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Demo vor der Grünen Woche : "Wir haben Dioxin und Gentechnik satt"

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Bauern aus Schleswig-Holstein demonstrieren vor den Toren der Grünen Woche gegen Dioxin-Panscher und Gentechnik. Hunderte Traktoren und Lkw stehen vor den Messehallen.

Berlin | Hunderte Traktoren und Lkw stehen vor den Messehallen in Berlin, blockieren die Zufahrten für die Besucher-Busse. Aus ganz Deutschland sind Landwirte in die Hauptstadt gekommen, um vor den Türen der Grünen Woche zu demonstrieren. Auf der größten internationalen Messe für Nahrungs- und Genussmittel präsentieren sich die Lebensmittelhersteller.
Aus Boostedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ist Steffen Tackmann mit einem Trecker angereist. Die Familie des 22-Jährigen hat einen Legehennenbetrieb. "Wir haben Dioxin und Gentechnik satt", steht auf einem Bettlaken, das am Heck des Schleppers hängt. "Die Lebensmittelindustrie drückt die Preise immer wieder und sucht nach den günstigsten Angeboten. Wir sehen, wohin dieser Preisdruck führt", klagt Tackmann mit Blick auf den Futterfett-Hersteller Harles und Jentzsch in Uetersen. Die Logik daran gilt es zu hinterfragen, meint der Landwirt: "Wir alle müssen einfach den Wert von Lebensmitteln wieder zu schätzen lernen."
Gegen die "Hauptsache billig"-Mentalität
Sein Betrieb sei nicht vom aktuellen Dioxin-Skandal betroffen gewesen. "Aber es geht ums Prinzip - darum, dass mit der Einstellung Hauptsache billig Ereignisse wie diese immer wieder vorkommen werden."

Während vor den Hallen wütende Bauern ihrem Ärger Luft machen, sind in den Hallen die Aussteller frohen Mutes. Zumindest gewinnt Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsministerin Juliane Rumpf (CDU) diesen Eindruck: "Die Stimmung hat eine Delle gehabt, aber ich erfahre in den Gesprächen hier, dass wieder positive Zeichen zu erkennen sind." Das liege auch am Aktionsplan der Bundesregierung. "Die Beschlüsse sind gefasst, das ist beim Verbraucher angekommen", sagt Rumpf.
30 Prozent Umsatzeinbuße
Nikolai Schirm von "Küstenlümmel" aus Heiligenhafen berichtet von 30 Prozent Umsatzeinbuße durch die Angst vor Dioxin. Er macht dafür aber auch die Medien verantwortlich. "Obwohl die erlaubten Werte im Fleisch nie überschritten worden sind, werden die Menschen verunsichert." Daher will er auf der Grünen Woche vor allem Aufklärung betreiben.
Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) will ihren Aktionsplan schnell umsetzen. "Ich habe schon den ersten Teil in die Ressortabstimmung gegeben", sagt sie auf der Grünen Woche. Die Futtermittelhersteller planen mehr Kontrollen. "Ein Entwurf ist in Arbeit für einen erweiterten Prüfplan für Futterfette", sagt der Geschäftsführer des Deutschen Verbandes Tiernahrung, Bernhard Krüsken. Die Häufigkeit der Kontrollen sei offensichtlich nicht hoch genug. Der Verband distanziert sich von Harles und Jentzsch, die wegen der Vermischung von Futter- und Industriefett als Auslöser des Skandals gelten.
Carstensen: "Das muss richtig weh tun"
Ministerpräsident Peter Harry Carstensen setzt auf harte Strafen. "Das muss richtig weh tun", sagt er auf der Messe in Berlin. Zugleich betont er auch: "Wo kriminelle Energie am Werk ist, haben wir Schwierigkeiten, sie einzudämmen. Mord ist auch verboten und trotzdem können wir ihn nicht eindämmen."
Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz zeigt am Beispiel der Schweinehalter das Ausmaß der aktuellen Debatte. "Der Skandal hat nicht einen Sinkflug nach sich gezogen, sondern einen Sturzflug hingelegt, der seines gleichen sucht. Innerhalb von zwei Wochen ist der Preis für Schweinefleisch um 35 Euro je Schwein gefallen, das ist ein Einbruch um etwa 22 Prozent zum Niveau vor der Krise." Das könne kein landwirtschaftlicher Erzeuger kompensieren, weshalb der Bauernverband ein Liquiditätshilfeprogramm fordert, "wie es inzwischen schon von Frau Aigner und Herrn Sonnleitner angekündigt worden ist".

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erstellt am 24.Jan.2011 | 04:49 Uhr

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