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Reisetipp : Winterfahrt - Mit der Dampflok auf den Brocken

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Zurzeit zeigt sich der Harz als Wintermärchen. Eine Tour mit der Brockenbahn ist nicht nur für Eisenbahn-Freaks ein Vergnügen. Denn unter Dampf ist eine Fahrt auf den Brocken noch mal so romantisch.

shz.de von
erstellt am 19.Jan.2010 | 07:49 Uhr

Wernigerode | "Ausfahrtsignal ist frei". Ein kurzer Blick noch nach draußen, dann zieht der Lokführer den Kopf zurück in den engen Führerstand. "Und ab gehts". Mit der linken Hand greift er zum rußschwarzen Fahrtregler und schiebt ihn langsam nach rechts. "Pffft, pffft, pffft ...", zischt der Dampf durch die Ventile. Langsam setzt sich die alte Lokomotive in Bewegung. Mit gekonntem Schwung schaufelt der Heizer die Kohle aus dem Tender in den glutroten Brennraum. Schnell nimmt der Zug Fahrt auf, und bald klopfen die riesigen Kolben in schnellem Takt.

In Wernigerode in Sachsen-Anhalt hat unsere nostalgische Reise in die Winterwelt begonnen. Mit 700 PS zieht die 55 Jahre alte Lok der Harzer Schmalspurbahnen den Zug Richtung Brocken. 900 Höhenmeter liegen vor uns, durch verschneite Wälder und verschlafene Ortschaften. In den beheizten, rotgelben Waggons ist es kuschelig warm. Aber das richtige Dampflokgefühl vermittelt sich dem, der draußen, in den Übergängen, dem eisigen Fahrtwind trotzt. In dicken Schwaden flattert der Dampf über dem Zug, und in den Augen brennt der Ruß, während zum Greifen nah die vom Schnee verhüllten Bäume vorbeihuschen.

Mit kreischenden Bremsen hält unser Zug im Bahnhof Drei Annen Hohne. Die Lok braucht Wasser, und 7 000 Liter rauschen durch einen Trichter in den Wasserkasten. Aus zischenden Ventilen quillt der Dampf in die eisige Luft und hüllt die Lok in einen wabernden Schleier. Ab Schierke, wo der Nationalpark Harz beginnt, geht es steiler bergan. Das betagte Dampfross leistet jetzt Schwerstarbeit, während immer höhere Schneewehen unsere Fahrt begleiten. In dichtem Nebel erreicht unser Zug nach 1 ¾-stündiger Fahrt den Gipfel.

Hier, in 1 141 Metern Höhe, pfeift bei minus 10 Grad ein schneidender Wind. "Viele Steine, müde Beine, Aussicht keine, Heinrich Heine" soll der große Dichter einst auf dem Brocken geäußert haben. Aber bald klart es auf, und der Blick auf die winterliche Märchenlandschaft raubt uns den Atem. Wie versteinerte Hexen ragen die dick verschneiten Fichten aus dem glitzernden Weiß. Bizarre Eiskristalle überziehen das Brockenhotel und den Fernsehturm und zaubern aus Antennen und Wegweisern gespenstische Wesen. Über die Wolken, die unter uns im Tal hängen, streift der Blick weit hinaus ins verschneite Harz-Vorland. Viel zu schnell geht er zu Ende - unser Ausflug in die Eiszeit.


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