Spekulationsobjekt : Ackerland in SH so teuer wie nie

Ein Trecker pflügt ein Feld.
Als Hauptursache für die hohe Nachfrage nach Land sieht Landwirtschaftsminister Robert Habeck den Anbau von Mais für Biogasanlagen.

Agrarflächen werden zum Spekulationsobjekt. Das Interesse von Privatinvestoren ist in SH gestiegen. Der Landverbrauch treibt die Preise hoch, ein Ende des Booms ist nicht in Sicht.

shz.de von
25. Juni 2014, 06:22 Uhr

Kiel | In Niedrigzinszeiten flüchten die Anleger nicht nur in Betongold, sondern in Ackerland. Die Folge: Agrarflächen sind in Schleswig-Holstein inzwischen so teuer wie noch nie. Der durchschnittliche Kaufwert stieg laut Statistikamt 2013 um acht Prozent auf das Rekordhoch von 25.013 Euro je Hektar. Den Höchstpreis mit 53.648 Euro erzielte ein Bauer auf Fehmarn. Besonders viel wurde auch in den Kreisen Stormarn und Ostholstein gezahlt, besonders wenig im Kreis Steinburg und in der Eider-Treene-Niederung. Für die leichteren Böden der Vorgeest wurden durchschnittlich 20.349 Euro je Hektar erzielt. Im Hügelland gab es im Mittel 29.901 Euro, in der Marsch mit besseren Böden 22.900 Euro. Insgesamt hat sich der Preis für Agrarflächen im Norden seit 2006 mehr als verdoppelt. 

Sich Grund und Boden zu sichern, solange die Preise noch günstig sind, gehört inzwischen zu den gängigen Anlagetipps großer Bankhäuser. Anders als im Osten Deutschlands, wo Großkonzerne ganze Landstriche aufkaufen, „hält sich das bei uns zum Glück noch in Grenzen“, sagt Bauernverbands-Sprecher Klaus Dahmke in Rendsburg. „Landkauf durch Privatinvestoren gibt es aber auch bei uns, was bei acht Prozent Verzinsung nicht verwundert.“ Zumal ein Stück Land ziemlich das Sicherste sei, was man sich vorstellen kann. „Ein nachhaltig gestiegenes Interesse von Nicht-Landwirten an Agrar-Flächen ist eindeutig festzustellen“, bestätigt auch die Landgesellschaft Schleswig-Holstein (LGSH).

Gravierender ist laut Dahmke der „Landhunger“ der öffentlichen Hand. „Jeden Tag werden uns fünf Hektar Agrarfläche entzogen für Autobahnen, Fahrradwege und für Ausgleichsmaßnahmen. Früher hatten wir gut eine Million Hektar Grün- und Ackerland im Norden, jetzt sind es noch 965.000“, beklagt Dahmke. Alles was knapp ist, werde teurer. „Wenn im Dorf eine Fläche frei wird, gibt es immer mehrere Interessenten, das treibt den Preis hoch“.

Das sieht man auch in Kiel mit Sorge: „Der Druck auf die Fläche hat wegen der vielen Nutzungsinteressen enorm zugenommen“, erklärt Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Als Hauptursache für die hohe Nachfrage nach Land sieht der Minister den Anbau von Mais für Biogasanlagen, der durch gesetzliche Fehlsteuerung besonders lukrativ war. Mit dem Bauernverband ist sich das Habeck-Ressort zudem darin einig, dass der Landverbrauch für Neubau- und Gewerbegebiete sowie für Straßen als Preistreiber hinzukommt. Ein Ende des Preisbooms ist nicht in Sicht, weil neue Stromtrassen, die Hinterlandanbindung für die Fehmarnbeltquerung, der Weiterbau der A20 und der sechsspurige Ausbau der A7 weitere Flächen der landwirtschaftlichen Nutzung entziehen werden.

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