zur Navigation springen

Winterkorn-Rücktritt : Autoexperte: Kraftfahrt-Bundesamt trägt Mitschuld am VW-Skandal

vom

„Wir brauchen ein amerikanisches KBA“, sagt der Experte Ferdinand Dudenhöffer. VW-Chef Martin Winterkorn tritt zurück.

Das in Flensburg ansässige Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) trägt nach Meinung von Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer am Skandal um manipulierte Schadstoffbilanzen Hunderttausender Autos der Marke VW eine Mitschuld: „Mit einer unabhängigen und aktiven Kontrollbehörde hätten die Autobauer vor solchen Tricks zurückgeschreckt. Man kann froh sein, dass die Amerikaner da ein Auge drauf haben“, sagte er dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag sh:z. Unterdessen tritt Martin Winterkorn als Vorstandschef von Europas größtem Autobauer Volkswagen zurück. „Volkswagen braucht einen Neuanfang - auch personell. Mit meinem Rücktritt mache ich den Weg dafür frei“, lässt sich der 68-Jährige am Mittwoch pünktlich zum Börsenschluss in Frankfurt von der Kommunikationsabteilung des Wolfsburger Autobauers zitieren.

Die US-Umweltbehörde EPA wirft VW die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Dieselfahrzeugen vor, es drohen milliardenschwere Strafzahlungen. Die Wolfsburger haben das Fehlverhalten bereits eingeräumt und einen Verkaufsstopp für die betreffenden Modelle in den USA erlassen. Der VW-Konzern gerät wegen der Abgas-Affäre auch in Deutschland ins Visier der Justiz: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig gab am Mittwoch den Beginn von Vorermittlungen gegen VW bekannt.

„Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen Konzern möglich waren“, heißt es in einer Erklärung Winterkorns. Der 68-Jährige war durch den Abgas-Skandal in den USA in Bedrängnis gekommen. Als Vorstandschef übernehme er die Verantwortung für die bekanntgewordenen Unregelmäßigkeiten bei Dieselmotoren. Er habe daher den Aufsichtsrat gebeten, mit ihm eine Vereinbarung zur Beendigung seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns zu treffen. „Ich tue dies im Interesse des Unternehmens, obwohl ich mir keines Fehlverhaltens bewusst bin“, erklärte Winterkorn.

 

Ferdinand Dudenhöfer, Wirtschaftswissenschaftler von der Universität Duisburg-Essen, fordert jetzt eine Reform der Bundesbehörde. „Wir brauchen ein amerikanisches KBA. Verkehrsminister Alexander Dobrindt muss die Behörde modernisieren“, sagt der Branchenbeobachter. Die größte Schwachstelle ist seiner Meinung nach die Abhängigkeit der Bundesbehörde vom Verkehrsministerium. „Es ist ein Unding, dass Dobrindt erst den Auftrag für Nachprüfungen geben muss, bevor die Beamten aktiv werden“, so Dudenhöffer. In den USA sei das Kräfteverhältnis zwischen Kontrollinstanz und Politik umgedreht.

 

Die amerikanischen Amtskollegen würden zudem anders als in Deutschland permanent kontrollieren und nicht nur einmal zur Typzulassung. Rückrufe würden in den USA detailliert im Internet aufgelistet und Verbraucher könnten problemlos telefonisch Fragen stellen und Probleme melden. „Wie das KBA über Rückrufe informiert, ist hingegen jämmerlich“, sagt der Autoexperte.

Mit dpa

zur Startseite

von
erstellt am 23.Sep.2015 | 17:26 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen