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Hamburger Traditionssegler : Wie die „Peking“ auf ihr Transportschiff kam

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Der Viermaster hat seine Reise über den Atlantik im Bauch der „Combi Dock III“ bestritten. Am Mittwoch wird er ausgedockt.

shz.de von
erstellt am 31.Jul.2017 | 12:43 Uhr

Brunsbüttel | Elf Tage über den Atlantik und duch den Ärmelkanal von New York nach Brunsbüttel: Das war die Reise von der „Peking“ - sicher verwahrt im Bauch der „Combi Dock III“. Der Viermaster ist von Rost zerfressen und damit seeuntauglich, so dass er seine letzte Reise nicht mehr allein bewältigen konnte.

Mit der Rückholaktion nimmt ein schon verloren geglaubter Kampf um ein Stück schwimmender Hamburger Hafengeschichte doch noch ein gutes Ende. Schon vor vier Jahren hatten Schifffahrtsfreunde aus der Hansestadt versucht, die historische Viermastbark von New York an die Elbe zurückzuholen.

Wer sich die Bilder von der Überfahrt ansieht, dem strahlt die schwarz-blaue Front des Schwergut-Dockschiffs entgegen. Oberhalb des Decks sind drei große, gelbe Kräne zu sehen und vier Segelmasten ragen aus dem Rumpf in den Himmel hinaus. Die „Peking“ ist offensichtlich im Ganzen in dem Schiff, aber wie ist sie da herein gekommen?

Der naheliegendste Gedanke ist, dass der Traditionssegler mit den Schwerlastkränen auf das Transportschiff gehoben wurde. Zwei von ihnen können immerhin bei je 18 Metern Höhe bis zu 700 Tonnen bewegen. Diese Theorie scheitert jedoch bereits daran, dass die „Peking“ mehr als doppelt so viel wiegt. 

Kräne und Masten ragen über das Deck hinaus.

Kräne und Masten ragen über das Deck hinaus.

Foto: Markus Scholz/dpa

Die „Combi Dock III“ hat mehr Möglichkeiten als die Kräne schwere sperrige Lasten an Bord zu nehmen. Sie ist eine Kombination aus Schwergutfrachter, Dock- und RoRo-Schiff (Roll-on-Roll-off).

Über eine Heckrampen können Frachtgüter an Bord gefahren werden, wie etwa Bauteile für Offshore-Windparks. Zudem kann sie ihren Rumpf auf bis zu elf Meter Wassertiefe absenken und damit schwimmende Lasten an Bord nehmen.

Maßarbeit auf dem Transportdeck des Cargo-Schiffs.

Maßarbeit auf dem Transportdeck des Cargo-Schiffs.

Foto: Markus Scholz/dpa

In New York wurde das Transportdeck des Combi-Schiffs daher zunächst untergetaucht. Dann haben Schlepper die Peking an Bord gezogen. Nach dem Auftauchen des Decks wurde der marode Segler mit Stützen gesichert.

Aber auch im Bauch des Schwergut-Dockschiffs war sie nicht frei von Erschütterungen. Bei der Fahrt über den Atlantik musste der Kapitän das Tempo reduzieren, um die Schiffsbewegungen zu reduzieren und die Belastung für die Viermastbark möglichst gering zu halten.

Die „Peking“ steht sicher verstaut im Bauch des Transportschiffs.

Die „Peking“ steht sicher verstaut im Bauch des Transporterschiffs.

Foto: Markus Scholz/dpa

Am Sonntag machte die „Combi Dock“ in Brunsbüttel fest, am Mittwoch soll sie ausgedockt werden. Das heißt, sie wird durch Absinken des Cargo-Decks wieder zu Wasser gelassen und dann von Schleppern die Elbe entlang zur Werft nach Wewelsfleth (Kreis Steinburg) gebracht.

In der Peters-Werft kommt die „Peking“ ins Trockendock. Experten sollen den von Rost zerfressenen Frachtsegler in den Zustand von 1927 versetzen - samt Holzdeck und den ursprünglichen Laderäumen, in denen Salpeter und Schüttgut gesegelt wurde.

Das Schwergut-Dockschiff ist dagegen mit modernster Technik ausgestattet. Es ist 170 Meter lang, 25 Meter breit. Der Koloss bringt es auf eine maximale Geschwindigkeit von 16 Knoten. Der Tiefgang beträgt bis zu 6,6 Meter. Das in der Bremer Lloyd Werft gebaute Combi-Schiff fährt unter der Flagge der karibischen Inseln Antigua.

Nachdem das Dockschiff „Combi Dock III“ im Mai 2017 zuletzt noch zwei Yachten von Taiwan nach Venezuela und Florida transportiert hatte, nahm sie den über hundert Jahre alten Großsegler Peking an Bord.

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