Auf der Jagd nach den Datensammlern

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Till Lorenz ist Mitglied der Wirtschaftsredaktion. von
12. Juli 2015, 17:24 Uhr

24 Minuten verbringen die Deutschen täglich bei Facebook, zweieinhalb Stunden im Internet. Die großen Internet-Konzerne nutzen diese Zeit – um die Menschen auszuspionieren. „Der Wilde Westen, der da draußen herrscht, macht mir persönlich Angst“, sagt der Hamburger Christian Bennefeld. Vor allem vier große Internet- und Tech-Konzerne stehen dabei stellvertretend für die weltweite Daten-Sammelei: Google, Amazon, Facebook und Apple. Bennefeld ist vor allem das sogenannte Tracking – die Verfolgung von Nutzern im Internet – ein Dorn im Auge. Mit einem neuem System will Bennefeld den Nutzern die Hoheit über ihre Daten zurückgeben.

Bis zu 80 Tracking-System würden sich mitunter auf einer einzigen Internet-Seite verstecken. „Man kann schon allein aufgrund meiner Internet-Seiten-Besuche meine politische Einstellung sehen“, sagt der Unternehmer. Systeme wie jenes von Google würden diese Daten auch nicht anonym erheben, sondern mit dem Google-Konto einer jeweiligen Person verbinden. Und aufgrund der Verbreitung der Smartphones mit dem von Google unterstützen Android-Betriebssystem verfügten immer mehr Menschen auch über ein Google-Konto. „Die geben nicht nur einen Einblick in die Privatsphäre, sondern in die Intimsphäre“, warnt Bennefeld. Die Stasi wäre stolz gewesen. Denn die Möglichkeiten der Kontrolle sind gewaltig. „Allein wenn ich die Maus bewege, kann das aufgezeichnet werden.“

Einst hat Bennefeld das Unternehmen eTracker mit begründet und aufgebaut. Auch eTracker hat das Ziel, das Verhalten von Internet-Besuchern auszuwerten. Anders als die Programme von Google und Co. würden bei eTracker aber laut Bennefeld keine Nutzerdaten miteinander verknüpft.

Mit seiner neuen Firma eBlocker geht Bennefeld das Thema von der anderen Seite her an. „Mit dem E-Blocker erfülle ich mir meinen Lebenstraum, der Internetgemeinde die Hoheit über ihre Daten zurückzugeben.“ Die Installation sei dabei so einfach, „wie der Fön in der Steckdose“, schwärmt Bennefeld. Das Gerät wird einfach an das Heimnetzwerk der Nutzer angeschlossen. Tracking-Programme sollen daraufhin auf sämtlichen Endgeräten blockiert werden – es sei denn, der Nutzer gewährt den Zugriff. Wer also Laptop oder Tablet im heimischen W-Lan-Netzwerk betreibt, könnte dies tun, ohne Angst vor Datensammlern haben zu müssen. Eine Schwachstelle von E-Blocker ist derzeit jedoch noch das Smartphone, das nicht auf das heimische Netzwerk zugreift. Ab kommenden Jahr soll die Technik aber ausgeweitet werden, kündigt Bennefeld an – dann könnte die Sicherheit vor Verfolgern im Netz auch außerhalb der eigenen vier Wände kommen.

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