Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig/Grenzfriedensbund : Wenig Geld und viele gute Worte

Jahresversammlung von ADS/Grenzfriedensbund: Finanzielle Förderung der Landesregierung bereitet weiter Sorgen.

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05. Juni 2013, 07:14 Uhr

Flensburg | Lob gab es reichlich in der Jahresversammlung der Arbeitsgemeinschaft Deutsches Schleswig/Grenzfriedensbund. Auf die finanziellen Probleme des Sozialverbandes - obwohl benannt - ging jedoch niemand der Gäste in den Grußworten ein. Ein Beispiel dafür war Landes-Sozialministerin Kristin Alheit. Vorbildliche und qualitätvolle Arbeit werde von den Mitarbeitern in den Einrichtungen geleistet, wichtige, verbindende Impulse kämen aus der Grenzfriedensarbeit. Aber zu den Problemen, die der eingefrorene Landeszuschuss dem Verband bereitet - so, dass er Angebote einstellen könnte-, kam kein Wortvon der Ministerin.

Dass es auch anders geht, deuteten Vorsitzender Lothar Hay und Geschäftsführer Ernst-Peter Rodewald in ihren Berichten über Kindergartenarbeit an. In Harrislee entsteht mit starker Unterstützung der Gemeinde ein Krippenhaus für fünf Gruppen und auch der Neubau in Süderbrarup kann wegen der großen Unterstützung schnell verwirklicht werden. Weitere Gemeinden legen Wert darauf, dass die ADS bei ihnen Kinder betreut: Der Verband übernimmt die Trägerschaft des Inselkindergartens Föhr und wird dann auch auf der Insel präsent sein.

Insgesamt betreut die ADS in 30 Kindertagesstätten monatlich etwa 1800 Kinder, davon 192 Kinder in 21 Krippengruppen. Mittagessen gibt es für etwa 800 Kinder.

Rodewald: "Der Ausbau der Betreuung für Kinder unter drei Jahren bleibt ein ganz aktuelles Thema, weil die Quote der Betreuungsplätze schwer erfüllt werden wird." Ebenso gebe es Schwierigkeiten, alle Kinder in Regelgruppen unterzubringen. Für nachrückende Kinder aus den Krippen müssten Plätze freigehalten werden. Auf das Eingehen aktueller Themen der Kinderbetreuung durch die Vertreter des Landes warteten die ADS-Mitarbeiter und Mitglieder allerdings vergebens.

Gewaltprävention hat einen hohen Stellenwert in der Arbeit des Sozialverbandes. Einem Mitarbeiter wurde mit Hilfe rotarischer Spenden eine Ausbildung zum De-Eskalationstrainer ermöglicht. Schulen, aber auch anderen Einrichtungen soll die Möglichkeit eröffnet werden, Unterstützung und Hilfe von ausgebildeten Trainern zu erhalten. Mit richterlichen Weisungen wurden im vergangenen Jahr über 50 Jugendliche und junge Erwachsene dem Sozialen Training gemeldet. Die Zuweisungen erfolgten von den Amtsgerichten Flensburg, Niebüll, und Schleswig. In den Bereich Gesundheit reichen die Kuren für Mütter oder Väter mit Kindern. Deutlich über 200 Angebote wurden 2012 verzeichnet. Rodewald: Über das gesamte Jahr hinweg setzten sich die Streitigkeiten mit einigen Krankenkassen und Krankenkassenverbänden fort. Trotzdem habe die Arbeit im Haus Remmer bei Kassen und Patienten einen exzellenten Ruf. Zwischen den Einrichtungen gebe es einen harten Wettbewerb mit Reduzierungen der Tagessätze und besonderen Angeboten.

Schullandheimarbeit ist einer der Pfeiler der Sozialarbeit. Mit fast 110 000 konnte die Zahl der Belegungstage leicht gesteigert werden. Trotzdem waren die Heime defizitär. Der Geschäftsführer wies darauf hin, dass die Schullandheime im Wettbewerb mit den Jugendherbergen stehen. Viele andere Ferienfreizeit-Anbieter fänden nicht mehr ausreichend Teilnehmer und sagten Termine entweder ganz ab oder kämen mit wesentlich kleineren Gruppen als früher.

Im Haus der Familie arbeiten Familienbildungsstätte, Beratungszentrum und Kontaktstelle für den Selbsthilfebereich sowie Seniorenarbeit.

Seit der Fusion der ADS und des Grenzfriedensbundes gehört die Herausgabe der Grenzfriedenshefte zum Arbeitsspek trum des Verbandes. In ihnen werden historische und aktuelle Themen des Grenzlandes aufgegriffen.

Trotz des eingefrorenen Landeszuschusses, der mit Blick auf die steigenden Kosten wie eine fünfprozentige Kürzung wirkt, gelang es dem Verband, das Defizit weiter abzubauen. Vorsitzender Lothar Hay stellte nach dem Jahresbericht gegenüber den Mitarbeitern klar: "Dass wir einen so guten Ruf haben, liegt nicht am Vorstand, sondern an Ihnen, die hier jeden Tag so gut arbeiten."

Bernd Heinemann, 1. Landtags-Vizepräsident appellierte an die Mitarbeiter, ihre Kompetenz und Erfahrung in die Pflege des Grenzfriedens und des gegenseitigen Verständnisses einzubringen. "Der Landtag steht mit allen Fraktionen an Ihrer Seite." Stadtpräsident Erich Seifen (SSW) lobte: "ADS/Grenzfriedensbund leistet einen wichtigen Beitrag für das Grenzland."

Das Thema Finanzen sprach der Vorsitzende des Bundes deutscher Nordschleswiger, Hinrich Jürgensen, an. Es sei bedauerlich, dass die Landesregierung aus finanziellen Gründen den Schleswig-Holstein-Tag abgesagt habe.

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