zur Navigation springen

Wegen Baustellen : A7-Ausbau: Windkraft droht der Standstreifen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hersteller von Windkraftanlagen sind in großer Sorge: Sie befürchten Behinderungen durch Baustellen auf der A7 – und dass ihre Lieferungen in Schleswig-Holstein gar nicht ankommen.

Kiel | Droht dem Ausbau der Windkraft im Norden die Vollbremsung? Mit der Erweiterung von Norddeutschlands wichtigster Autobahn kommen auf die gesamte Wirtschaft im Land zwischen den Meeren Probleme zu. Wie groß sie wirklich sein werden, kann derzeit niemand sagen.

Während von vielen Spediteuren und Touristen im Zuge der A7-Erweiterung vor allem Geduld verlangt wird, müssen sich Hersteller von Windkraftanlagen sorgen, dass sie ihre tonnenschweren Maschinen zum Teil überhaupt nicht mehr zum Bestimmungsort transportiert bekommen. Im schleswig-holsteinischen Landesbüro des Bundesverbands Windenergie räumt Nicole Knudsen ein: „Das wird eine große Herausforderung.“ Die Sperrung der Rader Hochbrücke ist vielen als eine Art Testlauf in Erinnerung. Die Sperrung, die erst vor wenigen Tagen für Schwerlasttransporte aufgehoben wurde, resümiert Knudsen, habe Hersteller und Spediteure vor allem Zeit und auch Geld gekostet. Möglich also, dass es mit dem Ausbau wieder so kommt – über Jahre hinweg.

Allein der Hamburger Windkraftanlagen-Hersteller Senvion, der vor allem noch unter seinem früheren Namen Repower bekannt ist, benötigt für seine geplanten Anlagen rechnerisch rund 1300 Groß- und Schwertransporte auf den Straßen gen Norden. „Schleswig-Holstein zählt zu unseren Haupt-Errichtungsgebieten“, betont eine Senvion-Sprecherin. Neben der Zentrale in der Hansestadt betreibt Senvion zudem auch eigene Standorte in Husum und Rendsburg. Rund hundert Anlagen errichte das Unternehmen nach eigenen Angaben jährlich im Land zwischen den Meeren – ein Großteil aller Windkrafträder, die in Schleswig-Holstein im Jahr neu aufgestellt werden. „Für jede Anlage benötigt man 10 bis 13 Großraum- und Schwertransporte“, rechnet die Sprecherin vor. Hinzu kämen den Angaben zufolge dann nochmals die Schwertransporte für die Großkräne, die benötigt werden, um die Anlage zu errichten – zirka 35 Schwertransporte seien für einen Kran notwendig.

Doch mancher dieser Transporte wird womöglich niemals stattfinden können. „Im Zuge der Baumaßnahmen werden Baustellen eingerichtet, die teilweise nicht mit Schwertransporten durchfahren werden dürfen“, räumt die Sprecherin in Hamburg ein. Eine Alternative sei ihr zufolge dann der Weg über die A1 und Bad Segeberg, um Hamburg zu umfahren. Dies sei aber nur möglich, wenn auf dieser Strecke keine Baustellen eingerichtet werden. „Weitere Möglichkeiten ergeben sich derzeit nur über den Wasserweg nach Dänemark, der um einiges kostspieliger ist als die direkte Transportroute“, so die Sprecherin.

In der norddeutschen Offshore-Branche warnt Frank Schnabel von der Hafenkooperation Offshore-Häfen indes vor übertriebenen Sorgen. Natürlich sei der Ausbau eine Herausforderung, sagt er. Doch die daraus resultierenden Probleme seien „ja zu meistern“. Es müsse jetzt darum gehen, intelligente Antworten zu finden, so Schnabel. „Ich sehe das nicht so dramatisch wie einige Kollegen aus der Logistikbranche.“ Zudem gibt er zu bedenken, dass die A7 heute doch auch Probleme bereite – wenn es angesichts eines fehlenden Ausbaus immer wieder zu kilometerlangen Staus komme.

Die Hafenkooperation wurde 2010 von neun Häfen beschlossen, innerhalb der Kooperation übernehmen Rendsburg und Brunsbüttel die Aufgabe der Verschiffung von Großkomponenten. „Wir wünschen uns schon, dass man uns stärker nutzt“, so Schnabel. Nicht im Interesse der Häfen könne es sein, dass Unternehmen zunehmend auf die Route Esbjerg-Cuxhaven setzen. Dann gingen dem Land Transportströme dauerhaft verloren.

Im Falle von Siemens ist allerdings genau das bereits der Fall. Siemens lässt in Dänemark produzieren und setzt seit den Vorkommnissen mit der Rader Hochbrücke verstärkt auf den Seeweg. Der Windkraftanlagen-Hersteller Vestas lässt seit einiger Zeit eine Fähre nach eigenen Angaben bereits wahlweise von Apenrade nach Rostock oder von Esbjerg nach Cuxhaven fahren. Dass dieser Weg mehr koste, räumt auch Vestas ein. Die Windkraftanlagenhersteller nehmen es in Kauf.

zur Startseite

von
erstellt am 27.Jan.2014 | 00:32 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen