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Nach Krawallen beim G20-Gipfel : Wie ein Föhrer Tausende Hamburger zum Aufräumen brachte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Timon Feld initiierte mit seiner Freundin die Aktion „Hamburg räumt auf“. Dafür traf er sogar den Bundespräsidenten.

Timon Feld kann es immer noch nicht glauben: „Das, was da passiert ist, zeigt, dass Hamburg eine weltoffene Stadt ist.“ Damit meint der 24-Jährige, der auf Föhr aufwuchs, nicht die Krawalle um den G 20-Gipfel in der Hansestadt, sondern die Aktion, die er und seine Freundin Rebecca Lunderup ins Leben gerufen haben: Rund 10.000 Menschen folgten Sonntag ihrem Aufruf „Hamburg räumt auf“. Sie beseitigten die Schäden der Krawalle – und ganz nebenbei brachte das dem jungen Paar ein Treffen mit Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein (beide SPD). „Wir hätten nie gedacht, dass das so eine Resonanz haben könnte“, sagt Feld.

Saubere Sache:  Nach dem Aufruf von Leon Feld (19), Timon Feld (24), Hannah Lunderup (24), Yakup Cagala (27), Rebecca Lunderup (22) und Suleiman Sedeghi (24, v.l.) räumte Hamburg auf.
Saubere Sache: Nach dem Aufruf von Leon Feld (19), Timon Feld (24), Hannah Lunderup (24), Yakup Cagala (27), Rebecca Lunderup (22) und Suleiman Sedeghi (24, v.l.) räumte Hamburg auf. Foto: Sascha Stratman
 

Alles beginnt in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, als er und seine Freundin in ihrer Wohnung in Hamburg-Lokstedt im Fernsehen die Berichte über die Krawalle schauen. „Ich war erschrocken, traurig, fassungslos, als ich das gesehen habe, und dachte: Jetzt musst Du etwas tun“, sagt Rebecca später.

Und sie tut etwas, postet bei Facebook einen Aufruf, der die Hamburger zum Aufräumen bewegen soll. „Ich bin ehrlich, ich habe nicht daran gedacht, dass das so eine Resonanz haben wird“, sagt Feld. Doch der Einzelhandelskaufmann, der bis vor drei Jahren in Wrixum auf Föhr lebte, wo heute noch seine Eltern wohnen, unterstützt seine Freundin. Nach ein paar Stunden haben sich 30 Freunde gefunden, die mit Besen und Schaufeln die Straßen säubern wollen. „Und über die Nacht ist die Sache dann durch die Decke gegangen“, sagt Feld.

Den Organisatoren wird ein wenig mulmig. Sie hätten zwar nicht geglaubt, dass ihre Aktion instrumentalisiert werden könnte, aber sie wollen keinen Fehler machen und rufen bei Polizei und Behörden an. Keiner hat Bedenken, selbst als die Zahl der Unterstützer in die Tausende geht. „Am Ende sollen rund 10  000 Leute dabei gewesen sein, wir konnten die gar nicht mehr zählen. Es war der Wahnsinn“, sagt Feld.

Fast verpassen er und seine Freundin den Auftakt der Aufräumaktion. Denn die Politik hat längst erkannt, dass die Aktion ein anderes Bild von Hamburg und seinen jungen Leuten zeichnen kann, als es viele Menschen in diesen Tagen aus den Medien kennen. Das Organisationsteam wird zur Polizei eingeladen. „Rebecca hat telefoniert, wurde ganz rot und hat dann auf einen Zettel ‚Steinmeier, Scholz, Gesprächstermin?‘ geschrieben. Da haben wir nur noch gejubelt“, erzählt Feld. Bürgermeister und Bundespräsident bedanken sich für die bewusst unpolitisch gehaltene Aktion. „Danach musste wir rennen, damit wir rechtzeitig zum Start in der Schanze waren“, erzählt Feld. Seine Freundin gibt das Startzeichen, drei Stunden lang sammeln Menschen Müll, putzen Graffitis weg, setzen Pflastersteine wieder ein, fegen die Straßen. „Wir haben der Welt gezeigt, wie Hamburg wirklich ist“, sagt Timon Feld über die „Welle der Hilfsbereitschaft“.

Viele Menschen hätten ihr hinterher geschrieben, erzählt Rebecca Lungerup in einem Interview. „Sie konnten durch die Aktion mit dem G 20-Gipfel und mit den schrecklichen Bildern abschließen – und das war ja auch das Ziel.“

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