FIFA WM 2014 in Brasilien : Wie guckst du? Elf Fan-Typen zur WM

Beim Fußball sind wir alle gleich? Von wegen. WM-Fans sind so bunt und verschieden wie die Trikots der Nationalmannschaften. Welcher Typ sind Sie?

shz.de von
13. Juni 2014, 09:22 Uhr

Fachsimpler oder Fußball-Laie? Fanatiker oder Komplettverweigerin? Seit Donnerstag begegnen sich wieder fünf Wochen lang die unterschiedlichen Fan-Typen vor kleinen Bildschirmen und großen Leinwänden. Eins haben trotzdem alle gemein: An der Weltmeisterschaft kommt keiner vorbei. Eine Typologie der WM-Fans.

1. Der Klugscheißer

Der „Klugscheißer“ weiß alles – und vor allem weiß er alles besser.
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Der „Klugscheißer“ weiß alles – und vor allem weiß er alles besser.

Er weiß alles – und vor allem weiß er alles besser. Schon bei der Mannschaftsaufstellung schwadroniert er über falsche Neuner und Flügelzangen im Sturm. Seinen Sohn nennt er manchmal aus Versehen „Viererkette“. Die Torschützenkönige der letzten 28 Jahre aufzuzählen – kein Problem für den Klugscheißer. Aber ernsthaft: Das will doch keiner hören.

2. Die Ahnungslose

Die „Ahnungslose“ ist das komplette Gegenstück zum „Klugscheißer“.
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Die „Ahnungslose“ ist das komplette Gegenstück zum „Klugscheißer“.

Sie ist das komplette Gegenstück zum „Klugscheißer“ – und trotzdem genauso unbeliebt. „Was ist Abseits?“, „Rote Karte? Darf der jetzt nicht mehr mitspielen?“ und „Sind wir eigentlich die Weißen oder die Blauen?“: Ganz ungeniert glänzt „die Ahnungslose“ 90 Minuten lang mit purer Ahnungslosigkeit und laienhaften Fragen. Erbarmt sich tatsächlich jemand, mühsam das Allgemeinwissen dieses Typus aufzubessern – dann ist bis zum nächsten Spiel sowieso wieder alles vergessen.

3. Der Stubenhocker

Rudelgucken auf der Fanmeile? Das käme für ihn nie infrage.
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Rudelgucken auf der Fanmeile käme für den „Stubenhocker“ nie infrage.

Er mag keine Menschen, besonders nicht in großen Mengen. Rudelgucken auf der Fanmeile? Das käme für ihn nie infrage. Viel zu laut und das Bier gibt’s nur in Plastikbechern – ohne Schaum. Zu Hause hat er außerdem einen nigelnagelneuen Flachbildfernseher. Der kann sogar Full-HD. In der Nachbarwohnung guckt man derweil in die Röhre, denn der „Stubenhocker“ stört mit lautem Gegröhle und Fangesängen.

4. Die Partymaus

Für die „Partymaus“ ist, im Gegensatz zum „Stubenhocker“, ein Besuch der Fanmeile das Allergrößte.
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Für die „Partymaus“ ist, im Gegensatz zum „Stubenhocker“, ein Besuch der Fanmeile das Allergrößte.

Für sie ist, im Gegensatz zum „Stubenhocker“, ein Besuch der Fanmeile das Allergrößte. Sie hat mit Fußball zwar rein gar nichts am Hut – aber das ist beim Public Viewing ja zweitrangig. Quasi ein internationales Volksfest. Ohne Riesenrad, dafür aber mit sportlichem Begleitprogramm. Während des Spiels interessiert sie sich vor allem für die Haare von Cristiano Ronaldo, den blauen Pullover von Jogi Löw (der ist ja auch aus Kaschmir) und so ein Fanfest eignet sich schließlich prima zum Flirten.

5. Der Social-Media-Junkie

Der „Social-Media-Junkie: Das Smartphone ist alles, was er braucht.
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Der „Social-Media-Junkie: Das Smartphone ist alles, was er braucht.

Das Smartphone ist alles, was er braucht. Er schießt schwarz-rot-goldene Selfies im Sekundentakt. Über Whatsapp wird mit den besten Kumpels der Spielverlauf diskutiert – von dem er ja eigentlich gar nichts mitbekommt, weil er ständig nur auf sein Mobilgerät starrt. Würde sich die „Partymaus“ jetzt vor seinen Augen ausziehen, er würde es leider nicht sehen. Aber Hauptsache, er hat als Erster über das Tor getwittert.

6. Die Souvenirjägerin

Schal, Schminke, Stoffmaskottchen – die Souvenirjägerin behängt sich wie ein Weihnachtsbaum mit Fan-Artikeln.
Foto: Imago
Schal, Schminke, Stoffmaskottchen – die Souvenirjägerin behängt sich wie ein Weihnachtsbaum mit Fan-Artikeln.

