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Spar-Tipps : Was Sie bis Silvester noch für Ihr Geld tun sollten

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Jahr geht langsam zu Ende – und damit auch die Chance, in 2015 noch Steuern zu sparen.

shz.de von
erstellt am 22.Nov.2015 | 12:18 Uhr

Arbeitgeber-Bonbons
Weihnachtsgeld oder andere Geldleistungen, die ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern zukommen lassen will, sind steuerpflichtig. Die Alternative: Ein Sachbezug, etwa ein auch beruflich genutztes Tablet, Smartphone oder ein Laptop, die steuerfrei überlassen werden können, wenn sie auch nicht ganz steuerfrei den Besitzer wechseln: Der Chef bezahlt dafür 25 Prozent Pauschalsteuer plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.

Arztbesuch
Wer privat krankenversichert ist und in diesem Jahr noch eine „reine Weste“ hat, Arztbesuche betreffend, der kann seinen Anspruch auf eine Beitragserstattung für 2015 („Schadenfreiheitsrabatt“) retten, wenn er erst 2016 zum Doktor geht – auch wenn’s jetzt schon ein wenig zwicken sollte. Dass dies für Notfälle nicht gilt, versteht sich ...

Außergewöhnliche Belastungen
Steuerzahler, die 2015 außergewöhnliche Aufwendungen hatten, etwa für einen Arztbesuch oder Krankenhausaufenthalt, die Scheidung oder eine Beerdigung, können einen Teil davon als außergewöhnliche Belastung vom steuerpflichtigen Einkommen herunterrechnen. Da vom Gesamtaufwand zuvor eine „zumutbare Belastung“ abgezogen wird, lohnt es sich, solche Ausgaben zu bündeln: Je mehr „Außergewöhnliches“ in einem Kalenderjahr angefallen ist, desto eher wird die Zumutbarkeitsgrenze überschritten.

Beispiel: Im Frühjahr 2016 ist eine größere Summe für einen neuen Zahnersatz zu bezahlen. Wird noch in 2015 eine Vorauszahlung darauf geleistet, so könnten die Grenzen der Zumutbarkeit überwunden – und Steuern gespart werden, wenn in diesem Jahr noch andere außergewöhnliche Belastungen angefallen sind, etwa der Kauf einer Gleitsichtbrille. Bei Bezahlung der Zahnersatzrechnung allein in 2016 kann es sein, dass sich in beiden Jahren der steuerrelevante Aufwand „in Grenzen“ hält – mit der Folge, dass weder in 2015 noch in 2016 Geld dafür vom Fiskus zurückfließt.

Autounfall

 

Wer 2015 einen selbst verschuldeten Unfall mit geringem Schaden (bis 500/600 Euro) von seiner Kfz-Haftpflichtversicherung hat regulieren lassen, der kann das Geld zurückzahlen. Das rettet den Schadenfreiheitsrabatt (falls er sich verschlechtert haben sollte, was nicht bei allen Verträgen der Fall ist – Stichwort „Rabattretter“). Umgekehrt kann ein bisher der Versicherung nicht gemeldeter Unfall noch bis Ende Dezember 2015 „nachgemeldet“ werden. Das kann zwar eine Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt zur Folge haben – aber dennoch von Vorteil sein. Viele Unternehmen teilen ihren Versicherten mit, ob es sich lohnt, den Schaden selbst zu regulieren oder von der Assekuranz bezahlen zu lassen.

Bausparen/Vermögenswirksame Leistungen
Wer ein Bausparkonto und Anspruch auf die Wohnungsbauprämie hat, der sollte für 2015 den höchstmöglichen Betrag darauf einzahlen: 512/1024 Euro (alleinstehend/verheiratet). Dann gibt’s die maximale Prämie von rund 45/90 Euro. Die maßgebende Einkommensgrenze beträgt 25.600/51.200 Euro pro Jahr.

Für vermögenswirksame Leistungen steuert der Staat bis zu 43 Euro pro Jahr an Arbeitnehmer-Sparzulage bei (für Ehepaare 86 Euro), wenn der Steuerzahler 2015 bis zu 470 Euro zum Beispiel auf einen Bausparvertrag eingezahlt hat. Es spielt keine Rolle, ob die 470 Euro allein vom Arbeitgeber oder (auch) vom Arbeitnehmer eingezahlt wurden. Hier beträgt die Einkommensgrenze 17.900/35.800 Euro pro Jahr.

