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Arbeitswelt : „Ältere kennen viele Abkürzungen“

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Im Podium herrschte Einigkeit: Die Generation Ü60 soll in der Arbeitswelt eine größere Rolle spielen. In Lübeck diskutierte unter anderem SPD-Urgestein Franz Müntefering beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken über Flexibilität, Gesundheit und Fortbildung im Alter.

Lübeck | Im hohen Alter noch flexibel sein – Ex-Bundesminister Franz Müntefering (SPD) machte an einem kleinen Beispiel deutlich, wie das aussehen kann: „Wenn sich ein 80-Jähriger in eine 30-jährige Chinesin verliebt, kann der in einem halben Jahr chinesisch.“ Der Vordenker der „Rente mit 67“ sorgte beim 18. Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken in der Lübecker Musik- und Kongresshalle aber nicht nur für kurzweilige Unterhaltung bei den mehr als 1500 Gästen.

„Das Renteneintrittsalter muss flexibler gesehen werden“, forderte Müntefering unter anderem – und stimmte dabei in vielen Positionen mit FDP-Präsidiumsmitglied Wolfgang Kubicki überein. „Wir müssen darüber nachdenken, das Know-how von Älteren zumindest in einer Übergangszeit länger in den Betrieben zu halten“, sagte Kubicki.

Moderiert von Maybrit Illner diskutierten Müntefering und Kubicki zusammen mit Klaus Ernst, Ex-Parteivorsitzender der Linken, und Frank-Henning Florian aus dem Vorstand der R+V-Versicherung anlässlich des Tages-Themas „Ü60 – was nun?“ über die Chancen in und für die Gesellschaft. Kubicki und Müntefering widersprachen Ernst sehr deutlich, als dieser anführte, dass die Rente mit 67 für 90 Prozent der Menschen eine Rentenkürzung sei. „Wer länger arbeitet, bekommt natürlich auch mehr“, sagte Müntefering.

Jedoch wurde eingeräumt, dass mit zunehmenden Alter auch die gesundheitlichen Probleme zunehmen würden. Deshalb werde „der Druck, sich fortzubilden, steigen“, sagte Kubicki, während Müntefering in eine ähnliche Richtung argumentierte: „Wir werden mehr Berufswechsel haben“, sagte das SPD-Urgestein und war sich sicher, dass die Menschen zukünftig in der Lebensmitte sich dem Thema des Berufswechsels stellen müssten – eben auch bedingt aufgrund gesundheitlicher Probleme im höheren Alter.

Deshalb sei es wichtig, dass auch die Arbeitsbedingungen für ältere Menschen stärker in den Fokus rücken sollten, mahnte Ernst. Und: „Es gibt viele, die arbeiten wollen, aber nicht können, weil der Markt keine ausreichenden Arbeitsplätze hergebe.“ Das sei für Ernst ein Widerspruch: Auf der einen Seite die Freude darüber, dass die Menschen immer älter werden und auf der anderen, dass die Job-Perspektiven fehlen.

Einig waren sich die Podiumsgäste darin, den Wert der Generation „Ü60“ zu erkennen. „Älterwerdende Menschen müssen in der Wirtschaft eine größere Rolle spielen“, forderte Ernst. Und Kubicki pflichtete dem bei: „Je mehr Erfahrungen diese Menschen mitbringen, umso wichtiger sind sie für die Unternehmen.“ Müntefering wiederum hatte auch dazu ein publikumswirksames Beispiel parat: „Ältere können nicht mehr so schnell laufen, kennen aber viele Abkürzungen.“

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erstellt am 30.10.2013 | 08:00 Uhr

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