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Katastrophen auf Social Media : Was taugte Facebooks Krisen-Seite bei Herbststurm „Herwart“?

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Seit einigen Jahren aktiviert die Soziale Plattform bei Katastrophen und Anschlägen eine spezielle Seite, auf der Infos zum Ereignis zu finden sein sollen. Wie gut funktionierte das beim vergangenen Sturm?

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erstellt am 30.Okt.2017 | 14:31 Uhr

Flensburg | Herbststurm „Herwart“ ist am Sonntag vorübergezogen und hat in Schleswig-Holstein Verletzte, Sachschäden in Millionenhöhe und Zugausfälle bis in den Montag hinein zurückgelassen. Winde mit Geschwindigkeiten bis 140 Kilometern pro Stunde rissen nicht nur Bäume aus dem Boden und Ziegel aus Dächern. Sie aktivierten auch Facebooks Katastrophen-Algorithmus. Die „Crisis Response“ greift im Fall einer größeren Krise – ob Attentat oder Naturkatastrophe – und soll an User aus der betroffenen Region passende Informationen ausspielen. Wie gut klappte das im Fall von „Herwart“?

Die erste Version seiner „Crisis Response“ veröffentlichte Facebook im Dezember 2014 anlässlich eines Taifuns in den Philippinen. Bis zuletzt September 2017 kamen neue Funktionen wie die Möglichkeit zu Spendenaufrufen hinzu. Tritt irgendwo auf der Welt eine Krise ein, aktiviert Facebook die „Crisis Response“, informiert betroffene Nutzer und fordert einige – allerdings nicht alle – dazu auf, sich als „in Sicherheit“ zu markieren. Wonach diese Auswahl sich richtet, verrät Facebook nicht. Auch wann es zur „Crisis Response“ kommt, ist nur schwer nachzuvollziehen. Der für den Norden Deutschlands deutlich heftigere Sturm „Xavier“ war Facebook keine Auslösung wert.

<p>Ein großer Ast ist am Sonntag in Utersum auf die Fahrbahn gestürzt.</p>

Ein großer Ast ist am Sonntag in Utersum auf die Fahrbahn gestürzt.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa
 

Im Fall „Herwart“ ist Schleswig-Holstein vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Anders als in Niedersachsen oder Mecklenburg Vorpommern gab es hier keine Todesopfer. Die stärksten Böen mussten die Inseln verkraften: Sylt 140 Stundenkilometer, Fehmarn 130, Helgoland 120. Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um landesweit heruntergestürzte Äste zu beseitigen. In Oldenswort (Nordfriesland) überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen von Ästen. Was fand sich davon in Facebooks „Crisis Response“ wieder?

Kaum Informationen

Nicht viel. Auf der Übersichtsseite „Sturm „Herwart“ in Deutschland“ fanden sich bis Montagmittag lediglich einige allgemeine Informationen: Störungen durch umgefallene Bäume, Verletzungen und Gebäudeschäden habe es gegeben, der Zugverkehr sei weiterhin beeinträchtigt. Spezifischer wird es nicht. Daneben eine Handvoll Bilder von Sturmschäden und einige wenige Verweise auf Beiträge von Nachrichtenseiten zum Thema – allerdings ohne speziellen Schleswig-Holstein-Bezug.

Im Bereich „Hilfe“ können Nutzer selbige anbieten oder erbitten. Eine Übersichtskarte zeigt an, wo sich die Personen befinden. Hier finden sich tatsächlich einige Einträge – nur hat kaum einer etwas mit Sturm „Herwart“ zu tun. Stattdessen Angebote und Anfragen nach kleinen Arbeiten, Mitfahr- oder Übernachtungs-Gelegenheiten.

<p>Ein Baum ist in Nieblum auf die Fahrbahn gestürzt.</p>

Ein Baum ist in Nieblum auf die Fahrbahn gestürzt.

Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Am nützlichsten erscheint noch die Übersicht „Freunde in dem Gebiet“. Hier werden alle Facebook-Freunde aufgelistet, von denen Facebook annimmt, dass sie sich im Sturmgebiet aufhalten. Hat der Nutzer seinen Katastrophen-Status auf sicher gesetzt, wird das hier angezeigt. Andernfalls kann man per Klick nachfragen. Bei Stichproben unter Freundeskreisen der shz.de-Redaktion zeigte sich, dass nur sehr wenige User ihren Status entsprechend angepasst haben. Zudem ist die Liste so lückenhaft, wie es Facebooks Informationen über die Nutzer sind. Weiß die Seite nicht, wo ein Nutzer wohnt, erscheint er auch nicht auf der Liste.

Ändert man die Spracheinstellungen von Facebook ins Englische, erscheinen in der Übersicht immerhin ein paar Einträge, die auf Artikel zum Sturm auf englisch-sprachige Nachrichtenseiten verweisen. Spezifisches zu Schleswig-Holstein gibt es auch hier nicht.

Besser klassische Medien nutzen

Wer in Schleswig-Holstein am Wochenende nützliche und spezifische Informationen zu Sturm „Herwart“ suchte, fand sie möglicherweise unter den Posts seiner Freunde – aber nicht auf der Crisis-Response-Seite von Facebook. Diese bot nicht viel mehr als allgemeine Infos, die jede Suchmaschinenanfrage umfangreicher liefert. Als Ergänzung zu Radio, Fernsehen oder sonstigen Internetseiten taugt das Tool damit nur sehr bedingt – und ganz sicher nicht als Ersatz.

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