Nach Frachter-Bergung : Wieder freie Fahrt auf dem Nord-Ostsee-Kanal

Am 28. Oktober war der Frachter bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Schiff so schwer beschädigt worden, dass es zu sinken drohte.
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Am 28. Oktober war der Frachter bei einem Zusammenstoß mit einem anderen Schiff so schwer beschädigt worden, dass es zu sinken drohte.

Der Verkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal läuft wieder: Der havarierte Frachter „Siderfly“ ist geborgen und liegt im Hafen Brunsbüttel. Vor der dortigen Schleuse müssen große Schiffe am Donnerstag aber dennoch mindestens sechs Stunden warten.

shz.de von
06. November 2013, 17:35 Uhr

Brunsbüttel | Nach der erfolgreichen Bergung des leckgeschlagenen Düngemittelfrachters „Siderfly“ läuft der Schiffsverkehr im Nord-Ostsee-Kanal wieder. „Aktuell beträgt die Wartezeit für große Schiffe in Brunsbüttel allerdings mindestens sechs Stunden“, sagte der Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes, Thomas Fischer, am Donnerstag. Sowohl in Brunsbüttel als auch in Kiel-Holtenau stünde weiterhin nur je eine große Schleusenkammer zur Verfügung. Vor der Kanaleinfahrt in Kiel gebe es für Schiffe aber keine größeren Wartezeiten.

Neun Tage nach der Kollision wurde der Unglücksort nahe der Brunsbütteler Hochbrücke am Mittwoch geräumt. Zwei Schlepper zogen den 100 Meter langen Havaristen zum Brunsbütteler Hafen. Während der Passage wurde mit vier Lenzpumpen weiter Wasser aus der „Siderfly“ gepumpt. Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle, wie ein Sprecher des Havariekommandos in Cuxhaven am Abend sagte. Der Frachter soll in Brunsbüttel repariert werden.

Das Leck ist entgegen ersten Befürchtungen nicht so schlimm: Hinter dem rund zwei mal sieben Meter großen Loch in der Außenwand entdeckten die Bergungsexperten in der Wand des Laderaums nur einen wenige Zentimeter breiten Riss, sagte Michael Friedrich vom Havariekommando. Damit das leer gepumpte Schiff beim Schleppen nicht wie ein Korken im Kanal hin und her schaukelte, musste es zunächst durch Umpumpen von Wasser in den Ballasttanks in eine stabile Lage gebracht werden.

Eine zeitraubende Arbeit, wie Friedrich erklärte. Da die Bordpumpen der „Siderfly“ nicht mehr funktionierten, mussten die Bergungsspezialisten eigene Pumpen einsetzen. Diese wurden je nach Veränderung der Schiffslage immer wieder neu in andere Positionen gebracht. Dazu kamen Verzögerungen, weil immer wieder große Folienteile angesaugt wurden, die ursprünglich zum Schutz der Ladung dienten, sagte Friedrich. Nach dem Festmachen in Brunsbüttel sollte zur Sicherheit erneut eine Ölsperre um das Schiff gelegt werden.

Die „Siderfly“ war am 28. Oktober bei einem Zusammenstoß mit einem Gastanker so schwer beschädigt worden, dass sie zu sinken drohte. Sie war zunächst mit Hilfe von Schleppern an der Böschung des Kanals gehalten worden, um das Sinken des Schiffes zu verhindern. Der Frachter war mit einer Ladung Harnstoff - einem ungiftigen Dünger - auf dem Weg von Brunsbüttel nach Antwerpen gewesen.

Der rund hundert Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal verkürzt den Weg für Schiffe im Vergleich zur Route um Dänemark herum um gut 400 Kilometer. Wegen der Havarie wurde musste der Kanal in diesem Jahr bereits das dritte Mal mehrere Tange lang komplett gesperrt werden.

Zuvor gab es bereits wegen der maroden Technik der Schleusenanlagen sowie durch einen Arbeitskampf länger dauernde Komplettsperrungen. Wirtschaftsverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein haben in der Vergangenheit mehrfach gefordert, den Kanal zügig zu modernisieren und auszubauen.

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