Schal, Schminke, Stoffmaskottchen – die Souvenirjägerin behängt sich wie ein Weihnachtsbaum mit Fan-Artikeln. Hawaiikette, Schminkstift und Vuvuzela gehören ebenfalls zum festen Repertoire. Auch der Kinderwagen wird in Nationalfarben lackiert und am Balkon hängt stets die größte Fahne. Immerhin kurbelt die Souvenirjägerin fleißig die Wirtschaft an.

7. Der Korso-König

Der „Korso-König“ setzt zur WM auf diverse Fanartikel.
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Der „Korso-König“ setzt zur WM auf diverse Fanartikel.

Auch für ihn sind Fanartikel ein wichtiges Gut – allerdings nur am Auto. Vor jedem Spiel wird der Mittelklassewagen noch einmal per Hand poliert. Erst dann kann er stilecht mit aufgedrehter Schlagermusik und schwarz-rot-goldener Unterbodenbeleuchtung durch die Stadt düsen. Die Außenspiegel sind selbstverständlich auch mit farbigen Bezügen dekoriert. Der „Korso-König“ beherrscht außerdem eine besondere Form des Multitasking: Er kann gleichzeitig mit der linken Hand die Fahne aus dem Fenster halten und mit der rechten euphorisch hupen. Der betrunkene Beifahrer lenkt.

8. Die Komplettverweigerin

Die „Komplettverweigerin“ hat noch nie verstanden, wieso 22 Männer einem Ball hinterherrennen.
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Die „Komplettverweigerin“ hat noch nie verstanden, wieso 22 Männer einem Ball hinterherrennen.

Sie hat noch nie verstanden, wieso 22 Männer einem Ball hinterherrennen und die Welt gebannt dabei zuschaut. „Ist doch nur ein Spiel“, hört man sie ständig sagen. Sie wird demonstrativ etwas anderes unternehmen, wenn die Nationalelf spielt. Zudem versucht sie hier und da auch ihren Mitmenschen die WM madig zu machen. Es wäre ihr sogar egal, wenn Deutschland tatsächlich Weltmeister werden sollte. Aber dieser Schweinsteiger – der ist ja schon irgendwie niedlich.

9. Der Fanatiker

Für den „Fanatiker“ ist Fußball kein Schaltjahr-Event, sondern Lebensinhalt und Religion.
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Für den „Fanatiker“ ist Fußball kein Schaltjahr-Event, sondern Lebensinhalt und Religion.

Fußball ist kein Schaltjahr-Event, sondern Lebensinhalt und Religion. Die WM ist da nur eine willkommene Abwechslung bis zum Anstoß der nächsten Bundesliga-Saison. Er sucht beim Public Viewing vergeblich nach der Nord-/Süd-/Ost- oder Westkurve und fühlt sich in seiner Männerdomäne von der „Partymaus“ und Frauen im Allgemeinen bedroht.

10. Die Teilzeit-Guckerin

Die „Teilzeit-Guckerin“ findet Fußball eigentlich stinklangweilig und blüht aber zur WM so richtig auf.
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Die „Teilzeit-Guckerin“ findet Fußball eigentlich stinklangweilig und blüht aber zur WM so richtig auf.

Die „Teilzeit-Guckerin“ sieht das ganz anders: Fußball ist eigentlich stinklangweilig. 90 Minuten lang wie gebannt auf den Fernseher starren und das jedes Wochenende? Nein, danke. Aber wenn alle zwei Jahre ein Event wie die EM oder die WM stattfindet – dann wird sie zum Überfan mit unbändigem Nationalstolz. Dann wird auch kein Spiel ausgelassen. Endlich können die Fanartikel wieder aus dem Keller geholt und abgestaubt werden. „LU, LU, LU, LUUKAAS PODOLSKI", hört man sie brüllen, obwohl sie nach der EM oder WM schon wieder vergessen hat, wie der überhaupt aussieht. Macht ja nichts. In zwei Jahren ist der bestimmt auch noch da.

11. Der Heimlichtuer

Offiziell interessiert sich der „Heimlichtuer“ nicht für Fußball.
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Offiziell interessiert sich der „Heimlichtuer“ nicht für Fußball.

Offiziell interessiert sich der „Heimlichtuer“ nicht für Fußball. Es gibt schließlich wichtigere Dinge im Leben. Im Büro kann er aber erstaunlich gut mitreden und kennt sich aus. Und warum? Weil er heimlich im Keller guckt. Auch auf privaten Grillparties, bei denen nebenbei ein Spiel auf dem Fernseher läuft, ist der „Heimlichtuer“ des öfteren anzutreffen. Offiziell geht es ihm aber natürlich nur um das Rib Eye Steak. Das ist ja so lecker. Und Fußball doof. 

Mit dpa

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