zur Navigation springen

Interaktive Karte : Bauern protestieren: Bundesweite Staffelfahrt startet in Hohenwestedt

vom

Mit einer bundesweiten Treckerfahrt wollen Milchbauern am Montag auf vier Routen durch ganz Deutschland nach München fahren. shz.de mit einer interaktiven Karte der Hohenwestedt-Route.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2015 | 14:52 Uhr

Hohenwestedt | Deutsche Milchbauern haben eine neuntägige bundesweite Protestaktion gegen den ihrer Meinung nach existenzgefährdenden Preisverfall bei der Milch gestartet. Zum Auftakt der Proteste brachen am Montag bundesweit zuerst Bauern mit ihren Treckern in Hohenwestedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) zu einer Staffelfahrt quer durch Deutschland auf.

Ihre Route führt die Schleswig-Holsteiner über Berlin nach München. Dort ist eine große Kundgebung geplant.

Ebenfalls noch am Montagvormittag sollte eine zweite Staffelfahrt im niedersächsischen Krummhörn starten. Zwei weitere Staffelfahrten beginnen in Süddeutschland am 28. August in Breisach (Baden-Württemberg) nahe der deutsch-französichen Grenze und am 1. September in Traunstein in Oberbayern.

In Hohenwestedt warf der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) Untätigkeit und eine Verweigerungshaltung vor. Schmidt tue nichts, um die für viele Milchbauern katastrophale Lage zu ändern, sagte Schaber, der auch Präsident des europäischen Verbandes European Milk Board ist.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) warnte in Hohenwestedt von der größten Milchbauernkrise in der Geschichte der Bundesrepublik. Wenn die Bundesregierung und die Europäische Kommission weiterhin Augen und Ohren verschlössen und nicht gegensteuerten, werde sich die Situation extrem zuspitzen, sagte Habeck.

Ebenso wie Schaber forderte Habeck, dass die sogenannte Superabgabe von 900 Millionen Euro zur Mengenreduzierung der Milchproduktion verwendet werde. Für Milchproduktion oberhalb der festgesetzten Quote hatten Landwirte bisher Strafzahlungen - die sogenannte Superabgabe - leisten müssen, die in diesem Jahr wegen des Wegfalls der Milchquote zum letzten Mal erhoben wurde. Bisher sei geplant diese 900 Millionen Euro anderweitig zu verwenden, doch sollte dieses Geld zu den Milchbauern zurückfließen, forderte Habeck.

Laut BDM kostet die Erzeugung eines Liters Milch in Schleswig-Holstein etwa 40 Cent, bringt den Bauern aber nur 26 Cent ein - und die Milchpreise für die Bauern drohten weiter zu fallen, so der BDM. Die Nerven vieler Milchbauern in ganz Deutschland lägen blank. Im Vergleich zum Vorjahr sei in diesem Jahr mit drei Milliarden Euro Verlusten für die deutschen Milchviehbetriebe und den ländlichen Raum zu rechnen.

Der Verband fordert, in Marktkrisen die Erzeugung in der EU zu verringern. Im Zuge der Agrarreform wurde die Milchquote zum 1. April abgeschafft. Seitdem drückt ein Überangebot den Preis. Dazu kommt Russlands Einfuhrverbot.

Treckergespanne fahren die Routen von den Startpunkten bis nach München und werden - nach Art einer Staffel - von Milchviehhaltern aus der Region mit ihren Treckern begleitet. Dabei werden die schleswig-holsteinischen Bauern von Kollegen aus Dänemark unterstützt. Auch dort habe es aufgrund der niedrigen Milchpreise bereits viele Betriebsaufgaben gegeben, beschrieb der BDM die dramatische Lage. Der BDM kämpft gemeinsam mit seinen europäischen Kollegen im European Milk Board EMB dafür, den Milchviehhaltern eine Perspektive zu geben.

Dafür gelte es, mit Sofortmaßnahmen die katastrophale Milchmarktsituation anzugehen, um damit wieder für Liquidität auf den Milchviehbetrieben zu sorgen. Parallel dazu müsse mit der gleichen Dringlichkeit nicht nur die Marktstellung der Milchviehhalter verbessert werden, sondern insbesondere das Milchmarkt-Krisenmanagement-Konzept aktiv angeschoben werden.

In den vergangenen Jahren hat die deutschen Landwirte eine Milchkrise nach der anderen getroffen. Diesmal liegt der Preissturz vor allem an der Abschaffung der Milchquote. Seit April schreibt die EU den Bauern nicht mehr vor, wie viel sie produzieren dürfen. Jetzt ist zu viel Milch auf dem Markt, und das Überangebot drückt den Preis. Hinzu kommt Russlands Einfuhrverbot für europäische Milchprodukte, der russische Markt ist europäischen Landwirten derzeit verschlossen. Auch in China ist die Nachfrage nach Milch aus Europa verhalten. Für einen Liter Milch bekommen die deutschen Bauern deshalb zurzeit nur rund 26 Cent. Sie fordern 40 Cent, um kostendeckend produzieren zu können.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen