zur Navigation springen

Anleihe für Westküstenleitung : 100 Haushalte und ein Bürgernetz

vom

Klägliche Bilanz: 160.000 Haushalte bekamen Post von Tennet - aber nur wenige Dithmarscher und Ostfriesen interessieren sich für die Westküstenleitung. Ein ausführliches Fazit des Netzbetreibers steht aus.

Husum | „Schleswig-Holstein schreibt Geschichte“: So rühmte Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) im Juni die Bürgerbeteiligung beim Netzausbau. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig fand viel Lob: Mit der Bürgeranleihe werde bewiesen, „dass der Leitungsausbau nicht nur individuelle Nachteile, sondern ebenso individuelle Vorteile bieten kann“. Genützt hat das nicht viel - die Anleihe zur Finanzierung der Westküsten-Stromtrasse in Schleswig-Holstein hat nur wenig Käufer gefunden.

Bis zum Ende der Zeichnungsfrist hätten mehr als 100 Haushalte aus der Region die Anleihe gezeichnet, teilte der Netzbetreiber Tennet am Mittwoch in Hamburg mit.Das Emissionsvolumen bewege sich bei rund einer Million Euro. Tennet hatte die Anleihe vor allem aufgelegt, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Starkstromtrasse von Brunsbüttel nach Niebüll zu stärken. Rund 160.000 Haushalte in den Landkreisen Nordfriesland und Dithmarschen waren angeschrieben worden. Im Sommer hatte Tennet mitgeteilt, bis August hätten 250 Kunden Anteile gezeichnet. Schon vor Wochen zeichnete sich ab: Die Bürgerleitung ist ein Flop.

Verbraucherschützer und Finanzexperten hatten Kleinanlegern vom Kauf der Anleihe abgeraten. Fondsmanager und Analysten stuften die Tennet-Anleihe, mit der Schleswig-Holsteiner am Ausbau des Stromnetzes mitverdienen sollen, einhellig als „nicht empfehlenswert“ für Kleinsparer ein. Es bestehe die Gefahr eines Totalverlustes des angelegten Geldes. Anders als von der Politik versprochen, konnten sich die Haushalte an der Westküste nicht am Stromnetz beteiligen, sondern zeichneten eine Hybridanleihe der niederländischen Holding des Netzbetreibers Tennet. Diese werde im Insolvenzfall „nachrangig bedient“. Das heißt: Die Anleger müssen dann damit rechnen, im Konkursfall kein Geld zurückzubekommen.

Netzbetreiber Tennet will Anfang November ein ausführliches Fazit zur Bürgeranleihe ziehen. Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung, sagte: „Wir werden das Modell Bürgeranleihe analysieren und gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Behörden und Verbänden sowie Finanzexperten wichtige Erfahrungen austauschen.“

zur Startseite

von
erstellt am 16.Okt.2013 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen