Wirtschaftsstandort : Welche Firmen 2017 nach Schleswig-Holstein gezogen sind

Neues Entree: Das Pförtnerhaus wurde neu im alten Stil gebaut. Im alten Torhaus entstehen Familienzimmer mit jeweils vier Betten.
Ein Beispiel für die Ansiedlung im Bereich Tourismus ist das Gut Rothensande im Kreis Ostholstein, besser bekannt als „Immenhof“. Hier entsteht ein ganzjährig geöffnetes, hochwertiges Ferienresort. Mittelfristig sollen mindestens 50 Arbeitsplätze entstehen. Die Eröffnung ist für 2019 geplant.

Die Zahl der Unternehmen, die neu in SH sind, bleibt konstant. Aber die Firmen liefern mehr Arbeitsplätze.

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06. Februar 2018, 15:30 Uhr

Kiel | 1715 – so viele neue Arbeitsplätze bringen 153 Firmen mit sich, die sich im vergangenen Jahr in Schleswig-Holstein angesiedelt haben. Die Bilanz legten Wirtschaftsminister Bernd Buchholz und Dr. Bernd Bösche, Chef der Wirtschaftsförderung des Landes, am Dienstag vor.

Die Zahlen im Überblick:

  • 17 Firmen kommen aus dem Ausland.
  • Zwölf Prozent der Betriebe gehören zum produzierenden Gewerbe, 26 Prozent zum Handel und 63 Prozent stammen aus dem Dienstleistungssektor.

Die Zahl der Neuan­sied­lungen bleibt im Vergleich zu 2016 (154) nahezu identisch. Die Zahl der Arbeitsplätze ist allerdings um 25 Prozent gestiegen, 2016 waren 1374 neue Arbeitsplätze entstanden.

„Die Konjunktur ist robust und vor allem unser Mittelstand sorgt für Wachstum, sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze und Investitionen. Wir arbeiten derzeit daran, die Rahmenbedingungen für Ansiedlungen weiter zu verbessern – unter anderem durch einen beschleunigten Breitband-Ausbau und Investitionen in die Verkehrs-Infrastruktur“, sagte Buchholz.

„Mit durchschnittlich elf Arbeitsplätzen pro Unternehmen ist gegenüber dem Vorjahr eine leichte Steigerung zu verzeichnen, denn 2016 waren es noch neun Arbeitsplätze pro Betrieb“, erklärte Bösche. Die Bandbreite bei den Ansiedlungen reiche von der digitalen Wirtschaft über den Tourismus und die Ernährungswirtschaft bis hin zu erneuerbaren Energien sowie Logistik und maritimer Wirtschaft. 25 Betriebe wechselten ihren Standort von Hamburg nach Schleswig-Holstein.

Nach Ansicht des Wirtschaftsministers schöpft der Norden sein Potenzial bei Unternehmensansiedlungen aber längst nicht aus. Allein im Kreis Stormarn würden bis 2030 rund 60 Hektar neue Gewerbeflächen benötigt, bislang seien aber nur 22 Hektar dafür vorgesehen. Ähnlich sei die Situation in anderen Kreisen nördlich von Hamburg. „Besonders im Hamburger Rand haben wir einen Mangel an Gewerbeflächen“, sagte Bösche. „Es ist eng, aber nicht so, dass wir ausgebucht sind.“ Buchholz ergänzte: „Wir lehnen niemanden ab.“

Entspannung ist dagegen in die Konkurrenz mit dem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern bei Neuansiedlungen eingekehrt. „Das Förderrennen scheint nun beendet zu sein“, sagte Buchholz. „Es gibt kein Fördergefälle mehr.“ Ähnlich beurteilte Bösche die Lage: „Die Situation ist entspannt.“

Für Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, ist die Situation für die Beschäftigten in einigen Bereichen noch ausbaufähig:Niedriglöhne, Minijobs, Befristungen, Werkverträge auf Werften und Schlachthöfen schwächen den Standort. Fachkräfte kommen und bleiben nur, wenn Bezahlung und Arbeitsbedingungen stimmen. Deshalb sollte Herr Minister Buchholz auch darüber in der Bilanz seiner Wirtschaftsförderung Rechenschaft ablegen. Für die Beschäftigten, aber auch die Steuerzahler ist es durchaus interessant, ob die geförderten Unternehmen armutsfeste Löhne zahlen, qualifizierte Ausbildungsplätze bieten und tariflich gebunden sind.“

Die einzelnen Branchen im Überblick:

Digitale Wirtschaft

Im Bereich der digitalen Wirtschaft steht ein Arbeitsplatz-Plus von 37 Prozent. 28 Unternehmen mit 134 Arbeitsplätzen siedelten sich an. „Die digitalen Unternehmen sind Innovationstreiber, Impulsgeber und zugleich Multiplikatoren bei der Digitalisierung anderer Wirtschaftsbranchen, und insofern bestimmen sie die Entwicklung des gesamten Standortes mit“, sagte Buchholz.

Allein 13 Digital-Firmen ließen sich in Kiel nieder, erklärte Werner Kässens, Geschäftsführer der Kieler Wirtschaftsförderung. „Eine große Rolle bei der Standortwahl spielen die Faktoren Fachkräfte und Innovationskraft“, sagt Kässens, „und genau hier liegen die Stärken des Wirtschaftsstandortes Kiels“.

Logistik

Von 15 auf 265 ist die Zahl der neuen Arbeitsplätze in der Logistik gestiegen. In 2016 siedelten sich in dieser Branche nur drei neue Betriebe an, im vergangenen Jahr waren es fünf.

Tourismus

Gestiegene Übernachtungszahlen haben Schleswig-Holsteins Touristikern ein erfolgreiches Jahr 2017 beschert. Das schlägt sich auch in der Ansiedlungsbilanz nieder. 16 neue Unternehmen – vor allem Hotels mit hochwertigen Angeboten – schafften 234 Arbeitsplätze.

Erneuerbare Energien

Genauso viele Unternehmen wie in 2016 haben sich auch im vergangenen Jahr aus dem Bereich erneuerbare Energien in SH angesiedelt: es waren acht.

Ausländische Firmen

Insgesamt 17 neue Firmen kommen aus dem Ausland. Dazu gehören sechs Unternehmen aus China, drei aus Dänemark, jeweils zwei aus Schweden und Japan und eines aus Finnland. Buchholz freute sich über die Anzahl skandinavischer Unternehmen: „Diese Entwicklung werden wir aufnehmen und gemeinsam mit Hamburg die deutsch-skandinavischen Wirtschaftsbeziehungen ausbauen. “

Mit Material der dpa

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