Nachwuchsmangel : Auszubildende händeringend gesucht

Die Betriebe im Land bekommen den Nachwuchsmangel zu spüren. Mehr Lohn ist laut IHK eine Option, Ausbildungsplätze attraktiver zu machen.

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07. April 2011, 11:19 Uhr

kiel/lübeck | Die Angst vor dem Fachkräftemangel geht um. Warnungen vor demographischem Wandel, geburtenschwachen Jahrgängen und immer weniger Schulabgängern treiben die Betriebe im Norden um, sie rüsten sich für den Wettbewerb um den Nachwuchs.
Tatsächlich hält sich die Zahl der Schulabgänger in Schleswig Holstein seit dem Jahr 2002 auf einem konstanten Niveau um die 30.000. Dennoch: "Wir sehen, dass die Unternehmen sich Mühe geben, frühzeitig Bewerber zu bekommen", sagt Hans Joachim Beckers, Bildungsexperte bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein. Dazu werden Kooperationen mit Schulen abgeschlossen, Praktika angeboten und inzwischen lockt eine Lübecker Bäckereikette ihre Auszubildenden mit Monatsfahrkarten oder arbeitsfrei nach dem Berufsschulbesuch.
Auch die Ausbildungsvergütung könnte in Zukunft dazu genutzt werden, um Lehrlinge anzulocken, bestätigt die IHK. Das Bundesinstitut für Berufsbildung meldete bisher aber nur einen geringfügigen Anstieg des Durchschnittsgehalts der Azubis, um 1,3 Prozent im Jahr 2010.
Nachhilfe für "nicht ausbildungsreife" Lehrlinge
Der Trend gehe mittler weile sogar dahin, so Beckers, dass auch solche Bewerber eingestellt werden, die vielleicht früher als ungeeignet abgelehnt worden wären. Obwohl sich viele Betriebe über die "nicht ausbildungsreifen" Lehrlinge beklagen, bemühen sich einige bereits, die Defizite der Anfänger zu beheben, indem sie etwa Nachhilfe anbieten. Ein Ansatz, der nach Meinung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Nord noch viel zu wenig verfolgt wird. Laut Ausbildungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Nord, gibt es momentan 13.780 Ausbildungsstellen in Schleswig-Holstein, denen 10.426 Bewerber gegenüberstehen. In dieser Statistik tauchten jedoch nur diejenigen Interessenten auf, die sich über die Agentur für Arbeit zum ersten Mal vermitteln lassen wollten, wie Heiko Gröpler vom DGB Nord erklärt. Die Gewerkschaft beziffert die Zahl der Ausbildungswilligen, inklusiver solcher, die sich privat bewerben, oder die schon einmal keinen Platz bekommen haben, auf bis zu 20.000 im Land.
DGB-Nord-Chef Uwe Polkaehn verweist daher auf das ungenutzte Potenzial an Fachkräften: "Es muss sich viel mehr um die Altbewerber gekümmert werden, die angeblich nicht ausbildungs fähig sind, bevor über einen Auszubildendenmangel geklagt wird".
(kea, shz)

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