Hortensien-Klau : Wenn die Blumendiebe auf vier Pfoten kommen

Glatte Schnitte, die aber nicht von einer Schere herrühren müssen. Foto: Norden
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Glatte Schnitte, die aber nicht von einer Schere herrühren müssen. Foto: Norden

Das Thema ist ein Dauerbrenner: Hortensien-Klau. Die wildesten Theorien über die vermeintlichen Diebe sind im Umlauf. Die Wahrheit ist eher unspektakulär.

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23. Januar 2012, 09:52 Uhr

Rendsburg / Eutin | Alle Jahre wieder tauchen sie plötzlich auf: die angeblichen Hortensiendiebe. Die Täter machen sich über die Triebe her; die Gartenbesitzer melden sich zuhauf bei Polizei und Presse. Polizeisprecher Sönke Hinrichs weiß schon, was jetzt passiert: "Nach jeder Veröffentlichung melden sich neue Geschädigte." Dann schießen die wildesten Theorien ins Kraut: Jugendliche würden das Grünzeug als Droge nutzen, Gärtnereien Banden losschicken, um günstig an Nachschub zu kommen.
Kürzlich waren die Trieb-Täter verstärkt in Ostholstein und im Raum Rendsburg unterwegs. Oder haben die Gärtner nur genauer als üblich hingeschaut? Eine Büdelsdorferin bemerkte jedenfalls fehlende Triebe. Sie seien "mitten herausgeschnitten" worden. "Das waren so exakte Schnitte, das kann nur jemand mit der Schere gewesen sein", ist sie sich sicher.
"Rehverbiss sieht aus wie sauber abgeschnitten."
Jürgen Scheel aus Mühbrook, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Rendsburg-Ost, winkt ab. "Rehverbiss sieht aus wie sauber abgeschnitten." Die Tiere benötigen abwechslungsreiche Nahrung und haben immer weniger Scheu, sich in der Nähe menschlicher Behausungen zu verköstigen. "Ein Reh kann beispielsweise 100 bis 150 Rosenknospen in einer Nacht vernaschen." Auch frische Johannis-, Josta- oder Brombeertriebe seien für die Tiere eine willkommene Abwechslung. Wer genau hinschaut, wird einen angeschrägten "Schnitt" nach oben erkennen. "Genau so beißen Rehe ab."
Dass die Tiere die Triebe "haarscharf" abknipsen, bestätigt auch Gärtner Klaus Thöming. Die Klage einiger Hortensien-Besitzer, dass die Blumen nach dem räuberischen "Angriff" nicht richtig blühen, kann er teilweise bestätigen. Die Bauernhortensien mit der kugelrunden Blüte, wie sie überwiegend in den Hausgärten zu finden sind, "blühen am zweijährigen Holz". Die neuen dünnen Triebe produzieren nur Blattwerk. Anders sieht es bei den Garten- beziehungsweise Rispenhortensien aus. Hier ist volle Blüte auch nach dem Schnitt - egal ob menschlich oder tierisch - garantiert.
Aber eines hält Thöming kaum für möglich: Dass Banden die Triebe zur Vermehrung klauen. Zwar lassen sich Hortensien durch Stecklinge vermehren, allerdings müssen die Triebe dafür Laub tragen. Und das ist momentan noch nicht der Fall.

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