Maut für Fahrzeuge ab 7,5 Tonnen : Ab Oktober kommt die „Umzugsmaut“

Ein typischer Lkw für Umzüge: Der 7,5 Tonner.
Ein typischer Lkw für Umzüge: Der 7,5 Tonner.

Bald wird auch für kleinere Lastwagen die Lkw-Maut fällig. Das könnten die Verbraucher zu spüren bekommen.

shz.de von
15. Mai 2015, 11:22 Uhr

Berlin | Im Streit um die Pkw-Maut ist es fast untergegangen: Der Bundesrat hat vergangene Woche auch grünes Licht für eine weitreichende Ausdehnung der Lkw-Maut gegeben. Ab Anfang Oktober wird die streckenabhängige Abgabe nicht mehr nur für große Lastwagen mit über 12 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fällig, sondern ebenso für kleinere Laster bis hinunter zu 7,5 Tonnen. Allein in Schleswig-Holstein gibt es davon gut 3000.

Zudem werden schon ab Anfang Juli weitere 1100 Kilometer vierspuriger Bundesstraßen mautpflichtig. Darunter sind sieben Abschnitte mit rund 75 Kilometer Länge in Schleswig-Holstein – etwa auf der B199 und der B200 bei Flensburg, der B77 bei Rendsburg und der B5 bei Brunsbüttel. Bisher wird die Lkw-Maut von durchschnittlich knapp 15 Cent pro Kilometer nur auf Autobahnen und einigen wenigen Bundesstraßen erhoben.

Während Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt durch die zusätzlich aufgenommenen Bundesstraßen wohl lediglich 80 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr kassieren kann, hofft der CSU-Politiker durch die neue Mautpflicht für kleinere Lkw auf Mehreinnahmen von gleich 300 Millionen Euro. Aufbringen müssen das Geld zum einen vor allem Umzugsfirmen: „Die fahren typischerweise Lkw zwischen 7,5 und 12 Tonnen“, erklärt der schleswig-holsteinische Logistikverbandschef Thomas Rackow. Er warnt daher: „Umzüge werden teurer.“ Zum anderen seien Verteilerverkehre betroffen, also etwa Lastwagen, die neue Waschmaschinen oder Kühltruhen ins Haus liefern. „Auch hier müssen wir die Mehrkosten an die Kunden weitergeben“, kündigt Rackow an. Insgesamt rechnet er mit einer Zusatzbelastung der Speditionsbranche im Land von 50 Millionen Euro jährlich.

Selbst im Handwerk sorgen sich die Betriebe. Zwar gehören die meisten Autos von Handwerkern zur Kategorie der leichteren 3,5-Tonner und bleiben damit weiterhin von jeder Maut – auch der Pkw-Maut – verschont. Doch mit einem schwer beladenen Anhänger wiegen auch Handwerker-Fahrzeuge schnell 7,5 Tonnen und werden daher mautpflichtig. „Wir sind sehr unglücklich mit dieser Regelung“, sagt deshalb Andreas Haumann, Sprecher der Handwerkskammer Flensburg. Betroffen seien vor allem das Bau- und Ausbaugewerbe, aber auch der Metallbau sowie das Tischler- und Zimmererhandwerk. „Es gibt rund 20.000 Betriebe im Land, denen die Ausweitung der Lkw-Maut Kopfzerbrechen macht“, sagt Haumann. Nicht zuletzt müssten sich die Firmen gut überlegen, welche Fahrzeuge künftig schwere Anhänger ziehen sollen und daher überhaupt den 250 Euro teuren Einbau des automatischen Mautabrechnungsgeräts brauchen.

Schleswig-Holsteins Wirtschafts- und Verkehrsminister Reinhard Meyer hält die Neuregelung trotzdem für richtig. „Die Ausweitung der Lkw-Maut ist ein wichtiger Meilenstein zur Sicherung der Finanzierung der Verkehrsinfrastruktur“, sagt der Sozialdemokrat. Schließlich komme „ein leistungsfähiges Bundesstraßennetz dem Güterkraftverkehr langfristig wieder zugute“. Das räumt auch Logistikverbandschef Rackow ein: „Wenn die Maut komplett wieder in die Instandhaltung der Straßen fließt, dann sind die neuen Regelungen in Ordnung“, sagt er. Allerdings fordert er, dass die Abgabe künftig auch für Autos zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen kassiert wird. Davor wiederum warnt Handwerkssprecher Haumann: „Das wäre für unsere Betriebe fatal.“
 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen