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Netzentgelte : 1500 weitere Firmen wollen Strom-Rabatte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer mehr Unternehmen im Land und auch bundesweit beantragen Rabatte bei den Netzentgelten.

shz.de von
erstellt am 22.Okt.2013 | 08:09 Uhr

Kiel | Die Raffinerie Heide ist ebenso befreit wie zahlreiche Bäckereien und Schlachtereien sowie Camping-Plätze und Freizeitparks. Immer mehr Unternehmen im Land und auch bundesweit beantragen Rabatte bei den Netzentgelten. Allein in 2013 wird sich die Zahl auf etwa 1500 neue Anträge belaufen. Dies geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, die dem sh:z vorliegt. Allein in Schleswig-Holstein lagen nach Zahlen der Bundesnetzagentur zum September dieses Jahres 50 noch offene Anträge auf Netzentgelt-Rabatte für das Gebiet der Schleswig-Holstein Netz AG vor, das gut 80 Prozent des Stromnetzes im nördlichsten Land ausmacht.

Die Zahl der genehmigten Ausnahmen beim Netzentgelt steigt damit nochmals deutlich an. Nachlässe, die in früheren Jahren genehmigt wurden, gelten nämlich meist über mehrere Jahre. 2011 waren bereits 1007 Fälle genehmigt worden, 2012 waren es 1322 – offen für das vergangene Jahr sind laut Wirtschaftsministerium noch 1680 Anträge. Eingestellt wurden seit 2008 gerade einmal rund 350 Anträge, abgelehnt wurde kein einziger.

Die Kosten für die Industrie-Rabatte – die Grünen schätzen sie in 2013 auf bundesweit 805 Millionen Euro – zahlen Privatverbraucher und kleine Betriebe. Gegenwärtig muss jeder Bürger 0,329 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlen. Pro Jahr macht das bei einem Verbrauch von 3500 kWh rund 11,50 Euro aus. Neben der EEG-Umlage wird der Strompreis für den Endkunden damit ein weiteres Mal vor allem aufgrund der jeweiligen Industrierabatte verteuert. „Die Ausnahmen für Firmen wurden eingeführt, weil die schwarz-gelbe Bundesregierung dachte, dass die Strompreise nach dem Atomausstieg unter die Decke gehen. Sind sie aber nicht“, so die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel Höhn.


Freizeitparks stellen Antrag auf Rabatte

Der Gedanke hinter den Nachlässen war es dabei ursprünglich, dass Unternehmen, die extrem viel Strom verbrauchen, nicht übermäßig durch die Folgen der Energiewende benachteiligt werden sollen. Netzentgelte machen inzwischen gut ein Fünftel des Strompreises aus und dienen zum Ausbau der Stromnetze. In die Kritik gerieten die Ausnahmen und Nachlässe zuletzt jedoch, da sich auch Camping-Plätze, Schlachtereien und Freizeit-Parks zum Teil von den Entgelten befreien lassen können. So liegen für Schleswig-Holstein unter anderem Anträge vom Hansa-Park, der Kreissparkasse Herzogtum-Lauenburg und verschiedenen Camping-Plätzen vor. Bundesweit sorgte unter anderem der Netzentgelt-Rabatt beim Berliner Friedrichstadtpalast für Schlagzeilen. Grund für diese Fälle von tatsächlichen und noch möglichen Befreiungen ist eine „atypische Netznutzung“ – die Unternehmen haben also eine hohe Stromabnahme abends oder nachts.

Bis Sommer dieses Jahres konnten sich 200 besonders energieintensive Unternehmen komplett vom Netzentgelt befreien lassen. Der Druck der EU-Kommission sowie ein Gerichtsurteil machten dem ein Ende. Dies lässt die Umlage für die Netzentgelt-Rabatte im kommenden Jahr sinken – auf 0,187 Cent pro Kilowattstunde. Große Industriebetriebe müssen aber – auch ohne Rabatte – zum Teil mit 0,025 Cent aber nur einen Bruchteil zahlen.

Experten diskutieren über Kosten der Energiewende: IHK Schleswig-Holstein lädt zu Vorträgen und Podiumsdiskussion zum Thema am 31. Oktober, ab 9:30 Uhr in der IHK Flensburg. Infos und Anmeldung unter: service@flensburg.ihk.de oder (0461) 806 806.
 

 

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