Betriebsausgaben
Betriebsinhaber und Freiberufler drücken ihre zu versteuernden Einnahmen 2015 nur mit betrieblichen Ausgaben im selben Jahr. Ausnahmen gelten für regelmäßig wiederkehrende Leistungen wie Mieten und Zinsen, die zum Jahresanfang fällig werden (hier darf die Frist um zehn Tage überschritten werden). Betrieblich genutzte „geringwertige Wirtschaftsgüter“ (etwa ein Bürostuhl, eine Aktentasche oder ein Computer) können mit bis zu 410 Euro netto (487,90 Euro brutto) sofort vom steuerpflichtigen Einkommen abgeschrieben werden – wenn sie „selbstständig“ nutzbar sind.

Betriebskosten
Vermieter haben die Betriebskosten für ihre Wohnungen spätestens zwölf Monate nach dem letzten Abrechnungszeitraum mit den Mietern abzurechnen. Geschieht das später, so dürfen Nachzahlungen im Regelfall nicht mehr verlangt werden. Ist der Abrechnungszeitraum das Kalenderjahr, so muss die Abrechnung für 2014 bis Silvester 2015 bei den Mietern eingehen, sollen noch Nachberechnungen möglich sein. Bei späterem Eingang muss aber ein errechnetes Guthaben noch an den Mieter überwiesen werden.

Betriebsrente
Im Jahr 2015 kann ein Arbeitnehmer bis zu vier Prozent seines Arbeitsverdienstes – maximal von 72.600 Euro = 2904 Euro – in eine betriebliche Altersvorsorge (etwa eine „Direktversicherung“) einzahlen. Entsprechend dem individuellen Steuersatz reduziert sich dadurch die Steuerbelastung für 2015.

Geschenke für Mitarbeiter
„Aus besonderem Anlass“, etwa einem runden Geburtstag oder einer Weihnachtsfeier, können Geschenke für Mitarbeiter das steuerpflichtige Einkommen eines Selbstständigen mindern, wenn sie pro Kopf maximal 60 Euro einschließlich Umsatzsteuer gekostet haben. Auch Sozialabgaben darauf werden nicht fällig. Wichtig: Bargeschenke mag der Fiskus gar nicht – sie sind ausnahmslos steuer- und sozialabgabenpflichtig.

Handwerkerleistungen
Aufwand für den Handwerker in den eigenen vier Wänden kann im Jahr 2015 bis zu 1200 Euro zu einer Steuerrückzahlung führen. Und zwar wird die maßgebende Summe unmittelbar von der Steuerschuld abgezogen – also nicht vom steuerpflichtigen Einkommen, was entsprechend dem persönlichen Steuersatz zu einer Steuerermäßigung führen würde. Maßgebend sind die Lohn- und Anfahrt-, nicht die Materialkosten. Voraussetzung für den Ansatz des höchstmöglichen Betrages sind Kosten von mindestens 6000 Euro (20 Prozent davon ergeben 1200 Euro). Handwerker modernisieren zum Beispiel Bäder oder tauschen Fenster aus.

Wer in diesem Jahr ein größeres Werk in Auftrag gegeben hat oder noch gibt, wodurch die 6000-Euro-Grenze für Lohn und Fahrkosten überschritten wird, der könnte mit dem Handwerker (den Handwerkern) vereinbaren, dass bis Ende Dezember nur 6000 Euro überwiesen werden (womit ja der Höchstbetrag erreicht ist) und der Rest Anfang 2016, wenn der 1200-Euro-Abzugsbetrag neu voll zur Verfügung steht. In jedem Fall gilt: Nur unbare Zahlung spart Steuern!

