Marschbahn und Netz Mitte : Bahn-Pannen: Minister Buchholz droht DB Regio mit Sanktionen

Bernd Buchholz über sich selbst: „Der Minister ist sauer.“
Bernd Buchholz über sich selbst: „Der Minister ist sauer.“

Verkehrsminister Buchholz droht DB Regio mit Sanktionen. Hintergrund sind die Probleme im Netz West mit der Marschbahn und im Netz Mitte zwischen Flensburg, Kiel und Hamburg.

Kay Müller von
18. Januar 2018, 16:51 Uhr

Kiel | Wütend stapft Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) aus der Sitzung des Wirtschaftsausschusses in Kiel. „Der Minister ist sauer“, sagt er über sich selbst. Dann erneuert er mit deutlichen Worten seine Kritik an der Deutschen Bahn (DB) – und droht mit Konsequenzen wie etwa Geldstrafen wenn die Bahn sich weiter nicht an die mit dem Land geschlossenen Vereinbarungen halte. Die seit Monaten bestehenden Probleme bei der Marschbahn im Netz West würden nicht, wie in einem Zehn-Punkte-Aktionsplan vereinbart, konsequent beseitigt, kritisierte Buchholz.

Nach den Ausfällen auf der Marschbahnstrecke zwischen Hamburg und Westerland, wo immer noch nur elf Loks und Personenwagen statt der vereinbarten 15 im Einsatz sind, gibt es jetzt erhebliche Probleme auf der Bahnstrecke durch die Mitte Schleswig-Holsteins.

Nach dem neuen Fahrplan sollten Reisende ab Januar ohne umsteigen zu müssen, von Hamburg nach Kiel oder Flensburg fahren können. Dafür müssten die Züge in Neumünster geteilt werden und auf der Rückfahrt wieder zusammengekoppelt werden. „Das Konzept können wir zur Zeit nicht fahren, weil die uns mit drei Jahren Verspätung ausgelieferten Züge der Firma Bombardier jetzt so viele Probleme machen, dass nur noch sieben im Einsatz sind, statt neun, die man mindestens bräuchte, um das Konzept zu fahren“, sagt Buchholz. Nun müssten Pendler mehr Zeit einplanen. „Die Kunden sind die Dummen. Man wird sauer, wenn hier permanent nichts klappt, sondern man den Eindruck bekommt, dass die Beteiligten nicht genug dafür tun, dass tatsächlich nach vorne gearbeitet wird.“ Der Minister erwartet von DB Regio zügig Verbesserungen.

Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis gibt die Probleme zu. Es habe in den vergangenen Tagen etwa bei einem Drittel der Verbindungen von Hamburg nach Kiel und Flensburg keine Teilung der Züge gegeben. Wann der geplante Betrieb reibungslos laufe, könne er nicht sagen. „Unsere und die Techniker von Bombardier arbeiten rund um die Uhr an der Behebung der Probleme.“ Für das vollständige „Flügelkonzept“ seien neun Triebwagen nötig. „Die Züge sind zur Schadensbehebung in der Werkstatt.“ Nach Angaben des Bahnsprechers wird zwischen 5 und 21.30 Uhr in Neumünster „geflügelt“, das sind 34 solcher Vorgänge. Am Montag gab es 14 und am Dienstag zehn Ausfälle.

Buchholz ist genervt und will jetzt „die Daumenschrauben anziehen“. In den Verträgen über den Betrieb der Marschbahn habe sich die DB Regio dazu verpflichtet, mindestens eine 93-prozentige Pünktlichkeit zu gewährleisten. „Die Deutsche Bahn realisiert aber allenfalls etwas über 70 Prozent – und das seit Monaten“, so der Minister. Es gebe die Möglichkeit, die Bahn finanziell  dafür zur Kasse zu bitten.

Der Bahnsprecher wollte dazu keinen Kommentar abgeben, die Verträge geben solche Strafen allerdings her, so Meyer-Lovis. Ob es auch möglich sei, die Verträge vorzeitig zu kündigen, ließ Buchholz offen. Noch. Nur so viel: „Wir werden nicht einfach nur zugucken, sondern rigoroser vorgehen.“ Sanktionsmöglichkeiten bilden sich laut Buchholz „zuerst in Geld ab. Aber natürlich ist irgendwann auch mal ein größeres Szenario denkbar. Das will ich jetzt gar nicht ausmalen. Es geht mir nicht darum, nur mit Drohgebärden zu agieren. Aber man muss auch mal sagen: ,Wir werden jetzt einfach nicht nur zugucken und mit uns was machen lassen, sondern wir werden jetzt rigoroser vorgehen.'“

 
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