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Honorarreform bei Ärzten : "Alles für den kalten Ofen"

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"Ärzte verdienen zu viel", ist ein weit verbreitetes Vorurteil. Tatsache ist, dass die goldenen Zeiten auch für sie vorbei sind. Mit der Honorarreform 2009 stehen einige sogar vor dem Bankrott.

Schleswig | Die Gesundheitsreform ist da. Ob sie uns Gutes bringt, wird sich bald zeigen: Wird eine gesundheitsbewusste Lebensweise tatsächlich belohnt? Stehen gesetzlich versicherte Patienten Privatpatienten in nichts mehr nach? Ähnliche Fragen stellt sich auch die Ärzteschaft. Neben der Gesundheitsreform trat zu Jahresbeginn nämlich die Honorarreform in Kraft. Doch viele Ärzte wehren sich und drohen mit Schließung ihrer Kassenpraxen. Folge: Patienten müssen weite Wege auf sich nehmen, um den nächsten Spezialisten für ihr Leiden zu erreichen.
Dr. Burckhard Schürenberg ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Schleswig. Keine Besonderheit, wäre da nicht seine doppelte Niederlassung: Die zusätzliche Facharzt-Anerkennung für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen lässt ihn zum Kolibri in Schleswig-Holsteins Ärztelandschaft werden. Seine Patienten haben Störungen der Sprache, der Stimme und des Schluckens. Manchmal haben sie auch Probleme mit dem Hören - alles sehr spezielle Krankheiten. So kommt es, dass Schürenberg viele Überweisungen von HNO-Arztkollegen erhält. Infolge dessen behandelt er diese Sonderfälle - meist eben Kassenpatienten - "bis zum Ende des Quartals", also auch nach ausgeschöpftem Budget.
Kinder sind nicht mal eben schnell "durchzuschleusen"
Das Gros seiner Patienten sind Kinder. Sie nehmen viel Zeit in Anspruch und sind nicht mal eben schnell "durchzuschleusen", so Schürenberg: "Ich beiße mich ins Knie, dass ich mich genau an die Forderungen gehalten habe", erklärt er verärgert. Mit Forderungen meint er: Kassenpatienten dürfen nicht schlechter behandelt werden, müssen dem Privatpatienten gleichgesetzt sein. "Im Prinzip will ich das ja auch so. Das ist jetzt aber mein Verderben. Es war alles für den kalten Ofen." Denn Gewinner der Honorarreform sind Ärzte, die möglichst viele Patienten schnell behandelt und die gewonnene Zeit für Privatleistungen aufgebracht haben.
"Ich habe Kassenpatienten den gleichen Luxus geboten", erklärt der HNO-Facharzt. Dafür erhält er in Zukunft weniger Geld - rund 8000 Euro. Das ist das Ergebnis der neuen Berechnung laut Honorarreform 2009: Erhielt Schürenberg im ersten Quartal 2008 noch 45.560 Euro aus dem Topf der Kassen, so bekommt er jetzt noch 37.560. Schürenberg hat einen Härtefall-Antrag gestellt.
Arzthelferin entlassen
"Ich habe eine Kreditlast am Hals", sagt er. Der Schleswiger Arzt ist in Erwartung der Erfüllung politischer Versprechungen vor erst zwei Jahren mit seiner Praxis in modernere Räume umgezogen und hat neue Instrumente angeschafft. Nun musste er Konsequenzen ziehen - sprich Entlassungen. Seine Praxis ist jetzt um eine Helferin ärmer. Stattdessen soll nun ein betriebswirtschaftlicher Berater die Selbstzahler-Leistungen besser organisieren.
"Eine Kassenpraxis muss von den Kassengeldern leben können. Ich nenne mich Vertragsarzt, kann mich davon aber nicht ernähren." Burckhard Schürenberg ist wütend und enttäuscht, umso mehr, da er in diesem Jahr auf 20 Jahre als niedergelassener Arzt zurückblickt.

Honorarreform 2009
Die Honorarreform 2009 ist ist die umfangreichste der letzten Jahrzehnte. Insgesamt haben die Kassen bundesweit 2,5 Milliarden Euro zu Verfügung gestellt. Durch sie untersteht die Honorarverteilung für Arztpraxen einer strengen Systematik. Statt Individualbudgets bestimmen nun Regelleistungsvolumina die Praxis-Abrechnungen - es werden einheitliche Arzthonorare gezahlt. Die Vergütung in den neuen Bundesländern nähert sich weitgehend dem Westniveau. Psychotherapeuten gehören zu den Gewinnern, absolute Verlierer sind die ambulanten Operateure, die vor gekündigten Kassen-Verträgen sitzen und ein geringeres Honorar beklagen müssen. Zum Teil dramatische Umverteilungen zwischen den Ärztegruppen werden erwartet.

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erstellt am 05.Jan.2009 | 07:44 Uhr

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