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Gülle : Wie Landwirte künftig düngen wollen - ohne Geruchsbelästigung

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Landwirte setzen beim Ausbringen der Gülle vermehrt auf ein modernes Direkteinarbeitungsverfahren - das kaum Geruch hinterlässt.

Ein kräftiger Duft von Gülle weht in diesen Wochen über das Land. Die Bauern düngen ihre Felder vor der Aussaat – eine Geruchsbelästigung sehr zum Missfallen der Anwohner. Doch bereits in einigen Jahren könnte damit Schluss sein. Bei der Anwendung modernster Technik sieht sich Lohnunternehmer Niko Marquardt aus Bebensee (Kreis Segeberg) als einen der Vorreiter im Norden. Herzstück ist das sogenannte Direkteinarbeitungsverfahren. In einem einzigen Arbeitsschritt wird die Gülle hierbei auf den Acker gebracht und sofort mit einer Egge in den Boden eingegraben.

Gülle hat kein gutes Image: Viele befürchten vor allem eine Belastung für die Umwelt, wenn die Ausscheidungen der Tiere in den Boden gelangen. Andere betonen die guten Inhaltsstoffe, die das Pflanzenwachstum beschleunigen können. Dennoch: Zu viel darf es nie sein, die Landwirte müssen genau darüber Buch führen, wann sie wo Gülle aufs Feld bringen.

„Auf einer Scheibenegge ist ein Verteiler mit rotierenden Messern montiert, dort werden eventuell in der Gülle enthaltene Feststoffe zunächst zerkleinert“, erklärt Marquard. „Dann wird die Gülle über Schläuche weiter auf die gesamte Arbeitsbreite der Egge verteilt, wo sie über Ausläufe direkt vor die einzelnen Scheiben der ersten Reihe fällt.“ Der Dünger werde von der Egge mit dem Boden gedreht und durch eine zweite Reihe Scheiben wieder zugedeckt. „Bei Vorführungen stehen die Leute regelmäßig direkt daneben und fragen, wo die Gülle denn jetzt hin ist“, so Marquardt. Eine minimale geruchliche Belastung gebe es zwar trotzdem durch das Fahrzeug und die Egge, beim Verladen der Gülle rieche es ebenfalls. „Aber es ist so, wie mit einem Raucher, wenn er dafür vor die Tür geht. Das riecht längst nicht so, als wenn er drinnen rauchen würde.“

Die Technik birgt auch wichtige umweltschonende und ökonomische Vorteile. So ist der Anteil an wertvollem Stickstoff, der während der Ausbringung gasförmig als Luftschadstoff Ammoniak entweicht, wesentlich geringer gegenüber den hohen Emissionsverlusten beim Ausbringen mit einem Breitverteiler. „Das Direkteinarbeitungsverfahren ist hochgradig interessant“, bestätigt Sönke Schmidt, Referent für Pflanzenbau beim Landesbauernverband. Auch der Schutz der Gewässer sei hier gewährleistet, da die Gülle nicht ausgeschwemmt werden könne. Besonders in Bezug auf die Novellierung der Düngeverordnung im Jahr 2020, in der aus Umweltschutzgründen nur noch bodennahe Ausbringtechnik vorgesehen sein werde, sei die Direkteinarbeitung „eine der nachhaltigsten Möglichkeiten auf nicht bewachsenen Ackerflächen“.

Bei der Zugmaschine setzt Niko Marquardt zudem auf ein Spezialfahrzeug, das 20.000 Liter Gülle als Selbstfahrer transportieren kann. „Wenn ich an einen Trecker mit Güllewagen noch eine Scheibenegge dranhänge, dann ist der Schlepper schnell überfordert“, erklärt er. Alles in zwei Arbeitsgängen zu erledigen sei andererseits umständlich, der Boden gerade bei feuchter Witterung nach dem Düngen matschig und schwer zu bearbeiten. „Beim Selbstfahrer werden alle Räder angetrieben, die Kraft wird bei weniger Gewicht nicht für das Hinterherziehen gebraucht, dank größerer Bereifung und der Möglichkeit eines schräg versetzten Fahrens im sogenannten Hundegang ist der Bodendruck viel geringer und ganz gleichmäßig verteilt.“ Auch die Wendigkeit sei durch die kürzere Bauart wesentlich besser. „Der Selbstfahrer hat große Vorteile, was Effizienz und Effektivität angeht.“

Seit Februar hat Marquardt neben vier weiteren Güllehängern mit Schleppschlauchverteilern die neue Maschine im Einsatz. Für Grünland hält er quasi als Pendant zur Scheibenegge zusätzlich ein Schlitzgerät vor, welches die Grasnarbe mit Messern öffnet, um den Dünger direkt in den Boden zu injizieren. Die Technik hat ihren Preis: 400.000 Euro kostet die Anschaffung eines Selbstfahrers mit dem System, nur 70.000 Euro ein herkömmlicher Güllewagen mit Prallteller. Der Einsatz ist rund 30 Prozent teurer, doch die Mehrkosten fange man durch die bessere Nutzung der Inhaltsstoffe und eine bessere Stundenleistung auf, so Marquardt.

Einzelne Bauern könnten sich solche Maschinen eher nicht leisten, aber auch andere Lohnunternehmer in Schleswig-Holstein böten bereits das Direkteinarbeitungsverfahren an und promoteten es sehr stark, so Sönke Schmidt. „In Richtung der Hälfte marschiert das wohl schon.“

Das Prinzip der Einarbeitung in Verbindung mit dem Selbstfahrer sei aber noch nicht sehr verbreitet, betont Niko Marquardt. „Hier leisten wir Pionierarbeit.“ Resonanz von den Landwirten gebe es, das Interesse wachse. „Aber es ist nicht so, dass jetzt alle Hurra schreien, es geht eher schleichend voran.“ Marquardt teilt das Schicksal vieler Neuerer.  

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erstellt am 28.Mär.2016 | 15:36 Uhr

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