Coop-Übernahme : Alles auf Anfang: Aus Sky wird jetzt Rewe

Kiel und Köln an einem Tisch: Thomas Krajewski (li.) und Martin Czosk sorgen für den Zusammenschluss von Sky und Rewe.
Kiel und Köln an einem Tisch: Thomas Krajewski (li.) und Martin Czosk sorgen für den Zusammenschluss von Sky und Rewe.

Die Sky-Wolke verschwindet vom Supermarkt-Himmel. Ostwärts werden die Märkte in Schleswig-Holstein umgestaltet.

shz.de von
01. Juli 2018, 16:51 Uhr

Martin Czoske steht auf, verlässt den Konferenzraum ohne ein Wort. Nach einer Minute kehrt der Kölner mit einem großen Bogen zurück. Kantenlänge 84 mal 118 Zentimeter, DIN A0-Format. „Das ist unsere Landkarte“, sagt er und deutet mit dem Finger auf das großformatige Blatt. Standorte von Supermärkten, Wochen- und Monatsdaten sind dort eingetragen sowie Planungsphasen für den Umbau.

Vor zwei Jahren sprang Rewe der strauchelnden Konsumgenossenschaft Coop bei. Die Kieler brachten ihre Sky-Märkte in eine neue Gesellschaft ein, an der das Handelsunternehmen aus Köln die Mehrheit übernahm. Seitdem wird investiert, saniert, umgestellt – gekämpft. Aus Sky wird Rewe.

„Wir müssen das Unternehmen einmal drehen“, sagt Martin Czoske. Gemeinsam mit Thomas Krajewski führt er die Supermärkte Nord, wie die neue Gesellschaft am Rande der Landeshauptstadt in den früheren Räumen der Coop-Zentrale getauft wurde. Zusammen kontrollieren die beiden ein Reich mit rund 150 Geschäften, das sich vom Norden Schleswig-Holsteins bis in das äußerste Mecklenburg-Vorpommern erstreckt.

Von West nach Ost

„Hier sind wir jetzt“, sagt Czoske. Er deutet auf die Mitte des Blattes. In Mecklenburg-Vorpommern sind die Arbeiten abgeschlossen. In Schleswig-Holstein laufen sie an – zunächst an der Westküste, später im Rest des Landes. Während der kommenden Wochen und Monate wird vielerorts im Land der Sky-Schriftzug den vier Buchstaben von Rewe weichen. Im Oktober ist Halbzeit beim großen Umrüsten. „Umstellen heißt nicht nur, die Sky-Wolke abzunehmen und das Rewe-Schild anzubringen“, sagt Czoske – es geht um technische Abläufe, Systeme, die zentralen Einkäufe, kurz das gesamte Rewe-Konzept. Mancherorts wird das Geschäft nur einen Tag geschlossen, wie Krajewski sagt. Andernorts bis zu zehn Tage.

„Im Großteil ist es so, dass wir einen erheblichen Investitionsstau in den Märkten hatten“, sagt Czoske mit Blick auf die früheren Sky-Filialen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde im Schnitt nun eine Million Euro pro Markt investiert. „Die Investitionen führen erstmal zu einer Belastung in der Gewinn- und Verlustrechnung.“ Allerdings rechnet Rewe damit, dass die umgebauten Märkte entsprechend höhere Umsätze erwirtschaften. In Mecklenburg-Vorpommern, wo die Umflaggung abgeschlossen ist, sei man mit der Umsatzentwicklung sehr zufrieden, heißt es in Kiel.

Rewe will aufholen

Krajewski kommt aus Lauenburg, Czoske aus der Kölner Rewe-Zentrale. Dort betreute er den Bereich Mergers & Acquistions, hat Unternehmenskäufe und Übernahmen für die Handelsgruppe umgesetzt. Auch den Deal mit Coop. „Die Transaktion wurde auch gemacht, weil Rewe hier einen einstelligen Marktanteil hatte.“ Nach der Transaktion können man deutlich zu Edeka aufschließen, erklärt Czoske. „Wir als Rewe wollen natürlich aufholen. Mit der Anzahl der Märkte haben wir aufgeholt. Doch wir wollen auch in die Köpfe – und noch wichtiger in die Herzen.“

Eine „riesige Obst- und Gemüse-Abteilung“ und auch weiterhin lange Frischetheken versprechen Czoske und Krajewski den Verbrauchern unter anderem für die Zukunft, regionale Produkte, die auch wirklich aus der Region kommen. Mit der Landwirtschaftskammer arbeite man laut Krajewski daran, das CMA-Label für Lebensmittel aus Schleswig-Holstein wieder aufleben zu lassen.

Czoke hat den Papierbogen – die „Landkarte“ – wieder zusammengefaltet. Die Geschäftsführer verlassen den Konferenzraum in der dritten Etage der ehemaligen Coop-Zentrale. Es ist noch früh in Kiel. Doch es wird investiert, saniert, umgestellt – gekämpft. Wie jeden Tag.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen