Schuldner-Atlas 2014 : 257.500 Menschen in SH sind pleite

Die Zahl der privat überschuldeten Menschen in Schleswig-Holstein steigt.
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Die Zahl der privat überschuldeten Menschen in Schleswig-Holstein steigt.

Ungehemmter Konsum auf Pump: Die Überschuldung erreicht einen neuen Höchststand.

shz.de von
29. Januar 2015, 12:41 Uhr

Flensburg | Die zunehmende Konsumlust lockt immer mehr Schleswig-Holsteiner in die private Schuldenfalle. Die Folge: Trotz sinkender Arbeitslosigkeit, steigender Löhne und positiver Konjunkturdaten hat die Zahl der überschuldeten Haushalte einen neuen Höchststand erreicht.

Die Zahl der privat überschuldeten Menschen ist nach einem leichten Rückgang 2013 im vergangenen Jahr wieder spürbar gestiegen. In Schleswig-Holstein erhöhte sich die Zahl der überschuldeten Menschen um 4000 auf 257.497. Im Vergleich zu 2004 gibt es ein Plus von 11.000 Überschuldeten, an vielen von ihnen hängen Lebensgemeinschaften und Familien. Die Schuldner-Quote des Landes wuchs von 10,90 auf 11,01 und liegt klar über dem Bundesschnitt von 9,90 Prozent. „Viele Menschen haben mehr Geld in der Tasche, dazu die niedrigen Zinsen – das verführt zu Konsum-Krediten“, sagte Michael Bretz, Leiter der Wirtschaftsforschung der Creditreform Deutschland gestern bei Vorstellung des Schuldner-Atlas 2014/2015 in Flensburg.

 

In Kiel, Flensburg, Segeberg, Pinneberg und Stormarn gibt es prozentual zwar hauchdünne Rückgänge, doch absolut nahm die Zahl der Überschuldeten in allen Kreisen und kreisfreien Städten wieder zu. Ursache für diesen scheinbaren Gegensatz ist die Zuwanderung. Die höchsten Quoten weisen derzeit Neumünster (16,61), Flensburg (16,41), Lübeck (15,25) und Dithmarschen (12,52) auf. Am niedrigsten sind die Schuldner-Quoten in Stormarn (7,93), Plön (8,88), Rendsburg-Eckernförde (9,17) und Pinneberg (9,64). Die stärksten Zuwächse überschuldeter Haushalte verzeichneten Lübeck, Neumünster, Dithmarschen und Nordfriesland.

Mit 1,6 Billionen Euro gaben die deutschen Verbraucher 2014 für den privaten Konsum so viel wie noch nie aus – ein Drittel mehr als im Jahr 2000. Die Fortsetzung dieses Trends bestätigen die aktuellen Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), die für Januar 2015 die höchste private Konsumneigung seit 2001 feststellen. Auch in Schleswig-Holstein ist mit einem weiteren Anstiegen der privaten Überschuldung durch Konsum-Kredite zu rechnen.

Arbeitslosigkeit und Krankheit sind zwar noch die Hauptursachen für die Überschuldung, doch immer häufiger wird als Grund der überzogene Konsumrausch angegeben, warnt Bretz. Verändern sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, werde die private Überschuldung dramatisch ansteigen. „Die Lage wäre jetzt schon prekär, wenn die Arbeitslosenzahlen und Zinsen nicht so niedrig wären“, sagt Michael Bretz.

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