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Welche bürokratischen Hürden Unternehmer täglich überspringen

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erstellt am 03.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Flensburg | Jährliche Überprüfung der Feuerlöscher, Kostenstrukturerhebung, die Meldung der vierteljährlichen Produktionsstatistik oder die Gefährdungsanalyse für die Berufsgenossenschaft - bevor Unternehmerin Birthe Reimer zum Geldverdienen kommt, muss sie jeden Morgen über etliche bürokratische Hürden springen. Davor tue sie aber noch etwas Anderes, berichtete die Chefin von Niro Petersen, Hersteller hochwertiger Bootsbeschläge am Flensburger Hafen, beim Tag für Mittelstand und Arbeit des Arbeitgeberverbandes: "Zwischen sieben und acht Uhr höre ich mir Fragen der Mitarbeiter an. Ich kenne deren Probleme mit den Kindern oder mit dem Hund", erklärte Reimer gestern im Innenhof der Flensburger Brauerei. Der nördlichste regionale Unternehmensverband, der Arbeitgeberverband Flensburg - Schleswig - Eckernförde ist der einzige deutsche, der sich eine eigene Kundgebung leistet - zum fünften Mal, immer einen Tag nach der Kundgebung der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit. Mittelständische Unternehmen aus der Region wie ihres investierten ihre Gewinne wieder in ihr Unternehmen: "Wir sind der geerdete Mittelstand, der keine große Lobby genießt", sagte Reimer.

Verbandsgeschäftsführer Fabian Geyer, Erfinder der Arbeitgeber-Kundgebung, regte an, Abgeordnete und Staatssekretäre sollten doch jenseits halbstündiger AlibiVeranstaltungen einmal monatlich ein mittelständisches Unternehmen ihres Wahlkreises besuchen und sich sachlich, ergebnisoffen und kritisch austauschen. "Erfahrungsaustausch ist nicht durch schwachsinnige Talkrunden ersetzbar", sagte Geyer. Er verwies zum Beispiel auf den Besuch von Bundesarbeitsministerin von der Leyen in einem Schleswiger Unternehmen, wo sie ihr Herz für den Mittelstand versichert, danach aber jenes Arbeitnehmerüberlassungsgesetz auf den Weg gebracht habe, das Mittelständlern so viele Probleme bereite. Auch eine gesetzliche Frauenquote in Aufsichtsräten sei nicht gewollt, sagte Geyer - und wenn, könne man ja auch eine Männerquote in Kindertagesstätten ausprobieren.

Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) erklärte, die Politik sei am Mittelstand meist nicht nah genug dran, die großen Verbände und Lobbyisten in Berlin betrieben vor allem das Geschäft der Konzerne. Dagegen seien 99 Prozent der 120 000 Unternehmen in Schleswig-Holstein Mittelständler. Und deren wichtigstes Thema sei der Fachkräftemangel. "Wenn wir nichts tun, werden wir schon 2020 mindestens 50 000 Erwerbstätige weniger haben, 2030 schon 180 000." Deshalb brauche man gute Arbeitsbedingungen , statt Frauenquoten lieber gleiche Löhne sowie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

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