Querelen bei der Nord-CDU : Windkraftausbau: Christian von Boetticher bläst zum Angriff auf Daniel Günther

 Von Boetticher
Christian von Boetticher war mal Lobbyist für erneuerbare Energien. Mit Daniel Günther ist er sich nicht immer grün.

Weil Günther verstärkt auf Offshore-Windkraft statt auf Windräder setzen will, wird er von von Boetticher angegangen.

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05. Januar 2017, 17:13 Uhr

Kiel | Paukenschlag bei der Nord-CDU zum Jahresauftakt: Der Absicht, nach vielen Querelen endlich die Reihen zu schließen, scheint das übliche Schicksal von Neujahrsvorsätzen beschieden zu sein. Nur Tage nach Silvester sind sie vergessen.

Kaum hat der designierte CDU-Spitzenkandidat zur Landtagswahl, Daniel Günther, seine neuen Ziele zum Ausbau der Windenergie erläutert, bekommt er kräftig Gegenwind von seinem Widersacher, dem Ex-Parteichef Christian von Boetticher. Dieser war 2011 über eine Liebesbeziehung mit einer 16-Jährigen gestürzt. Schwarz auf Weiß dokumentiert ist der fortdauernde Zwist beider Partei-Promis in einer Pressemitteilung, die von Boetticher am Mittwoch in seiner Eigenschaft als Landesvorsitzender des Wirtschaftsrats der CDU verschicken ließ. Seit November hat er, der hauptberuflich die Köllnflocken-Werke in Elmshorn leitet, dieses Amt inne.

Günther
dpa
Daniel Günther ist CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Mai.
 

In dem Schreiben geht der Absender Günther hart an, weil der verstärkt auf Offshore-Windkraft statt auf Windräder an Land setzen will. Nur Stunden zuvor hatte Günther dies in einer Meldung der Deutschen Presseagentur bekräftigt. „Dort gibt es keine Bürgerproteste, die Technik ist umweltverträglich und rechnet sich mittlerweile auch betriebswirtschaftlich“, zählte der neue Hoffnungsträger der CDU die Vorteile der Energieerzeugung auf dem Meer auf und schlussfolgerte: „In diesem Weg liegt für Schleswig-Holstein eine viel größere Zukunft als im weiteren Ausbau der Windräder an Land.“

„Mit Erstaunen“ quittiert von Boetticher diese Ansicht. Und erinnert süffisant daran, dass davon bisher nichts im Entwurf des Landtagswahlprogramms der Christdemokraten stehe. Das halte daran fest, zwei Prozent der Landesfläche mit Windkraft zu bestücken. Falls Günther dies ändern wolle, kündigt der Wirtschaftsrat Widerstand an: „Nachdem die ausschließlich mittelständisch geprägte Branche der Onshore-Windenergie jedes Jahr über 1,5 Milliarden Euro allein in Schleswig-Holstein investiert hat, wäre es niemandem zu erklären, warum dieser volkswirtschaftliche Motor zu Gunsten von Vorhaben der Großindustrie auf See abgewürgt werden sollte.“

Auch die Kölln-Werke nutzten im Übrigen „als Hersteller nachhaltig produzierter Nahrungsmittel selbstverständlich grünen Strom“. Die Pressemitteilung betont, dass mit von Boetticher immerhin ein einstiger Umweltminister spreche. Woran der Text hingegen nicht erinnert: Als Anwalt in einer Hamburger Kanzlei war der studierte Jurist später als Lobbyist für Erneuerbare Energien unterwegs.

Sei’s drum: Die eigentliche Botschaft der Mitteilung steckt ohnehin zwischen den Zeilen und hat mit Windrädern gar nichts zu tun. Ihre Feindseligkeit ist umso relevanter, als von Boetticher nicht nur beim Wirtschaftsrat zum Comeback auf die politische Bühne angesetzt hat – sondern ebenfalls seit Ende des Jahres Vorsitzender des mitgliederstarken CDU-Kreisverbands Pinneberg ist.

Egal in welcher Position: Nicht totzukriegen ist das Gerücht, dass von Boetticher Günther verdächtigt, die Geschichte mit der 16-Jährigen an die Öffentlichkeit lanciert zu haben. Obwohl Günther auf seinem Inthronisierungs-Parteitag im vergangenen Oktober eine baldige Aussprache mit von Boetticher angekündigt hatte, bleiben beide spürbar „ziemlich beste Feinde“, wie CDU-Granden gern zu sagen pflegen. Und was auch immer zu On- oder Offshore letztendlich im Wahlprogramm stehen wird: Der traditionelle Hang zur Selbstzerfleischung der CDU scheint auf jeden Fall Bestandteil des Papiers zu bleiben.

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