GDL-Lokführer im Tarifkampf : Bald 100 Tage Streik bei Nord-Ostsee-Bahn

Züge der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) stehen im Depot in Husum. Das Unternehmen wird seit Februar immer wieder bestreikt. Foto: dpa
Züge der Nord-Ostsee-Bahn (NOB) stehen im Depot in Husum. Das Unternehmen wird seit Februar immer wieder bestreikt. Foto: dpa

Es war noch im letzten Winter, als die ersten Lokführerstreiks Bahnreisende im Norden auf die Geduldsprobe stellten. Als einzige Privatbahn wird die NOB immer noch bestreikt.

shz.de von
21. Oktober 2011, 01:12 Uhr

In der Geschäftsführung der NOB hat es gerade Bewegung gegeben - Olaf Ernst hat seinen Posten gegen einen Job im Bereich Sicherheit für die Region Nord-Ost der Veolia Verkehr GmbH getauscht. Somit ist Martina Sandow nun alleinige Geschäftsführerin der NOB.
Keine Bewegung ist hingegen im Tarifkonflikt zwischen der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer (GDL) und der Nord-Ostee-Bahn zu spüren. Seit dem vergangenen Winter ist sie von Streiks betroffen. Nun steuert das Unternehmen auf den 100. Streiktag zu. Am 28. Oktober wäre es soweit, wenn der aktuelle Streik, Nummer 17 seit Februar, bis dahin andauern würde. An der GDL soll es nicht liegen: "Unsere Streikkasse ist gut gefüllt", sagt Pressereferent Stefan Mousiol. "Wir haben berechtigte Forderungen."
Streikverbot bei neuen Ausschreibungen?
Der Tarifvertrag soll verbindliche Mindestbedingungen unter anderem zu Einkommenshöhe und Arbeitszeiten enthalten. Zu den inhaltlichen Forderungen gehört die Übernahme von Lokführern bei einem Betreiberwechsel mindestens zu den Bedingungen dieses Bundesrahmen-Tarifvertrages.
Am Dienstag war Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) auf Sylt, um das Startsignal für die Modernisierung des Sylt Shuttles der Deutschen Bahn zu geben. Dabei traf er sich auch mit Sylter Unternehmern. Diese sind von den Streiks besonders betroffen: Die Insel ist nur per Bahn oder Autozug über den Hindenburgdamm zu erreichen. Es sei darum gegangen, ob man bei künftigen Ausschreibungen von Bahnstrecken nach Modalitäten suchen könne, die eine Bestreikung des Damms verhindern können, sagte Ministeriumssprecher Harald Haase am Mittwoch. Gleichzeitig habe de Jager klargemacht, dass dies wegen des Streikrechts schwierig sei.
NOB: "Veolia lässt uns freie Hand"
Warum es nun gerade mit der NOB nicht klappt? Mousiol vermutet, dass der Mutter-Konzern Veolia es der NOB so diktiere. Die NOB ist eine hundertprozentige Tochter der Veolia Verkehr GmbH, einem Unternehmensbereich des französischen Konzerns Veolia Environnement. Vielleicht wolle das Unternehmen den Vorteil geringerer Lohnkosten weiter nutzen, sagt Mousiol.
Eine Einflussnahme durch Veolia weist die NOB dagegen zurück: "Unsere Muttergesellschaft Veolia Verkehr lässt uns freie Hand, eine unternehmensspezifische Lösung zu verhandeln, und steht uns mit Rat und Tat zur Seite", sagt NOB-Geschäftsführerin Martina Sandow laut Mitteilung. Für die NOB ist der Pferdefuß bei den Verhandlungen, dass die GDL auf einem bundeseinheitlichen Tarif beharre. Die NOB verhandele aber "ausschließlich auf der Ebene eines Haustarifvertrages", so Sandow. Man sei aber zu einer Schlichtung ohne Vorbedingungen bereit.
NOB wartet auf Antworten, GDL auf Unterschriften
Allerdings gibt es auch in diesem Punkt wieder Streit. GDL-Pressereferent Mousiol verweist auf das vom Bundesvorsitzenden Claus Weselsky unterschriebene Papier, das die NOB nur noch ebenfalls unterzeichnen müsse. "Wir warten, dass es zurückkommt." Die NOB hält dagegen. Zwar habe Weselsky ein von ihm mitgebrachtes Exemplar einer Schlichtungsvereinbarung in einer ersten Verhandlung selbst unterschrieben. "Aber wir haben dieses Verhalten als unseriös zurückgewiesen und auf die Klärung noch offener Fragen bestanden", teilte Sandow mit.
Für die Kunden wird der Stress weitergehen, solange es keine Einigung gibt. Ausweichmöglichkeiten gibt es im Bahnbereich kaum: Die Deutsche Bahn bediene die Strecken der NOB nicht parallel, erläutert Sandow. Auf den Strecken Kiel-Husum und Husum-Bad St. Peter-Ording fahre nur die NOB. Zwischen Hamburg und Westerland führen zwar drei InterCity und ein Autozug, dies seien aber keine Nahverkehrsangebote.

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