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Bilanz im Landeslabor : Wirtschaft soll Lebensmittelkontrollen zahlen

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Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

Wegen der langen Liste von Lebensmittelskandalen gibt es reichlich Arbeit für das Landeslabor in Neumünster. Doch mehr Geld gibt es nicht von Land. Landwirtschaftsminister Habeck will die Wirtschaft in die Pflicht nehmen, um engmaschigere Untersuchungen möglich zu machen.

Richtig wohl fühlt sich Robert Habeck offenbar nicht. In seiner Hand hält der grüne Landwirtschaftsminister eine Petrischale mit Resten einer Schafsmilz. „Dieses Tier hatte das Schmallenberg-Virus?“, fragt er Dr. Peter Hübert im Landeslabor Neumünster. Der Tierarzt erklärt ihm, wie er und seine Kollegen herausfinden, welche Tiere von welchen Seuchen befallen sind. Das Virus ist unter Kontrolle, das ist das Signal aus dem Landeslabor, das gestern seinen Jahresbericht vorgestellt hat. Doch Tierseuchen bleiben ein Hauptarbeitsgebiet der 194 Mitarbeiter. 2012 haben sie fast eine Million Proben untersucht, davon 860.000 auf Tierseuchen, 70.000 auf die Rinderseuche BSE, rund 15.000 betrafen Lebensmittel. Diese werden besonders genau untersucht, vor allem die, bei denen der Erfahrung nach die meisten Verstöße zu erwarten haben. „Von diesen Proben wird etwa jede fünfte beanstandet“, sagt der Leiter des Landeslabors, Matthias Hoppe-Kossak. Bei Frittierfetten aus Gaststätten oder Nahrungsergänzungsmitteln liege die Trefferquote bei etwa 70 Prozent. Rund 80 Lebensmittelkontrolleure sind laut Hoppe-Kossak in den Kommunen im Einsatz. „Die Arbeit ist aufwändig und wir erzielen dadurch kaum Einnahmen.“

Noch übernimmt der Staat die Kosten für die Regelkontrollen, doch das will Habeck ändern. Denn die Ausstattung des Landeslabors konnte er nicht aufstocken. Dabei will Habeck angesichts der vielen Lebensmittelskandale engmaschigere Kontrollen. „Wir haben aber nicht Geld wie Heu.“ Deshalb will er nun eine EU-weite Pflichtgebühr, um neue Einnahmen fürs Labor zu bekommen: „Hier ist die Wirtschaft stärker gefragt, sich zu beteiligen. Es ist sinnvoll, einen Teil der Regelkontrollen gebührenpflichtig zu machen“, sagt Habeck. Die Kontrollen auf Tierseuchen zahlen Bauern schon seit langem.

Wie wichtig Kontrollen sind, zeigt Peter Hübert, der auf die Petrischale in Habecks Hand deutet. „Dieses Tier war sehr schwer befallen.“ Die Schale gibt Habeck ihm da lieber schnell wieder zurück.

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erstellt am 20.Sep.2013 | 00:33 Uhr

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