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Kostencheck : Alles wird teurer – oder?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ob Lebensmittel, Miete oder Sprit – alles scheint immer teurer zu werden. Gefühlt zumindest. Doch die Entwicklung alltäglicher Kosten folgt keinem einheitlichen Trend.

Kiel | Die Mietpreise in Schleswig-Holstein sind vor allem in Städten wie Flensburg, Kiel und Lübeck angestiegen. Das hat eine Erhebung der Immobilienberatung F+B ergeben, die regelmäßig Miet- und Kaufpreise in Gemeinden mit mehr als 25.000 Einwohnern untersucht. Deutlich wurde dabei vor allem, dass der Preisanstieg in den Städten mit einem Plus zwischen 2,1 und 3,2 Prozent zum Teil mehr als doppelt so groß war als in den kleineren Gemeinden (+1,2 Prozent).

Das Mietenmonitoring der Investitionsbank Schleswig-Holstein verdeutlicht anhand der untersuchten Angebotspreise im Jahr 2013 allerdings auch, dass die Entwicklung der mittleren Mietpreise stark variiert: Während sie von 2012 bis 2013 beispielsweise in Flensburg und Umgebung um über 4 Prozent anstiegen, sind sie im Schleswiger Umland oder Itzehoe sogar um mehr als ein Prozent gesunken.

Ebenso stark variierte 2013 die monatliche Nettokaltmiete pro Quadratmeter je nach Region: Während sie in großen Teilen der Westküste sowie des ländlichen Binnenlandes bei 5,50 Euro oder niedriger lag, waren es in und um Kiel sowie in der Nähe zu Hamburg über 6,50 Euro pro Quadratmeter. Die Nettokaltmieten für Sylt fielen in die nach oben offene Kategorie „7,00 Euro und höher“.

Heidrun Clausen, stellvertretende Geschäftsführerin des Kieler Mieterbundes, befürchtet jedoch, dass sich die Situation in Schleswig-Holstein in den kommenden Jahren verschärfen wird, da seit Juli 2014 rund 15.000 bislang öffentlich geförderte Wohnungen keine Preisbindung mehr haben. „Da praktisch kein nennenswerter Neubau stattfindet, Schleswig-Holstein andererseits einen Einwohnerzuwachs verzeichnet, wird der Druck auf die vorhandenen Wohnungen zu weiteren Mietsteigerungen führen.“ Der schleswig-holsteinische Landesverband des Deutschen Mieterbundes spricht sich darum für eine „Mietpreisbremse“ in Schleswig-Holstein aus.

Mit den Mietpreisen verwandt, aber deutschlandweit gesunken sind laut Erhebungen des Statistischen Bundesamtes die Energiepreise: Im Juli 2014 verringerten sie sich im Vergleich zum Vorjahresmonat um 1,5 Prozent. Dies betrifft insbesondere Mineralölprodukte wie Heizöl (-6 Prozent) und Kraftstoffe (-3,1 Prozent), aber auch die Kosten für Zentralheizung und Fernwärme (-1,3 Prozent). Gestiegen seien hingegen die Kosten für Strom (+1,7 Prozent).

Stark unterschiedliche Preisentwicklungen gibt es vor allem bei Lebensmitteln: Wie das Statistische Bundesamt ermittelte, sind die Preise für Milchprodukte wie Schnittkäse (+14,7 Prozent), Quark (+13,8 Prozent) und Joghurt (+6,4 Prozent) gestiegen, während sie für Gemüse wie Gurken (-16,6 Prozent), Paprika (-18,1 Prozent) und Kartoffeln (-32 Prozent) gesunken sind. Insgesamt sind die Preise für Molkereiprodukte im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 Prozent angestiegen, während die Preise für Gemüse um 7,7 Prozent gesunken sind. Auch die Obstpreise liegen 4,8 Prozent unter dem Wert vom Juli 2013. Eine deutliche Preissteigerung gab es hingegen bei Bohnenkaffee (+7,2 Prozent) und Bier (+3,9 Prozent), nur etwas mehr musste für Süßwaren (+1,6 Prozent) sowie Brot und Getreideerzeugnisse (+1,2 Prozent) ausgegeben werden. Insgesamt blieben die Preise für Nahrungsmittel mit einem Plus von 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat jedoch so gut wie unverändert.

Trotzdem entsteht vor allem an der Supermarktkasse häufig der Eindruck: Alles wird teurer. Das hängt vor allem mit der eigenen Wahrnehmung zusammen, erklärt Simon Junker, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Denn Lebensmittel werden regelmäßig gekauft, so dass die Preise ständig präsent sind – im Gegensatz zu denen für Autos, Fernseher oder Computer, mit denen man sich in der Regel nur alle paar Jahre beschäftigt. Die Folge: ein sinkender Preis in diesem Bereich falle oft gar nicht auf. Darüber hinaus zahle man im Supermarkt aktiv, also bar oder mit EC-Karte. Kosten für Miete und Betriebskosten werden stattdessen in der Regel automatisch abgebucht und nur einmal pro Jahr aufgeschlüsselt und abgerechnet. „Außerdem hängt die Wahrnehmung mit der Relation zusammen“, ergänzt Simon Junker. So falle ein Preisanstieg um ein paar Cent bei Milch und Käse sehr viel deutlicher ins Gewicht als bei größeren Beträgen.

Das gilt auch für Spritpreise. An den Tankstellen hat sich die Lage in den vergangenen Jahren jedoch leicht entspannt. Das zumindest lässt sich aus den Angaben des ADAC zu den Durchschnittspreisen für Kraftstoffe ablesen. Demnach ist der durchschnittliche Preis für einen Liter Diesel zwar mit Beginn der Sommerferien wie in jedem Jahr leicht angestiegen, im Vergleich zum Vorjahr ist jedoch ein anderer Trend erkennbar: Mit durchschnittlich 137,3 Cent kostete ein Liter Diesel 5,4 Cent weniger als noch im Juli 2013. Der Preis für einen Liter Super E10 lag mit 155 Cent pro Liter immerhin 2,7 Cent unter dem des Vorjahresmonats.

Generell sind die Verbraucherpreise im Juli 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 Prozent gestiegen. Damit befindet sich die Teuerungsrate in Deutschland auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2010 (0,5 Prozent).

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erstellt am 24.Aug.2014 | 13:20 Uhr

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