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Austausch alter Heizungspumpen : Wie der Klimawandel frauenfeindlich wurde

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"Schmeißen Sie Ihre Alte raus", lautet ein Slogan, der für den Austausch alter Heizungspumpen wirbt. In Schleswig-Holstein können nicht alle darüber lachen.

shz.de von
erstellt am 30.Aug.2013 | 11:05 Uhr

Kiel | Gut gemeint ist nicht immer auch gut gemacht. Das Energieeffizienz-Zentrum Schleswig-Holstein - immerhin eine Organisation, die mit viel Staatsgeld arbeitet - hat zusammen mit dem Landesfachverband Sanitär und Heizung eine Aktion zum Austausch alter Heizungspumpen gestartet. "Schmeißen Sie Ihre Alte raus und gewinnen sie 100 Euro", lautet der  offenbar witzig gemeinte, aber doch frauenfeindliche Spruch auf dem Prospekt, das jetzt zwischen Nord- und Ostsee verteilt wird.

"Wir  brauchen solche Sätze, um Aufmerksamkeit  zu erlangen", rechtfertigte Landesinnungsmeister Eckehard Dencker die Aussage. Schließlich gehe es um einen guten Zweck, nämlich den Austausch alter Stromfresser gegen neue sparsame Pumpen.  

Selbst die Staatssekretärin im Grünen Umweltministerium, Ingrid Nestle, kann als Schirmherrin der Aktion nichts Anstößiges an dem Satz entdecken. Sie finde es jedoch prima, dass die Bemühungen der letzten Jahre für eine  gender-gemäße Sprache "endlich Früchte getragen haben". Früher, so ihre Vermutung, wäre Medienvertretern solch ein Spruch sicherlich nicht aufgefallen. Auch sie ist der Meinung, der Zweck heiligt die Mittel: Um Aufmerksamkeit für die Aktion zu bekommen, "kann man das machen".

Selbst an dem Wortspiel, dass Energiesparen "Sheff-Sache" sei - in Anspielung auf die Abkürzung "sh Eff-Z" für Schleswig-Holsteinisches Energieeffizienz-Zentrum - findet sie nichts Anstößiges.

Das sieht die Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlit aus Bad Oldesloe, lange Zeit Sprecherin der Interessenvertretung der Frauen, ganz anders. "Eigentlich sollten solche Sprüche nicht mehr durchrutschen", sagte sie. Es gebe zwar noch Bereiche, wo "sowas als Männerhumor durchgeht". Nötig sei jedoch erhöhte Sensibilität, die sie "besonders von Personen in gehobenen Positionen erwartet".  

Gurlits Husumer Kollegin Britta Rudolph reagiert sogar noch schärfer. Sie finde es "nakzeptabel, dass hier Sexismus auf Kosten der Frauen hingenommen  wird,  nur um einen Werbeeffekt zu erzielen". Da das Worte "Alte" groß geschrieben wurde, ist für Sprachexperten die Sache klar. Es soll eine Assoziation auf das umgangssprachlichen Synonym für Ehefrau hergestellt werden.

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