zur Navigation springen

Protest in Hohenweststedt : Bauern in SH wieder auf der Straße – Nicht nur der Milchpreis fällt

vom

Die Erzeugerpreise für Agrarprodukte liegen deutlich unter denen des Vorjahres. Schuld soll der Preiskampf der Discounter sein.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2015 | 13:52 Uhr

Hohenweststedt | Bei bestem Erntewetter sind Schleswig-Holsteins Landwirte am Freitag für ihre Belange auf die Straße gegangen. Rund 200 Bauern stellten ihre Mähdrescher ab und stoppten die Strohpressen, um in Hohenweststedt im Kreis Rendsburg-Eckernförde auf den Preisverfall bei Agrarprodukten in der EU aufmerksam zu machen. „Wir wollen nicht gegen irgendjemand demonstrieren. Wir wollen kundtun, was wir hier für Probleme haben“, sagte Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. Bereits am Mittwoch waren Bauern in Rendsburg auf die Straße gegangen, um gegen den fallenden Milchpreis zu demonstrieren.

Die Landwirte hätten erhebliche Einkommensverluste wegen der außenpolitischen Situation. Zudem würden viele Bürger hierzulande dem Discount-Prinzip erliegen, sagte Schwarz. Nach seiner Einschätzung stehen die Landwirte mit dem Rücken zur Wand. In allen Produktionszweigen müssten sie mit einer anhaltenden Preiskrise kämpfen, viele Betriebe seien in ihrer Existenz bedroht.

Unter anderem würden die Bauern unter der schwachen Nachfrage nach Schweinefleisch leiden. Mit einem Kilopreis von 1,41 Euro für Schweine der Handelskasse E liege der Preis um 21 Cent unter dem des Vorjahres. Auch die Nachfrage nach Grillfleisch blieb demnach hinter den Erwartungen zurück. Und die Milchbauern hätten in den vergangenen zwölf Monaten mit sinkenden Erzeugerpreisen von etwa zehn Cent pro Liter klarkommen müssen, sagte Schwarz. Außerdem mache ihnen das gegen Russland verhängte Handelsembargo schwer zu schaffen. 

„Trotzdem führt der Lebensmitteleinzelhandel, insbesondere die Discounter, den ruinösen Preiskampf unvermindert fort“, sagte Schwarz. „In nackten Zahlen sind das bei einem Milchbauern schnell 20.000 Euro im Jahr weniger an Einkünften, bei einem Schweinezüchter können es auch 30.000 Euro sein.“

Schwarz forderte für die Landwirte eine angemessene Bezahlung ihrer Produkte.  Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) forderte im Kampf gegen niedrige Erzeugerpreise eine Qualitätsoffensive. „Das starke Mengenwachstum an Milch und Schweinefleisch in den letzten Jahren gerade auch in Deutschland stößt auf eine international gesunkene kaufkräftige Nachfrage“, sagte der AbL-Vorsitzende Martin Schulz. Als Ausweg aus dem Preistief ist Schulz unter anderem für eine Reduzierung des Überangebots sowie eine EU-weite Beschleunigung des Umbaus der Tierhaltung hin zu einer gesellschaftlich akzeptierten Haltung.

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) suchte den Schulterschluss mit den Milchbauern. „Der Preisrutsch bei Milch setzt sie enorm unter Druck“, sagte er. Er habe sich gemeinsam mit anderen Ländern schon vor dem Wegfall der Quote für zusätzliche, auch kurzfristige Kriseninstrumente eingesetzt. „Aber der Bund und die EU-Kommission ignorieren das Problem. Sie müssen dringend anerkennen, dass Handlungsbedarf besteht“, sagte Habeck. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen