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Urteil zur Hafenschließung : Wie Friedrichskoog weiter um seinen Hafen kämpfen will

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Oberverwaltungsgericht entschied: Die Schließung war rechtens. Doch die Friedrichskooger wollen nicht aufgeben.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2016 | 16:49 Uhr

Friedrichskoog | Der Wind weht hart am Hafenbecken von Friedrichskoog. Bürgermeister Roland Geiger zieht die Schultern hoch, es ist ungemütlich. Das liegt nicht nur am Wetter, sondern auch am Urteil des Oberverwaltungsgerichts, das entschieden hat, dass die Schließung des Hafens durch das Land rechtens war – und nicht mal eine Revision gegen das Urteil zugelassen hat.

„Das Gericht hat nach Paragrafen entschieden, nicht nach Interessen der Menschen“, sagt Geiger. Es ist Tag eins nach dem Urteil. „Das stand doch schon vor der Verhandlung fest, das war ein reiner Schauprozess wie es sie sonst nur zwischen 1933 und 1945 gegeben hat“, schimpft Geigers Stellvertreter Hartmut Marscheider. „Gestern war ich deprimiert, aber heute bin ich der festen Meinung: Wir erheben Einspruch gegen die Nichtzulassung.“

Neben ihm steht der Fischervereinsvorsitzende Dieter Voß, hinter ihm weht ein Transparent im Wind, auf dem steht, dass die Köger weiter für den Hafen kämpfen werden. Voß sagt: „Das lassen wir uns nicht gefallen.“

Die Chancen, dass der Hafen, dessen Zufahrt mittlerweile fast komplett versandet und dessen Sperrwerktore seit September geschlossen sind, wieder geöffnet wird, liegen selbst für Bürgermeister Geiger „im Promillebereich“. In seiner Brust schlagen zwei Herzen: Auf der einen Seite will er nicht klein beigeben, auf der anderen Seite dem Land so viel Geld wie möglich aus dem Kreuz leiern, um Friedrichskoog touristisch voranzubringen. „Das Land hat den Hafen geschlossen, dafür verlangen wir einen Ausgleich.“

Das zuständige Wirtschaftsministerium fühlt sich durch das Urteil bestätigt. Der Betrieb des Hafens habe bis zu einer Million Euro pro Jahr gekostet, demgegenüber stünden Einnahmen von nur 40.000 Euro. Das Land will ein Schöpfwerk bauen, durch die Klagen der Gemeinde und der Werft gegen die Schließung des Hafens, werde das aber verzögert, deswegen laufen Notpumpen zur Entwässerung des Binnenlandes, die bis zu 180.000 Euro pro Monat verschlingen, sagt Ministeriumssprecher Harald Haase. Am Sperrwerk selbst bestehe ein Instandsetzungsbedarf von rund 3,5 Millionen Euro. Das Land will den Hafen loswerden, die Flächen an die Gemeinde übertragen.

Die Friedrichsköger haben Angst, dass selbst ein stillgelegter Hafen sie noch viel Geld kostet. „Für den Unterhalt für das Sperrwerks ist der Deich- und Hauptsielverband verantwortlich – also auch wir“, sagt Bürgermeister Geiger. „Dazu sollen wir uns um den ganzen Hafen kümmern? Das können wir alles nicht bezahlen.“ Denn nach zwei guten Jahren seien die Gewerbesteuereinnahmen eingebrochen. „Dieses Jahr rutschen wir ins Minus“, sagt Geiger.

Dazu fürchtet er Einbrüche im Tourismus. Der Hafen sei ein Hauptanziehungspunkt gewesen, sagt Hartmut Marscheider. Jetzt fürchtet er, dass sie spätestens im Sommer wegen der Algenbildung zu einer „Kloake“ verkommt. Im Wirtschaftsministerium glaubt man nicht daran: „Geruchsbelästigungen infolge von Algenentwicklungen sind von anderen Marschgewässern, auch in touristisch intensiv genutzten Bereichen, nicht bekannt“, so Sprecher Haase.

Das Land wolle den beharrlichen Dithmarschern helfen. Der Ausbau der Seehundstation, die direkt am Hafen liegt, wurde mit 6,5 Millionen Euro gefördert. Und: „Unter dem Vorbehalt, dass die formalen Fördervoraussetzungen erfüllt werden, ist das Land bereit, die touristische Entwicklung finanziell zu unterstützen“, sagt Haase.

Das ist den Kögern zu wenig. „Wir sollen einen hohen Gemeindeanteil bezahlen – das können wir nicht“, klagt Geiger. Ideen zur Steigerung des Attraktivität gebe es genug – sogar ein touristisches Entwicklungskonzept gibt es seit zwei Jahren. Eine Fontäne im Hafenbecken könnte für zusätzliche Belüftung sorgen, eine Brücke darüber soll Touristen einen Rundgang ermöglichen und die Seehundstation auf der einen Seite des Hafenbeckens mit dem Indoor-Spielplatz „Wal“ auf der anderen Seite verbinden. Dazu könnte der Trischendamm im sechs Kilometer entfernten Seebad Friedrichskoog-Spitze zu einer Seebrücke ausgebaut werden, die Touristen das Bad in der Nordsee erleichtert. „Das alles kostet zwischen 15 und 20 Millionen Euro“, sagt Geiger. Die Zeit dränge, passiere nichts im Hafen, fürchtet er einen Einbruch der Touristenzahlen in dem 2500-Einwohner-Ort. Und damit sterbe wieder ein Stück Friedrichskoog.

Am 11. Mai fährt Geiger wieder nach Kiel, verhandelt mit den Ministerien – und erwartet ein konkretes schriftliches Angebot. Gibt es das nicht, werden wieder Gerichte bemüht. Oder die renitenten Dithmarscher machen das so wie der Fischervereinsvorsitzende Dieter Voß sagt: „Dann schütten wir das Hafenbecken eben zu und bauen da Parkplätze drauf.“

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