Renteneintrittsalter : Arbeiten bis 70: Streit um Renten-Modell

Arbeiten im Alter: Für manche ein notwendiges Zubrot - für andere eine Erfüllung.
Arbeiten im Alter: Für manche ein notwendiges Zubrot - für andere eine Erfüllung.

Schleswig-Holsteiner verschieben ihren Ruhestand immer öfter. Die Unternehmensverbände finden das gut.

shz.de von
02. Januar 2015, 18:57 Uhr

Kiel | Mit 65 ist noch nicht Schluss: Immer mehr Schleswig-Holsteiner arbeiten über das Renteneintrittsalter hinaus. Das geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit hervor. In den vergangenen vier Jahren ist die Zahl der 65- bis 69-Jährigen, die im Norden einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, um mehr als 48 Prozent auf 4727 Beschäftige gestiegen.

Geht es nach Frank-Jürgen Weise, dann könnte dieser Anstieg in Zukunft sogar noch stärker ausfallen. Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit spricht sich für eine freiwillige Rente mit 70 Jahren aus. Weise forderte in der „Welt“ vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, dass die Politik Anreize setzen müsse, damit „Arbeitnehmer, die fit sind, freiwillig bis 70 arbeiten können“.

Begrüßt wird dieser Vorschlag von der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein. So ließe sich die Erfahrung älterer Mitarbeiter in Betrieben länger erhalten, sagte Sprecher Sebastian Schulze. „Die Idee kommt zur rechten Zeit, denn durch die Einführung der Rente mit 63 hat es einen erheblichen Abfluss an Know-How gegeben.“ Dies stelle die Arbeitgeber in Verbindung mit dem Fachkräftemangel vor Herausforderungen.

Doch nicht alle Beschäftigten bleiben bis ins hohe Alter fit für die Arbeit. „Rente mit 70 ist heute für viele ein Albtraum, denn sie schaffen es kaum bis zum regulären Renteneintrittsalter“, sagte Uwe Polkaehn, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bezirk Nord (DGB). Die Mehrheit der Beschäftigten beklage seit Jahren eine zunehmende Arbeitsverdichtung. „Das sind keine guten Voraussetzungen, um gesund bis zur Rente durchzuhalten“, kritisierte Polkaehn. Flexible Regelungen bräuchten Gesundheit am Arbeitsplatz und solidarisch finanzierte Sozialsysteme.

„Für die Abgeordneten im Kieler Landtag gibt es keine Altersgrenze, sie haben ein Mandat, das sie niederlegen können“, erklärte Sprecher Frank Platthoff. Anders sehe es bei den verbeamteten Bediensteten aus. Hier werde nicht nur die Pensionsgrenze gerade in Stufen von 65 auf 67 Jahre angehoben. „Durch eine gesetzliche Änderung gibt es zudem die Möglichkeit, den Ruhestand freiwillig um bis zu drei Jahre hinauszuschieben.“ Faktisch kann ein Beamter im Landtag also schon heute bis zum 70. Lebensjahr arbeiten. Platthoff berichtete des Weiteren von einem derzeit parteiübergreifend diskutierten Gesetzentwurf der FDP, der die gänzliche Abschaffung einer Altersgrenze für Bürgermeister und Landräte vorsieht.

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