Niederlage für NOB : Bahn-Tochter DB Regio soll künftig die Strecke Hamburg-Sylt bedienen

Die Strecke Hamburg-Westerland ist besonders begehrt: Drei Unternehmen wollen sie übernehmen.
Die Strecke Hamburg-Westerland ist besonders begehrt: Drei Unternehmen wollen sie übernehmen.

Nach dem Willen des Landtags in Kiel soll die Bahn-Tochter DB Regio den Zuschlag erhalten. Grund ist auch eine schnellere Fahrt nach Sylt.

shz.de von
15. Juli 2015, 17:19 Uhr

Die Bahn-Tochter DB Regio soll nach dem Willen der zuständigen Parlamentsausschüsse in Schleswig-Holstein von Dezember 2016 an die lukrative Bahnstrecke Hamburg-Sylt befahren. In einer gemeinsamen Sitzung gaben Wirtschafts- und Finanzausschuss dafür am Mittwoch grünes Licht. Die beiden unterlegenen Bieter können dagegen aber Widerspruch bei der Vergabekammer Schleswig-Holstein einlegen. Erst nach Ablauf einer Frist von zehn Tagen kann das Land den Zuschlag erteilen.

Derzeit betreibt die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) das Bahnnetz West. Auf der 238 Kilometer langen Bahnstrecke Hamburg-Westerland sind täglich etwa 18.000 Fahrgäste unterwegs. Die Fahrt dauert knapp drei Stunden und kostet fast 30 Euro.

Der Verkehrsverbund Nah.sh hatte die Vergabe an die DB Regio empfohlen. Daneben hatten die NOB und das Unternehmen Abellio Interesse am Betrieb der sogenannten Marschbahn angemeldet.

Die Neuvergabe bringt nach Angaben von Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) eine Reihe von Verbesserungen.

Künftig fahren demnach zwei Sprinterzüge sonnabends und sonntags morgens von Hamburg nach Westerland und nachmittags wieder zurück. Sie verkehren zwischen Oster- und Herbstferien und brauchen 20 Minuten weniger für die Strecke.
Zu besonders nachgefragten Fahrzeiten stünden künftig mehr Sitzplätze zur Verfügung, sagte Meyer. Außerdem soll es eine Verbesserung der Anschlüsse zur RB62 zwischen Heide und Itzehoe geben. Der RE6 hält weiterhin siebenmal in Glückstadt.
Die DB Regio will auch weiter mit den Reisezugwagen fahren, die bereits seit Dezember 2005 zwischen Hamburg und Westerland unterwegs sind. Nah.sh will an den Fahrzeugen die Barrierefreiheit verbessern sowie Steckdosen, WLAN und Monitore für die Anzeige von Echtzeitinformationen nachrüsten.

Die Bahn-Tochter soll das wirtschaftlichste Angebot vorgelegt haben. Schleswig-Holstein soll dadurch mehrere Millionen Euro pro Jahr sparen.

Der Piraten-Abgeordnete Patrick Breyer kritisierte, dass auf der viel genutzten Strecke künftig kein Fahrscheinverkauf im Zug mehr möglich ist. „Das bedeutet weniger Service für die Fahrgäste und verlorene Lebenszeit“, sagte Breyer. „Wer häufiger Bahn fährt, weiß, wie langsam die Fahrscheinautomaten am Bahnsteig funktionieren.“

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