Kernkraftwerk Brunsbüttel : Atommüll: Rostfässer können bald geborgen werden

Im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel sind von nunmehr 217 untersuchten Atommüll-Fässern 38 stark beschädigt.
Im stillgelegten Atomkraftwerk Brunsbüttel sind von nunmehr 217 untersuchten Atommüll-Fässern 38 stark beschädigt.

Bis Sommer soll Vattenfall alle verrosteten Fässer aus dem Keller des Kernkraftwerkes geholt und umverpackt haben.

Kay Müller von
25. Februar 2018, 08:58 Uhr

Brunsbüttel/Kiel | Es ist genau zwei Jahre her, dass der Betreiber Vattenfall mit der Bergung von 632 zum Teil stark verrosteten Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Müll aus den sechs unterirdischen Kavernen des abgeschalteten Kernkraftwerks Brunsbüttel (Kreis Dithmarschen) begonnen hat. Jetzt ist ein Ende der Arbeiten in Sicht.

„Es ist damit zu rechnen, dass die Bergung der Fässer bis Mitte des Jahres abgeschlossen werden kann“, sagte die Sprecherin des Umweltministeriums in Kiel, Jana Ohlhoff. Damit befinde sich Vattenfall im Zeitplan.

Vier Kavernen, in denen 382 Fässer lagerten, sind geräumt, dazu sind 15 Behälter aus der größten Kaverne sechs geholt worden, die als am schwierigsten zugänglich gilt. Ein Teil der Fässer steht dort in übereinander gestapelten Containern, andere liegen, weitere werden unter einem feststehenden Kavernendach aufbewahrt. „Die unter dem Vorsprung stehenden Fässer können voraussichtlich mit der vorhandenen Greifertechnik gehandhabt werden“, so Ohlhoff.

Vattenfall mit neuer Greifertechnik

Vattenfall hatte nach Entdeckung der rostigen Fässer spezielle Werkzeuge entwickeln müssen, mit denen der zum Teil in den Betonkellern ausgelaufene Atommüll nun geborgen wird. In den Fässern sind im Wesentlichen Filterharze und Verdampferkonzentrate, die in den Beton-Kavernen unter dem Kraftwerk seit Ende der 70er Jahre eingelagert wurden. Vor ein paar Jahren wurde bei Routinekontrollen entdeckt, dass mehr als 150 Fässer zum Teil schwer beschädigt sind. Allein die Kaverne fünf, in der ausgemusterte Komponenten aus dem Reaktor lagerten, sei nach einer Inspektion von der Korrosionsproblematik nicht betroffen, so die Atomaufsicht in Kiel.

„Die einsehbaren Fässer in der Kaverne sechs sind offenbar in einem besseren Zustand als die bisherigen Fässer aus den Kavernen eins bis vier“, sagt Ohlhoff. „Ob eine noch gesondert zu konstruierende Bergungstechnik eingesetzt werden muss, lässt sich abschließend erst sagen sobald die beiden oberen Mulden entfernt und die darunter lagernden Fässer einsehbar sind.“

Vattenfall habe aber schon eine neue Greifertechnik entwickelt, die die Atomaufsicht überzeugt habe. Damit könnten auch liegende Fässer bei begrenzter Zugänglichkeit geborgen werden, so Ohlhoff. „Der Fortschritt des Verfahrens lässt das Zwischenfazit zu, dass die Bergung der radioaktiven Abfälle aus den Kavernen und die weitere Konditionierung erfolgreich verläuft.“

Inbetriebnahme des Endlager erst in einigen Jahren

Ein Problem könnte es dennoch geben: Der Zeitplan kann laut Atomaufsicht nur eingehalten werden, wenn die bislang nicht einsehbaren Fässer zumindest nicht in einem schlechteren Zustand sind als die vollständig inspizierten oder die bereits geborgenen Fässer.

Der Großteil der geborgenen Fässer und deren Inhalt befindet sich inzwischen in 20 Castoren, der Rest wird im Fasslager des Kraftwerks aufbewahrt. Dieser Atommüll soll in Endlagercontainer umgepackt werden und in der nahen, so genannten Transportbereitstellungshalle zwischengelagert werden. Von dort könnten die Castoren ins Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen gebracht werden – mit dessen Inbetriebnahme rechnen Experten allerdings frühestens in einigen Jahren.

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