Wahl am Samstag : Weißer Ring in SH: Manuela Söller-Winkler ist neue Landesvorsitzende

Manuela Söller-Winkler.
Die frühere Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler.

Die Opferhilfeorganisation war nach Belästigungsvorwürfen gegen den früheren Leiter in schweres Fahrwasser geraten.

shz.de von
11. August 2018, 09:55 Uhr

Rendsburg | Die frühere Innenstaatssekretärin Manuela Söller-Winkler ist neue Landesvorsitzende der Opferhilfsorganisation Weißer Ring in Schleswig-Holstein. Sie wurde am Sonnabend in Rendsburg auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur Nachfolgerin von Uwe Döring gewählt, der im Zuge der Affäre um Belästigungsvorwürfe gegen den früheren Leiter der Lübecker Außenstelle im März zurückgetreten war. Die 57-Jährige erhielt 96 von 99 Stimmen, wie ein Sprecher sagte. Zum Stellvertreter bestimmten die Mitglieder mit ebenfalls großer Mehrheit den Vorsitzenden der Außenstelle im Kreis Steinburg, Harald Rothe (64).

Die Staatsanwaltschaft Lübeck führt in der Sache noch sechs Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts von „Grenzüberschreitungen mit sexuellem Hintergrund“. 14 Verfahren wurden mangels hinreichendem Tatverdacht eingestellt.

Sie sei unter besonderen Umständen in einer schwierigen Zeit gewählt worden, sagte Söller-Winker. Der Weiße Ring habe bereits erhebliche Anstrengungen unternommen, um zu verhindern, dass sich derartige Vorkommnisse wiederholen. Diese Anstrengungen müssten fortgesetzt werden. Ihr gehe es dabei auch darum, verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, sagte Söller-Winkler. „Wobei offenbar der Vertrauensverlust nicht in dem Maße eingetreten ist, wie man es hätte befürchten müssen. Das ist zuallererst dem ungebrochenen Engagement der vielen in so guter Weise ehrenamtlich Aktiven zu verdanken.“ Dies zeige sich zum Beispiel daran, dass die Spendenbereitschaft nicht nachgelassen habe. Auch bei den Mitgliederzahlen gab es keinen Einbruch.

Mehrere Frauen, die Opfer von Verbrechen waren, hatten beim Weißen Ring in Lübeck Rat oder Hilfe gesucht und wurden ihren Aussagen zufolge vom damaligen Außenstellenleiter sexuell belästigt. Ende letzten Jahres wurde er abgelöst. Kritik kam auch am Umgang des Landesvorstandes mit den Vorkommnissen auf. Nach dem Rücktritt von Ex-Justizminister Döring (SPD) und seines Stellvertreters von der Landesspitze des Weißen Rings übernahm kommissarisch der stellvertretende Bundesvorsitzende Jörg-Ziercke, Ex-BKA-Chef und früherer Leiter der Polizeiabteilung im Kieler Innenministerium. „Die sofortige Ablösung des Außenstellerleiters hätte im Sommer 2017 und nicht erst Ende des Jahres erfolgen müssen“, sagte Ziercke vor einigen Wochen bei der Vorstellung der Jahresbilanz der Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer.

Aus Zierckes Sicht hatte die Affäre um den früheren Außenstellenleiter in Lübeck die Opferschutzorganisation in die schwierigste Situation seit ihrer Gründung vor 40 Jahren gebracht. Auch der Bundesvorstand reagierte. So wurde die Satzung geändert, es gibt jetzt ein Weisungsrecht gegenüber den Landesverbänden. Außerdem wurde für die Beratung weiblicher Opfer das Sechs-Augen-Prinzip eingeführt.

Die Zahl der vom Weißen Ring betreuten Opferfälle im Norden ging 2017 um zehn Prozent oder 181 Fälle auf 1518 zurück. Das ging einher mit dem Rückgang der Kriminalität. Die Organisation unterstützte Opfer mit insgesamt 233.000 Euro – etwa für eine anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung.

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