Dauerregen und Hochwasser : Wassermassen sorgen weiter für Probleme in SH

Überflutete Straßen, steigende Pegelstände und eingeschränkter Schiffsverkehr beschäftigen die Schleswig-Holsteiner.

shz.de von
05. Januar 2018, 17:10 Uhr

Schleswig-Holstein | Sturmtief „Burglind“ und der Dauerregen der vergangenen Tage halten die Menschen in Schleswig-Holstein weiter auf Trab. Das Hochwasser bereitet dem Schiffsverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal Probleme. Einige Schleusen wurden wieder geöffnet. Landesweit sind Straßen, Äcker und Wiesen überflutet. Die Pegelstände einiger Flüsse steigen weiter. Die Lage im besonders betroffenen Kreis Herzogtum Lauenburg hat sich ein wenig entspannt. Eine Sturmflutwarnung für Schleswig-Holstein gibt es nicht. Die Meteorologen versprechen trockenes Wetter zum Wochenende.

Das Wasser steigt – weitere Straßen überflutet

Die Regenwassermassen drücken weiter nach. Die Bramau bei Wrist und die Stör bei Kellinghusen sind über die Ufer getreten und haben Straßenabschnitte überschwemmt. Bei Stellau ist die Bamau über den Deich getreten und Wassermassen überfluten die Wiesen. In Kellinghusen sind weite Teile der Birkenallee überschwemmt. Das Wasser steht kniehoch auf der Straße. Anwohner haben Sandsäcke und Flutschutzwände vor ihren Grundstücken installiert.

 

Amt Schwarzenbek-Land: Lage hat sich ein wenig entspannt

Im Kreis Herzogtum Lauenburg gab es seit Mittwochabend wegen des Sturmtiefs „Burglind“ besonders viele Einsätze wegen Überschwemmungsgefahr. „Die Wetterlage spielt mit, die Lage stabilisiert sich“, sagte der stellvertretende Kreiswehrführer Torsten Möller.

Das beschauliche Flüsschen Bille hatte sich mit dem historischen Pegelstand von 2,20 Meter zu einem reißenden Gewässer entwickelt und bedrohte unter anderem die „Grander Mühle“ in Kuddewörde, die als älteste Kornwassermühle Norddeutschlands gilt. Dort sei die Lage mittlerweile stabil, ebenso in Brunstorf, wo das Klärbecken überzulaufen drohte, sagte Möller. „Wir gehen aber davon aus, dass wir wohl noch bis Sonntag zu tun haben werden“, sagte Jörg Ollesch, der Wehrführer der Brunstorfer Feuerwehr.

Derzeit steige der Pegel der Bille nicht weiter an, da seit dem Nachmittag kein kräftiger Regen mehr vom Himmel kommt, sagt Joachim Stanisch Sprecher der Reinbeker Feuerwehr. „Oberstes Ziel für uns bleibt, die Bille muß im Bereich Reinbek fließen. Deshalb sind Boote des THW mit unseren Feuerwehrleuten im Bereich vor dem Schloß auf dem Wasser unterwegs, sammeln Treibgut aus dem Flüsschen und bringen dieses an Land.“

<p>Durch insgesamt mehr als 20 Schläuche wurde das Wasser aus dem Kollower Fischteich über die Königstraße auf angrenzende Wiesen gepumpt, von wo es in die Linau ablaufen konnte. Bis zu 35.000 Liter pro Minute.</p>
Timo Jann

Durch insgesamt mehr als 20 Schläuche wurde das Wasser aus dem Kollower Fischteich über die Königstraße auf angrenzende Wiesen gepumpt, von wo es in die Linau ablaufen konnte. Bis zu 35.000 Liter pro Minute.

In Kollow konnte der Großeinsatz, bei dem bis zu 35.000 Liter Wasser pro Minute abgepumpt wurden, nach 24 Stunden zurückgefahren und am Freitag beendet werden. In Havekost lief ein Einsatz erneut an, um Häuser vor dem sich sammelnden Oberflächenwasser zu schützen. Insgesamt hat sich die Lage allerdings ein wenig entspannt. Entsprechend konnte ein Großteil der Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehren und des THW nach Hause geschickt werden. Statt rund 200 Helfer im Schichtdienst reichten 70 Männer und Frauen, sagte Möller.

Nord-Ostsee-Kanal: Einige Schleusen wieder geöffnet

Die Große Nordschleuse und die Große Südschleuse, sowie die Kleine Südschleuse stehen der Schifffahrt seit 12.45 Uhr wieder zur Verfügung, teilt die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes mit. Die Kleine Nordschleuse steht der Schifffahrt weiterhin nicht zur Verfügung.

Wegen des extremen Hochwassers gilt für sämtliche Schiffe auf dem Kanal ein Tempolimit von 12 Kilometern pro Stunde, wie die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung am Freitag mitteilte. Normalerweise dürfen die meisten Schiffe den Kanal mit 15 km/h befahren. Zusätzlich wurden die Schleusen in Brunsbüttel am Donnerstag und Freitag jeweils für mehrere Stunden dicht gemacht.

Über den Nord-Ostsee-Kanal werden rund zehn Prozent des Landes entwässert. Die Schleusen des NOK haben bei Sturmflut außerdem die Funktion von Deichen und werden ab einem Pegelstand von acht Metern geschlossen. Der gut 100 Kilometer lange Kanal gilt als meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Rund 95 Frachter nutzen ihn täglich auf ihren Wegen zwischen der Deutschen Bucht und der Ostsee.

Keine Sturmflutwarnung

Sowohl das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie als auch der Deutsche Wetterdienst melden keine Sturmflutwarnung für die deutsche Nord- oder Ostseeküste. Zum Wochenende ist Entspannung in Sicht. Die Meteorologen versprechen trockenes Wetter. Der Sonntag soll dem Norden sogar viel Sonnenschein und wenige Wolken bringen, hieß es am Freitag beim Deutschen Wetterdienst.

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