Haithabu : Wikingerboot aus dem 21. Jahrhundert

Das erste Wikingerboot für das Museum in Haithabu ist fertig. Leiterin Ute Drews nahm das Prachtstück gestern auf der Museumswerft in Flensburg in Augenschein.

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09. Dezember 2008, 06:16 Uhr

Flensburg | Allein 600 eiserne Nieten musste die Crew der Flensburger Museumswerft von Hand herstellen. Es steckt eine Menge Arbeit in dem rund 6,50 Meter langen Wikinger-Boot, das gestern der Leiterin des Wikinger-Museums Haithabu, Ute Drews, übergeben wurde. Sie zeigte sich sehr angetan von der Arbeit der Flensburger, die mit dem Nachbau eines Originals aus dem 9. Jahrhundert Neuland betreten hatten.

Wer die frisch konservierten Planken anfasst, hat lange gut davon. Der Geruch des Holzteers, der deutlich an geräucherte Makrele erinnert, haftet noch nach Stunden an den Händen. "Eine wunderschöne Farbe" habe das Boot, sagt Ute Drews. "Sehr sauber gearbeitet", urteilt Klaus Niendorf, der Bootsbauer des Landesmuseums, der auch das Unterschiff genau begutachtet.

Es ist ein Prachtstück geworden mit viel Liebe zum Detail. Ute Drews entdeckt eine Zierkehle, die mit einem Schnitzeisen gearbeitet wurde. Die Planken haben genau vorgegebene Profile. Die Aufhängung des Ruders steuerbord achtern - jetzt weiß der Laie endlich, warum steuerbord rechts ist!

Mit Begeisterung berichtet Werft-Chef Uwe Kutzner vom Umgang mit der historischen Umsetzbarkeit. Beispiel Ruderstange: Die sei nicht belegt, aber ohne sie sei das Ruder nicht praktisch zu bedienen gewesen im Heck des Bootes. Ob es den ausgelegten Boden so gegeben habe, wisse man auch nicht.

"Viel Gehirnschmalz" musste er aufwenden, berichtet Bootsbauer Thomas Frömming. Einerseits sollte das Boot so genau wie möglich ans Original gebaut werden, andererseits musste es so konstruiert sein, dass man es heute fahren und steuern kann.

Die beiden Steven seien die größte Herausforderung gewesen,sagt Frömming. Jeder ist aus einem mächtigen Stück Eiche geschnitzt worden. Der Steven geht in Stufen hinunter bis zum Kiel, und da er gleichzeitig die Spitze des Rumpfes bildet, musste er ausgehöhlt werden. "Zweieinhalb Wochen dauerte der erste Steven", so Frömming, "der zweite ging etwas schneller."

Zum Beginn der Freiluft saison 2009 soll das Boot im Hafen vor den Wikinger-Häusern in Haithabu festgemacht werden. Noch war es nicht in seinem Element, doch Kutzner ist sich sicher, dass es seine Feuertaufe im Wasser bestehen wird. Boote dieses Typs seien im Mittelalter als Gebrauchsboote für den Alltag genutzt worden, mutmaßt Kutzner. Das exakte Vorbild des jetzt in Flensburg gebauten Bootes ist ein Beiboot des weltbekannten Gokstad-Schiffes aus Norwegen, das Ende des 19. Jahrhunderts gefunden wurde.

Jetzt hofft Uwe Kutzner auf zwei Folgeaufträge, darunter ein größeres mit Mast und Segel, denn eigentlich soll das neue Boot nicht allein an der Brücke vor Haithabu liegen. Doch bevor der Auftrag des Landesmuseums erfolgen kann, müsse die Finanzierung geklärt werden, so Ute Drews. Das jetzt fertig gestellte Boot hat immerhin rund 20 000 Euro gekostet.

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