Benzinpreise in SH : Auf der Fahrt zum 99-Cent-Diesel

Die Autofahrer freut es: Der Ölpreis fällt stärker als die Konditionen für Kraftstoffe an den Tankstellen. Das führt zu Tiefstangeboten an den Zapfsäulen.

shz.de von
12. Januar 2015, 17:31 Uhr

Die Autofahrer an der nordfriesischen Küste trauten am Wochenende ihren Augen nicht. Als würden die Preise an den Tankstellen von jeder einzelnen Orkanböe in tiefere Regionen befördert. Bis auf 1.02,9 Euro fiel der Dieselpreis an einigen Stationen zwischen St. Peter-Ording und Niebüll. Damit hatten die Nordfriesen in den letzten Tagen den Wettbewerb um die günstigsten Dieselpreise im Norden gewonnen. Der Sprit war sogar billiger als in Hamburg. Dort lagen die billigsten Anbieter bei 1.04,9 Euro. Gestern aber, als die Barrelpreise an den internationalen Märkten bis auf 48,95 Dollar gepurzelt waren, mühten sich die Mineralölgesellschaften mit aller Macht um Stabilität.

In der Nacht zu Montag schossen die Preise bis auf 1.20,9 hoch. Was überhaupt nicht im Verhältnis zum weiter fallenden Markt des Rohöls steht. Alle Versuche, die Ölpreise künstlich in oberen Regionen zu halten, scheiterten. Die Ölpreise sind seit Sommer um über die Hälfte eingebrochen und liegen so niedrig wie zuletzt im Frühjahr 2009. Ein zu hohes Angebot auf dem Weltmarkt setzt die Preise unter Druck. Das Ölkartell Opec hat unter Führung von Saudi-Arabien bisher nicht mit einer Produktionskürzung auf den Preissturz reagiert.

Der wichtige Ölproduzent will laut Beobachtern mit niedrigeren Preisen der stark wachsenden Schieferölindustrie in den USA mit ihrer Fracking-Technologie einen Dämpfer verpassen. Laut Experten der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs kann die US-Industrie allerdings deutlich tieferen Preisen trotzen, als die meisten Beobachter annehmen. In einer am Montag bekannt gewordenen Studie gehen sie davon aus, dass die Ölpreise während der ersten Jahreshälfte bis auf 40 Dollar sinken müssten, um die Schieferölindustrie zu veranlassen, ihre Investitionen zu drosseln.

Zudem senkten sie ihre Ölpreisprognosen deutlich ab. Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist gefallen. Das Opec-Sekretariat meldete am Montag einen Durchschnittspreis aller Ölsorten des Kartells von 45,19 US-Dollar.

Würden die Ölkonzerne nicht jeden Abend an der Preisschraube drehen und ließen sie dem Preisverfall freien Lauf, könnten die Autofahrer im Norden den Liter Diesel schon längst für unter einem Euro und Super für rund 1,10 Euro tanken. So schafften es Aral, Esso, Shell und Co am Montag zunächst, die Preise zu stabilisieren.

Obwohl die Konditionen auf dem Weltmarkt fast stundenweise purzelten, lag der Durchschnittspreis für Diesel in Schleswig-Holstein im Tagesverlauf bei 1.10,9. Am Abend begann dann die Absatzbewegung. Als die so genannten B-Marken wie Star, Jet oder auch die im Land ständig wachsende Team-Gruppe mit Firmensitz in Süderbrarup (Kreis Schleswig-Flensburg) die fallenden Kurse im Einkauf an ihre Tankstellen weiterreichte, ging es im Stundentakt nach unten.

In der Region Flensburg bis auf 1.06,9, in Rendsburg bis auf 1.05,9, in Itzehoe bis auf 1.02,9, in Neumünster und in Pinneberg gar bis auf 1.01, 9. Verhältnismäßig teuer blieb es mit 1.06,9 im Kieler Raum. Wie auch in Nordfriesland die Preise von Sonntag nicht erreicht wurden. 1.07,9 kostete Diesel gestern Abend in Husum. Im Hamburger Randgebiet fiel der Preis teilweise bis auf 1.00,9. Somit mag es nur noch einige wenige Tage dauern, bis die Schallgrenze von 99,9 Cent erreicht ist. 
 

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