zur Navigation springen

Dezemberstatistik und Jahresbilanz 2015 : Arbeitslosenzahlen: Tiefstand in Hamburg, leichter Anstieg in SH

vom

In Hamburg und Schleswig-Holstein bleibt der Arbeitsmarkt stabil. Auch die Jahresbilanz zeigt kaum Veränderungen.

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 13:00 Uhr

Hamburg/Kiel | Die Zahl der Arbeitslosen in Schleswig-Holstein ist im Dezember um 2800 auf 97.000 gestiegen. „Ein Anstieg der Arbeitslosenzahl gegenüber dem Vormonat November ist für den Dezember saisonal typisch“, erläuterte Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Regionaldirektion Nord der Arbeitsagentur, am Dienstag in Kiel. Der saisonale Anstieg sei aber deutlich schwächer als im Schnitt der vergangenen drei Jahre (plus 3600). Das sei dem milden Winter zu verdanken, denn in vielen Außenberufen habe weitergearbeitet werden können. Man habe die geringste Arbeitslosenzahl in einem Dezember seit 1992 verzeichnet, betonte Haupt-Koopmann.

Im Dezember ist jahreszeitlich bedingt oft ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu verzeichnen. Das gilt besonders für Schleswig-Holstein. Mit der kälteren Jahreszeit gehen im Tourismus- und Agrarland erfahrungsgemäß Jobs verloren. In Hamburg mit seinem höheren Anteil von Dienstleistungen und Industrie ist dieser Effekt weniger ausgeprägt.

Die Arbeitslosenquote nahm von November zum Dezember von 6,2 auf 6,4 Prozent zu. Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres sank die Arbeitslosigkeit allerdings geringfügig um 0,1 Prozent.

Im Jahresdurchschnitt 2015 ging die Arbeitslosigkeit im Vergleich zu 2014 deutlich um 3,1 Prozent zurück - von 100.958 auf 97.850.„Besonders erfreut bin ich nicht nur über das kräftige Wachstum der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um 2,6 Prozent, sondern auch über die unverändert hohe Arbeitskräftenachfrage“, sagte Haupt-Koopmann. „67.900 sozialversicherungspflichtige Stellen wurden uns im Laufe des Jahres 2015 gemeldet. Das sind 3200 oder 4,9 Prozent mehr als im Jahr davor.“ Im neuen Jahr dürfte die Arbeitslosigkeit insbesondere wegen der auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge aber wieder zunehmen - um 2,5 Prozent auf etwa 101.000, prognostiziert die Arbeitsagentur.

Wirtschafts- und Arbeitsminister Reinhard Meyer (SPD) verwies darauf, dass die Zahl der arbeitslosen Ausländer im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20,1 Prozent (2444 Arbeitslose) gestiegen ist. Laut Arbeitsagentur lassen sich zwei Drittel des Anstiegs auf die gestiegenen Flüchtlingszahlen zurückführen. Meyer bezeichnete die Integration von Flüchtlingen mit Bleibeperspektive in den Arbeitsmarkt als „eine große Herausforderung, welche das Land Schleswig-Holstein im Jahr 2016 und auch in den Folgejahren bewältigen wird.“

Haupt-Koopmann betonte erneut, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für 2016 stimmten sie verhalten optimistisch. „Die aktuellen Konjunkturumfragen deuten auf ein weiteres, stetiges Beschäftigungswachstum hin - eine Entwicklung, die wir nutzen können.“ Als besondere Herausforderung nannte sie neben der Integration der Flüchtlinge den weiteren Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit. „Bei diesen Herausforderungen sind wir allerdings nicht nur auf konjunkturelle Impulse, sondern auch auf die Kooperationsbereitschaft und die Beharrlichkeit aller Arbeitsmarktpartner angewiesen.“

Unter den Kreisen hatte im Dezember Stormarn mit 3,6 Prozent (Vormonat 3,5) die niedrigste und Dithmarschen mit 7,7 (Vormonat 7,2 Prozent) die höchste Arbeitslosenquote. Unter den kreisfreien Städten gab es in Flensburg mit 9,1 Prozent (Vormonat 9,0) den geringsten Wert, in Kiel mit 10,1 Prozent (Vormonat 10,0 Prozent) den höchsten.

Auch der Hamburger Arbeitsmarkt hat sich im Dezember nur wenig verändert. Die Zahl der Arbeitslosen reduzierte sich geringfügig um 44 Personen oder 0,1 Prozent. Mit 70.429 Arbeitslosen sei der tiefste Stand des Jahres erreicht worden, teilte die Agentur für Arbeit am Dienstag in der Hansestadt mit. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 7,1 Prozent.

Auch im Gesamtjahr 2015 änderte sich die Arbeitslosigkeit in Hamburg kaum. Sie erhöhte sich gegenüber dem Dezember 2014 um 336 Arbeitslose oder 0,5 Prozent. „Betrachten wir die reinen Bestandsdaten zur Arbeitslosigkeit, so ergeben sich in der Tat kaum Veränderungen zum Vorjahr“, sagte Sönke Fock, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hamburg. „Allerdings zeigen uns die Bewegungszahlen, wie hoch die Dynamik und umfangreich die Angebote des Hamburger Arbeits- und Ausbildungsmarktes tatsächlich sind.“

So gab es im Oktober in Hamburg 931.100 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, das sind 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie noch nie. Im Verlauf des Jahres meldeten sich mehr als 57.000 Hamburger arbeitslos, fast 44.300 fanden einen neuen Arbeitsplatz. Das sind nur die Zahlen, die über die Arbeitsverwaltung gingen; darüber hinaus gibt es auch Arbeitsplatzwechsel und Neueinstellungen ohne Beteiligung der Arbeitsagentur.

Die Perspektiven für das Jahr 2016 sind verhalten, trotz der wachsenden Hamburger Wirtschaft und einem erwarteten weiteren Zuwachs an Beschäftigung. „Wir müssen mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit rechnen“, sagte Fock. Das ist auch auf den Zustrom von Flüchtlingen zurückzuführen. Sobald sie ein Bleiberecht erhalten, werden sie in die Regelsysteme der Agentur aufgenommen und erhalten die üblichen Angebote der Jobcenter wie Information, Beratung, Qualifizierung und Umschulung. Auf wie viele Flüchtlinge das im Laufe des Jahres zutrifft und wie schnell sie eventuell in den Arbeitsmarkt integriert werden können, ist noch nicht absehbar. Im vergangenen Jahr kamen mehr als 60.000 Flüchtlinge nach Hamburg.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen