Neue Arbeitsmarktzahlen : Arbeitslosigkeit in Hamburg und Kiel im Juni gesunken

Die Zahl der Hartz-IV-Empfänger ist 2017 auf 4,36 Millionen von 4,31 Millionen im Vorjahr gestiegen.
Die im Juli beginnenden Ferien in Hamburg und Schleswig-Holstein könnten einen Dämpfer bringen.

Der Juni ist in Hamburg und Schleswig-Holstein abermals ein guter Monat auf dem Arbeitsmarkt geworden.

shz.de von
29. Juni 2018, 10:15 Uhr

Hamburg/Kiel | Ausgesprochen positiv hat der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein das erste Halbjahr abgeschlossen. Ende Juni waren 81.600 Menschen ohne festen Job und damit 8,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zum Vormonat Mai gab es einen Rückgang um 2,7 Prozent, wie die Agentur für Arbeit am Freitag berichtete. Die Arbeitslosenquote sank auf 5,2 Prozent, nach 5,8 Prozent vor einem Jahr. Der Bundesschnitt beträgt 5,0 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen im Juni ist laut Arbeitsagentur die niedrigste in diesem Monat seit 26 Jahren. Vor fünf Jahren waren im gleichen Monat noch 15.000 Frauen und Männer mehr ohne Arbeit.

„Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir jemals eine so gute Situation hatten“, sagte die Regionaldirektorin der Arbeitsagentur, Margit Haupt-Koopmann. Die Arbeitslosigkeit sinke kontinuierlich, die Nachfrage nach Arbeitskräften sei anhaltend hoch und die Beschäftigung nehme weiter zu. Selbst der Flüchtlingseffekt zeige in den Zahlen keine Wirkung. Im Juli und August erwarte sie einen leichten, saisontypischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Juni, sagte Haupt-Koopmann. „Aber wir rechnen dann mit einem kräftigen Herbstaufschwung.“ Da die Wirtschaftsinstitute die Konjunkturprognosen gesenkt hätten, dürfte aber die Dynamik beim Abbau der Arbeitslosigkeit nachlassen. Vom jetzigen Rückgang der Arbeitslosigkeit profitierten alle Alters- und Personengruppen. So fiel die Zahl der arbeitslosen Ausländer im Vorjahresvergleich um 1200 oder 6,2 Prozent auf 17 300.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs stieg nach den aktuellsten Zahlen vom April zum Vorjahr um 2,1 Prozent auf 979.000. Besonders in der Industrie (plus 3600), im Gesundheits- und Sozialwesen (3000), bei Dienstleistungen (2100), im Handel (1800) und auf dem Bau (1700) gab es Zuwächse. Nur die Finanz- und Versicherungswirtschaft baute Beschäftigung ab – 600 Stellen.

Mit einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent herrscht im Kreis Stormarn faktisch Vollbeschäftigung. Den höchsten Wert unter den Kreisen hat Dithmarschen mit 5,9 Prozent. Bei den kreisfreien Städten verbucht Lübeck mit 7,5 Prozent die niedrigste Quote, während Flensburg und Neumünster mit 8,3 Prozent die höchste haben.

Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP) zog diesen Vergleich: 2014 seien im Jahresdurchschnitt knapp 101.000 Menschen im Land arbeitslos gewesen, 2017 noch 92.400. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sei von 37.200 im Schnitt auf 32.300 gesunken. Hier wirke sich, flankiert von einer guten Konjunktur, eine aktive Arbeitsmarktpolitik positiv aus.

Weniger Arbeitslose auch in Hamburg

Die Arbeitslosigkeit in Hamburg ist auf den tiefsten Stand seit fast 25 Jahren gefallen. Im Juni waren 63.805 Männer und Frauen arbeitslos, teilte die Agentur für Arbeit am Freitag in der Hansestadt mit. Das waren 1252 Personen oder 1,9 Prozent weniger als im Monat zuvor und sogar 4775 Arbeitslose oder 7,0 Prozent weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug im Juni 6,1 Prozent und liegt damit um 0,6 Punkte unter dem Vorjahr. Eine ähnlich niedrige Zahl von Arbeitslosen hat die Agentur zuletzt im September 1993 registriert.

Auch für das neue Ausbildungsjahr, das im August oder September beginnt, sind allein bei der Arbeitsagentur noch 5400 Stellen frei. Das ist mehr als die Hälfte aller Stellen, die seit Oktober gemeldet wurden. „Die Hamburger Wirtschaft sucht über alle Branchen motivierte junge Erwachsene, die über eine Ausbildung ihren beruflichen Einstieg und ihre spätere Karriere suchen“, sagte der Chef der Arbeitsagentur, Sönke Fock. Auch wenn das Auswahlverfahren in den Unternehmen auf Hochtouren laufe, sei für Bewerber noch sehr viel möglich, wenn sie sich kurzfristig bewerben.

Die gute Konjunktur in Hamburg und die lebhafte Nachfrage nach Arbeitskräften nutzt nach Angaben der Arbeitsagentur allen Gruppen auf dem Arbeitsmarkt. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen ging zurück. Sie stellen mit 18.850 Personen knapp ein Drittel der Arbeitslosen. „Kritisch ist die Entwicklung bei den arbeitssuchenden An- und Ungelernten zu sehen“, sagte Fock. Ihre Zahl sei in den vergangenen zwölf Monaten deutlich um 2495 Personen oder 7,5 Prozent gestiegen. „Eine Jobvermittlung ist schwierig, weil Unternehmen Fachkräfte benötigen“, sagte Fock. Die Arbeitgeber haben in den vergangenen Monaten ihre Klagen über fehlende Fachkräfte verstärkt und sprechen von einer Krise auf dem Arbeitsmarkt.

Anfang Juli beginnen in beiden Bundesländern die Sommerferien. Das bedeutet oft eine Flaute auf dem Arbeitsmarkt, weil einerseits Schule und Ausbildungsgänge zu Ende gehen, andererseits viele Firmen erst nach dem Sommer wieder neue Mitarbeiter einstellen.

(Weiterlesen: Arbeitslosenzahl sinkt im Juni auf 2,276 Millionen)

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