen Marken heranwachsen sollte. Zuletzt schätzten Experten den Markenwert von Beate Uhse nach Konzernangaben auf mehr als 30 Millionen Euro.

Die aktuelle Entwicklung baue letztlich „auf den Entwicklungen der letzten Monate“ auf, erklärte Konzern-Sprecherin Schink. Beate Uhse hatte zuletzt bereits die Verwaltung nach Hamburg verlagert. Das Gebäude in der Gutenbergstraße, im Flensburger Gewerbegebiet, wurde verkauft – Beate Uhse ist dort nur noch Mieter. In der Fördestadt war zuletzt im Wesentlichen nur noch die Beate Uhse New Media tätig mit rund 30 Mitarbeitern. Sie sollen weiterhin dort beschäftigt bleiben. Weder ist den Angaben zufolge ein Abbau von Arbeitsplätzen im hohen Norden geplant, noch müssten Mitarbeiter umziehen. „Das ist gerade auch für Flensburg ein wichtiges Signal“, sagte Schink. Die Verlagerung des Geschäftssitzes sei ein „rein rechtlicher Akt“, betonte die Sprecherin. Allerdings ist es ein Akt mit großer Symbol-Wirkung.

In den vergangenen Jahren hat Beate Uhse einen tiefgreifenden Sanierungsprozess durchlaufen. Personal wurde abgebaut. Die Rechtsabteilung wurde von Flensburg nach Hamburg, Teile des Finanzwesens wurden in die Niederlande verlagert. Das Geschäft wurde neu ausgerichtet – weg von Hardcore-Pornografie, hin zu Dessous und Erotik-Zubehör. Statt der einstigen männlichen Kundschaft, richtet sich Beate Uhse nach eigenem Verständnis inzwischen vorrangig an Frauen. Mehr als 80 Prozent der Artikel sollen sich inzwischen an das weiblich Geschlecht richten. Die Strategie schien zuletzt aufzugehen. Im Geschäftsjahr 2012 kehrte der Konzern in die Gewinnzone zurück. 2013 erwirtschaftet Beate Uhse ein Jahresergebnis von 3,7 Millionen, im vergangenen Jahr von 2,5 Millionen Euro.

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