Hundeflüsterer : Wenn Hundeschulen nicht mehr helfen

Auf den Hund gekommen: Hundetrainer Michael Tetzner hilft Menschen, die mit ihrem Tier nicht mehr weiterkommen. Foto: jahnke
Auf den Hund gekommen: Hundetrainer Michael Tetzner hilft Menschen, die mit ihrem Tier nicht mehr weiterkommen. Foto: jahnke

Er hat den Draht zum besten Freund des Menschen: Michael Tetzner macht Hunde lammfromm. Mental, wie er sagt - ohne große Show oder Hilfsmittel.

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22. Juli 2013, 11:30 Uhr

Burg | Die Bezeichnung Hundeflüsterer hört Michael Tetzner gar nicht gern. Das hat für ihn etwas Anrüchiges. Viel Show, wenig Inhalt - und fast immer brauchen die Akteure Hilfsmittel. "Es gibt nicht viele, die ohne auskommen", sagt Tetzner.
Hundeflüsterer. Irgendwie passt das trotzdem auf den Mann aus Burg in Dithmarschen. Wer Tetzner mit Hunden arbeiten sieht, spürt die Verbindung zwischen ihm und dem Tier. Wenige Gesten, einfache Worte, keine Hilfsmittel. "Manchmal bekomme ich selbst eine Gänsehaut, wenn ich merke, dass der Kontakt zum Hund da ist", sagt der 47-Jährige. Und dann beginnt die Arbeit.

Hilfe bei aggressiven Hunden

Manche Herrchen und Frauchen haben Probleme mit dem Gehorsam ihres Tieres, andere mit der körperlichen Verfassung, wieder andere beklagen sich über Ernährungsprobleme. Michael Tetzner weiß - meistens - Rat. Und er hilft gern. "Über die Arbeit mit den Hunden bin ich dazu gekommen, mich intensiv mit ihnen zu beschäftigen." Und auch bei seinem Sport braucht er keine Hilfsmittel. Tetzner ist Weltmeister im Mushing, dem Schlittenhunderennsport. In der Königsklasse, dem Gespann mit acht Hunden, reichen knappe Befehle. Seit mehr als 20 Jahren ist der Sportler bei zahlreichen Wettbewerben auf der ganzen Welt unterwegs. Intensiv lebt und arbeitet er mit seinen Tieren. Im vergangenen Jahr hat Tetzner die Europameisterschaft in seinem Heimatort ausgerichtet.
Hunde, die vorher aggressiv an der Leine gezogen haben, bringt Tetzner zur Ruhe. Dabei reichen oft 30 Minuten. "Ich gehe mit dem Halter und seinem Hund am Kanal spazieren und wirke mental auf den Hund ein", beschreibt der Burger seine Methode. "Zu mir kommen auch Leute mit ihren Tieren, bei denen die Hundeschulen nicht mehr weiter wissen."

Fische im Futter

Auf seine jahrelangen Erfahrungen aufbauend hat der Hundeexperte seine eigene Futterlinie "Icepaw" entworfen. Hauptbestandteil ist Fisch. "Denn das bekommen die ursprünglichen Schlittenhunde in Alaska auch. Und die strotzen vor Gesundheit." Außerdem weiß er genau, was drin steckt, das sei bei den herkömmlichen Mischungen oft nicht genau beschrieben - "selbst bei den teuren nicht".
Im Alaska-Store in seiner Heimatgemeinde bietet er die Futterlinien für verschiedene Problembereiche an. Für Hunde mit empfindlicher Verdauung oder Allergien, über Aufbaufutter und für den Alltag - sogar Katzenfutter gibt es inzwischen. Zu Beginn empfiehlt Tetzner oft, das Tier mit einer besonderen Mischung zu entschlacken, sozusagen auf Null zu setzen. Aber "Icepaw" ist nur ein Pfeiler seines Geschäfts, in dem er sämtliches Zubehör für den Schlittenhunderennsport anbietet, vom Geschirr bis zum Wagen.
"Viel wichtiger ist mir aber, dass die Hundebesitzer wissen, dass hier wirklich jeder gern gesehen ist. Es geht nicht nur um Sporthunde", sagt Michael Tetzner. Immer häufiger, so der Hundefachmann, würden Patienten auch von Tierärzten zu ihm geschickt, gerade wenn es um Allergien und Ernährung gehe. Und oft kann er mit seinem besonderen Gespür für die Vierbeiner helfen - irgendwie ist Michael Tetzner eben doch eine Art Hundeflüsterer.

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