Marketing-Trend : Ausziehen für den Chef

shz.de von
10. November 2013, 13:55 Uhr

Wenn der Chef zum Fotoshooting in BH und Höschen bittet, würden die meisten Mitarbeiter wohl ganz schnell die Flucht ergreifen. Beim Unterwäschehersteller Comazo lassen sie hingegen freiwillig die Hüllen fallen – zu Werbezwecken. Ob im Online-Shop oder auf Werbeplakaten, das schwäbische Unternehmen verzichtet gänzlich auf professionelle Models und präsentiert stattdessen die eigenen Leute in Schlafanzug und Boxershorts. Es geht darum, einen authentischeren Eindruck beim Kunden zu hinterlassen. Ein Nebeneffekt: Kundenbindung. Durch die Werbeauftritte in der hauseigenen Wäsche stehe die Belegschaft selbstbewusst hinter dem Unternehmen, sagt Sprecherin Yasmin Kozhua. Und wie ist es, sich vor dem Chef auszuziehen? „Es ist so, als ob man mit seinen Kollegen ins Schwimmbad geht“, sagt Comazo-Mitarbeiterin Stephy Massow. Die knappe Kleidung vergesse man ganz schnell. Eine gute Figur will die 31-Jährige aber trotzdem machen: „Ein paar Maßnahmen werden auf jeden Fall getroffen“, sagt sie. Vorher achte sie schon darauf, dass sie „weniger Kuchen esse“.

Allein ist Comazo mit seiner ungewöhnlichen Werbekampagne nicht: Auch andere Unternehmen setzen auf Mitarbeiter statt Models. „Ob im Web-Shop des Wäscheherstellers Comazo oder in TV-Spots des Wurstproduzenten Rügenwalder Mühle: Die eigenen Mitarbeiter sollen gegenüber potenziellen Kunden Werte wie Glaubwürdigkeit und Stolz auf die Produkte vermitteln“, sagt Maik Luckow, Sprecher des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW).

Rügenwalder Mühle

Der Wurstproduzent aus Niedersachsen tauschte jüngst Moderator Jörg Pilawa als Werbefigur aus – und holte stattdessen die eigenen Leute vor die Kamera.

Commerzbank

In einem Werbespot joggt derzeit eine Filialleiterin der Bank mit Kapuzenpulli und Musik auf den Ohren durch die Stadt – und macht sich dabei Gedanken über die Finanzwelt.

Carglass

„Carglass repariert, Carglass tauscht aus.“ Im Werbeclip des Autoglas-Reparateurs treten stets die eigenen Mitarbeiter auf.

Obi

Die Baumarktkette ließ einst die Belegschaft in orange-farbener Kleidung zu der Melodie von Queens „We will rock you“ den Slogan „Wie, wo, was weiß Obi“ intonieren.

Jung von Matt

Die Werbeagentur erdachte nicht nur die Obi-Werbung, sondern setzte auch selbst schon auf die eigenen Köpfe. In einer Kampagne mit dem Titel „Jede zweite Ehe entsteht am Arbeitsplatz“ warb die Kreativagentur um neue Leute – mit nackten Kolleginnen.

Berliner Zeitung

Redakteure des Blatts treten derzeit in einem Kinospot mit Schauspielerin Friederike Kempter auf, auch Plakate mit ihren Köpfen sind in der Hauptstadt zu sehen.

HSH Nordbank

Die Bank präsentierte ihre Mitarbeiter einst auf Werbeplakaten in eher ungewöhnlichen Situationen – vom Eisloch bis zur Feuerleiter.

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