Insektenaufkommen : Wespen in Schleswig-Holstein früher als sonst unterwegs

Auch Wespen haben es bei dem trockenen Wetter nicht leicht. Laut dem Nabu-Experten Carsten Pusch sind die Insekten in diesem Jahr auch kleiner als sonst.

Auch Wespen haben es bei dem trockenen Wetter nicht leicht. Laut dem Nabu-Experten Carsten Pusch sind die Insekten in diesem Jahr auch kleiner als sonst.

Die Voraussetzungen für die Wespenbrut waren im Frühjahr gut. Ob ihre Zahl generell steigt, wird sich zeigen müssen.

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19. Juli 2018, 16:58 Uhr

Hamburg | Die guten Wetterbedingungen in Norddeutschland haben für einen Anstieg der Wespenpopulation im Juli gesorgt. „Wir erleben jetzt erst den Anfang, ab August geht es richtig los“, das sagte der Wespenexperte bei der Hamburger Umweltbehörde, Michael Neumann, am Mittwoch. Aufgrund eines konstant trockenen Frühlings habe häufig fast die gesamte Brut in den Eiern überlebt.

Carsten Pusch, Insektenkundler beim Naturschutzbund Schleswig-Holstein, bestätigt: Dieses Jahr fliegen die Wespen ungewöhnlich früh. Die Wespensaison 2018 sei „auffällig früh gestartet, da das super Wetter der Wespenpopulation hierzulande zugute kam“.

Auch seien die Wespen, wozu auch Hornissen gehören, penetranter als sonst unterwegs. Ob es tatsächlich mehr geworden sind, kann der Insektenforscher nicht genau sagen. Er geht aber von einer Vergrößerung der Bestände in SH aus, da es keine langen Regenphasen gab. „Deshalb sieht man nun vermehrt Wespen an Wasserstellen ihre Reserven auftanken. Auch haben wir auffällig viele kleine Wespen beobachtet, was eigentlich ein Indiz dafür ist, dass es ihnen nicht so gut geht.“

Natürliche Schwankungen bei Populationen

Außerdem betont er: „Von einer Wespenplage sind wir noch weit entfernt“. Denn Schwankungen in Populationsgröße und Verbreitung seien in der Natur sowieso normal. Langfristig müsse sich erst herausstellen, ob man von einem erhöhten Aufkommen der Insekten sprechen kann.

Normalerweise bemerke man die Wespen erst im August, „wenn ihre Staaten sich bereits auflösen und die Population ihr Maximum erreicht hat“, so Pusch. 99 Prozent eines Wespenvolks stirbt dann mitsamt der Königin im Herbst, nur ein paar befruchtete Weibchen bleiben laut dem Nabu-Experten am Leben und gründen im April ein neues Volk.

Sächsische Wespe in SH am häufigsten – und harmlosesten

Die asiatische Hornisse, die bereits in Frankreich, auf Mallorca und in einigen Teilen Deutschlands gesichtet worden ist, hat es bis Schleswig-Holstein aber noch nicht geschafft, erläutert Nabu-Experte Carsten Pusch.

Hierzulande ist es eher die sächsische Wespe, die mit ihren freihängenden Nestern am häufigsten entdeckt wird und die laut Pusch am harmlosesten ist. Die mittlere Wespe baut bevorzugt ihre Nester in Hecken, die gemeine und deutsche Wespe in Verschlägen. Wobei es die gemeine und die deutsche Wespe seien, die besonders stechlustig sind.

Weiterlesen: Was tun bei Insektennestern am Haus?

Vom eigenmächtigen Entfernen eines Nestes in Häusern rät Neumann aus Naturschutzgründen ab: „Es darf nur vernichtet werden, wenn es nicht umsiedelbar ist, aber eine Gefahr für den Menschen darstellt.“ In solchen Fällen seien die Umweltorganisationen BUND und Nabu sowie die Umweltbehörde Ansprechpartner. Befinde sich ein Nest jedoch etwa im Dachbereich, müsse es nicht zwangsläufig entfernt werden.

Zudem warnte Neumann vor einer Verteufelung der gelb-schwarzen Insekten: Ein starkes Volk vertilge unter anderem bis zu 750 Gramm Fliegen und Mücken pro Tag. So trügen die Tiere ihren Teil zur Bekämpfung von Stechmücken bei. 

mit dpa

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