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Bundesweit fast Spitze : Abzocke? Verbraucher in SH zahlen mit den höchsten Gaspreis

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Studie behauptet: Energieversorger geben niedrigere Einkaufspreise nicht an Verbraucher weiter. Nur Bayern und NRW zahlen mehr.

shz.de von
erstellt am 28.Dez.2015 | 10:16 Uhr

Die Preise für Gas befinden sich im Sinkflug. Doch die Versorger geben die günstigen Einkaufspreise bislang kaum an die Verbraucher weiter. So behauptet es zumindest eine Studie des Hamburger Beratungsbüros EnergyComment, die shz.de vorliegt.

Nicht nur an den Zapfsäulen purzeln die Preise. An den Weltmärkten fallen die Beschaffungspreise für Erdgas seit geraumer Zeit. Verbraucher profitieren davon allerdings oft nicht - außer sie wechseln den Anbieter. 

Durchschnittlich wären einem Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden dadurch Ersparnisse von 132 Euro im Jahr entgangen. In Schleswig-Holstein wären es sogar 152 Euro gewesen – nur in Baden-Württemberg (172 Euro) und Nordrhein-Westfalen (157 Euro) ist der Betrag höher.

EnergyComment-Experte Steffen Bukold schreibt in der Studie, die er im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen erstellt hat, dass die Versorger die Preise in diesem Jahr auf durchschnittlich 5,72 Cent pro Kilowattstunde hätten senken müssen, wenn sie vor dem Hintergrund sinkender Importpreise ihre Margen stabil gehalten hätten. Genau dies sei jedoch nicht geschehen. Tatsächlich hätten die Preise nur leicht auf 6,38 Cent pro Kilowattstunde nachgegeben.

„Seit Mitte 2012 sind die Preise für Erdgas im Großhandel deutlich gesunken. In diesem Jahr oder spätestens Anfang 2016 hätten das die privaten Haushalte durch Preissenkungen merken müssen“, kritisiert die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Bärbel Höhn, mit Blick auf die Zahlen des Energieexperten Bukold. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) macht allerdings auf Anfrage geltend, dass der Blick auf die Großhandelspreise zu kurz greift. „Der Endkundenpreis hängt nur zu etwas mehr als der Hälfte von den Beschaffungskosten ab“, heißt es auf Nachfrage bei dem Verband. „Neben diesen Einkaufskosten für Erdgas setzt sich der Preis auch aus den Netzentgelten sowie den Steuern und Abgaben auf Erdgas zusammen“, erklärt ein Sprecher. Die Netzentgelte entwickelten sich dabei regional oft sehr unterschiedlich. Zum Teil seien steigende Netzentgelte für 2016 zu erwarten, die die Gaslieferanten dann in ihrer Kalkulation berücksichtigen müssen.

Tatsächlich werden sich im Marktgebiet der Gaspool – zu dem auch Schleswig-Holstein gehört – die Entgelte zum Beispiel für die sogenannte Marktraumumstellung mit Beginn des neuen Jahres zum Teil vervierfachen. Hintergrund ist – vereinfacht gesagt –, dass die Gas-Versorgungsnetze seit Oktober dieses Jahres schrittweise bis 2030 von einem Erdgas mit geringen Methan-Gehalt auf Erdgas mit höherem Methan-Gehalt umgestellt werden.

Schon 2014 hatte die Bundestagsfraktion der Grünen die Entwicklung der Gas-Preise untersuchen lassen. Damals fiel das Ergebnis ähnlich aus. Statt auf damals 6,07 Cent abzusinken, sei der Preis pro Kilowattstunde mit 6,52 Cent „praktisch unverändert“ geblieben, so Bukold. Gegenüber 2013 könnten die Versorger in diesem Jahr durch die gewachsenen Margen mit zusätzlichen Einnahmen von 1,3 Milliarden Euro rechnen. Den Musterhaushalt habe diese Ausweitung der Margen hingegen in diesem Jahr durch den Umsatzsteuereffekt 1,54 Milliarden Euro gekostet.

Die Bundestagsfraktion der Grünen macht dafür auch einen mangelhaften Wettbewerb verantwortlich. „Grundsätzlich gilt: Die Gaspreise bilden sich im Wettbewerb“, entgegnet hingegen der BDEW. „Auf dem Gasmarkt hat sich ein intensiver Wettbewerb entwickelt: Die Verbraucher haben heute die Wahl zwischen zahlreichen alternativen Erdgas-Tarifen und Anbietern“, sagt der Verbandssprecher. Immer mehr Kunden würden die Möglichkeit nutzen, ihren Energieversorger zu wechseln. Aus Sicht der Politikerin Höhn geschieht dies aber noch nicht oft genug. „Die örtlichen Grundversorger senken selten ihre Preise, weil immer noch verhältnismäßig wenig Kunden wechseln“, sagt sie. Die Wettbewerber orientierten sich bei ihren Angeboten aber an diesen hohen Preisen. Dies führe in der Folge dann insgesamt zu einem hohen Preissegment in Deutschland. Sie rät Verbrauchern: „Wenn nicht im Laufe der nächsten Monate eine Preissenkung angekündigt ist, sollte man einen Wechsel seines Versorgers in Betracht ziehen.“

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