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Kampagne des Bundesumweltministeriums : „Wie Integrationspolitik mit Ausländerwitzen“ - Bauernregeln sorgen für Wirbel

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ist es Humor - oder verunglimpft die Kampagne ganze Familien? Die Meinungen sind geteilt.

Kiel | Einst war er selbst Zielscheibe flapsiger Sprüche des Bauernverbands entlang der A 7 – doch nun nimmt Schleswig-Holsteins Umwelt- und Agrarminister Robert Habeck die Landwirte gegen eine Kampagne des Bundesumweltministeriums in Schutz. „Ich frage mich, ob so etwas nicht eher schadet als nützt. Das wird jedenfalls der Ernsthaftigkeit der Debatte nicht gerecht.“ So urteilt der Grünen-Politiker über die Aktion „Neue Bauernregeln“ aus dem Haus von SPD-Bundesumweltministerin Barbara Hendricks.

Sie möchte mit elf simplen, an traditionelle Bauernregeln erinnernden Sprüchen vor Massentierhaltung und Monokulturen warnen. Zum Beispiel heißt es: „Gibt’s nur Mais auf weiter Flur, fehlt vom Hamster jede Spur“ oder: „Haut Ackergift die Pflanzen um, bleiben auch die Vögel stumm.“ Hendricks will die Botschaften auf Plakaten in mehr als 70 Städten, auf Postkarten und über soziale Medien verbreiten.

Dies ist die Bauernregel Nummer 5.
Dies ist die Bauernregel Nummer 5. Foto: BMUB
 

„Das Ganze zeigt, dass die Bundesregierung keinen Kurs bei der Ausrichtung der Agrarpolitik hat“, kritisiert der eigentlich auf eine ökologiefreundliche Landwirtschaft bedachte Habeck. „Je hilfloser die Regierung, desto plakativer die Kampagne und desto lauter der Streit darum“, schlussfolgert er – um zu betonen: „Dass wir eine andere Agrarpolitik brauchen, liegt auf der Hand. Dafür muss die EU-Förderung reformiert werden, damit es Alternativen zum Wachse oder Weiche gibt. Das schafft man aber nicht durch Sprüche, sondern durch Taten.“

Der Generalsekretär des Bauernverbands Schleswig-Holstein, Stephan Gersteuer, fordert von Hendricks einen Stopp der Kampagne und eine Entschuldigung. „Das trifft die Bauern ins Mark“, empört er sich. „Es ist ja nicht so, dass wir über Probleme nicht reden – aber hier wird der Missstand zur Regel erklärt und ganze Familien verunglimpft.“ Gersteuer vergleicht: „Das ist so, als wollte man mit Ausländerwitzen Integrationspolitik betreiben.“ Zum eigenen Protest gegen Habeck entlang der Autobahn 2014 sieht der Generalsekretär eine klare Trennlinie: „Das war ein anderer Ton. Wir haben ja sogar noch freundlich gegrüßt“, erinnert Gersteuer daran, dass die Aufschriften mit „Guten Morgen, Robert“ oder „Tschüß, Robert“ begannen. Außerdem müssten Politiker mit Kritik leben.

<p>Dies ist die vierte Bauernregel.</p>

Dies ist die vierte Bauernregel.

Foto: BMUB
 

Bei den Naturschützern vom Nabu Schleswig-Holstein hingegen kann man sich „ein Schmunzeln“ über die neuen Bauernregeln „nicht verkneifen“, heißt es in einer Mitteilung des Landesvorsitzenden Hermann Schulz. Es würden bloß „bekannte Fakten und Probleme humoristisch auf den Punkt gebracht.“

Elf Bauernregeln gibt es insgesamt - die weiteren sehen Sie hier:

Foto: BMUB
Foto: BMUB
Foto: BMUB
Foto: BMUB
Foto: BMUB
Foto: BMUB
Foto: BMUB
Foto: BMUB
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erstellt am 07.Feb.2017 | 09:52 Uhr

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