Haushaltsnahe Dienstleistungen
„Haushaltsnah“ sind Arbeiten von Malermeistern, Fensterputzern oder Gärtnern im oder am eigenen Haus oder der eigenen Wohnung. Wer solche Dienste noch bis Ende 2015 bezahlt, dem werden sie – wie Handwerkerleistungen, aber bei Ausgaben bis zu 20.000 Euro bis zu 4000 Euro – unmittelbar von der Steuerschuld abgezogen. Bedingung auch hier: unbare Zahlung. Und der Auftragnehmer muss damit rechnen, dass in seiner Finanzamtsakte eine Kontrollmitteilung über den Verdienst landet.

Haushaltshilfe/Minijob
Im Unterschied zu den haushaltsnahen Dienstleistungen handelt es sich hier um Privatpersonen, die für Ordnung und Sauberkeit in Wohnungen und Häusern sorgen. Oft arbeiten sie auf 450 Euro-Basis. Soll dieser Status nicht verloren gehen, aber trotzdem Weihnachtsgeld gezahlt werden, so empfiehlt es sich, den Monatsverdienst so auszurichten, dass er inklusive der Sonderzuwendung im ganzen Jahr 5400 Euro nicht übersteigt. Aus Sicht der „Arbeitgeber“ der dienstbaren Geister: Für Minijobber im Haushalt ist der Steuervorteil bereits bei 510 Euro jährlich ausgeschöpft, wenn die bei der Minijobzentrale gemeldete Haushaltshilfe insgesamt 2230 Euro verdient hat.

Heirat
Paare, die den Bund fürs Leben schließen wollen und dies noch bis zum Jahresende 2015 tun, werden für das komplette Jahr 2015 nach dem – für sie meist günstigeren – Splittingtarif besteuert. Allerdings: Zwar erlaubt das Gesetz, dass nur kirchlich, nicht mehr vor dem Standesbeamten geheiratet wird. Steuerlich „zählt“ das jedoch nicht.

Kinderbetreuungskosten
Eltern können Aufwendungen für die Betreuung für ihre noch nicht 14 Jahre alten Kinder in Höhe von zwei Dritteln als Sonderausgaben vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen – maximal in Höhe von 4000 Euro im Jahr. Und dies auch dann, wenn sie nicht berufstätig sind. Das Finanzamt erkennt – im Rahmen des Höchstbetrages – alle in 2015 geleisteten Zahlungen unter anderem für den Kinderhort, den Kindergarten, eine Kindertagestätte, aber auch für eine Tagesmutter oder für die Beaufsichtigung bei der Erledigung von Schulaufgaben an.

Kindergartenzuschuss
Wie die Bildungseinrichtung für die Kleinsten auch heißen mag – Kindergarten, Kinderhort, „Kita“, Tagesmutter: Übernimmt der Arbeitgeber für seine Beschäftigten die Gebühren ganz oder zum Teil, so kann er dies, quasi als zusätzliches Weihnachtsgeld, tun, ohne dass die Beschäftigten dies versteuern müssten. Der Chef setzt den Betrag als Betriebsausgabe ab.

Krankenkassenbeiträge
Diese Beiträge können in voller Höhe als Sonderausgaben vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden. Bonbon des Gesetzgebers für diejenigen privat krankenversicherten, die für 2015 eine Steuernachzahlung wegen (vielleicht unerwartet) hoher Einkünfte befürchten müssen: Sie können bis zu 2,5 Jahresbeiträge bereits vorab an ihren privaten Krankenversicherer überweisen, soweit es sich um die „Basisversorgung“ handelt (also ohne Zusatzversicherungen). Das kann bei – vielleicht unerwartet hohen Bezügen in diesem Jahr – besondere Steuervorteile bringen. Entsprechendes gilt für die Beiträge zur Pflegeversicherung.

Rentenbeiträge

Beiträge freiwillig Rentenversicherter für das laufende Jahr müssen nicht unbedingt bis zum 31. Dezember 2015 auf dem Konto der gesetzlichen Rentenversicherer eingegangen sein. Es genügt, wenn dies bis zum 31. März 2016 für das Vorjahr geschieht. Allerdings: Tritt zwischenzeitlich der „Versicherungsfall“ ein (etwa eine Erwerbsminderung), so wird die Rente nur aus den bis dahin entrichteten Beiträgen berechnet. Deshalb: Eine frühzeitige Beitragszahlung empfiehlt sich.

Teil 2 unseres Spar-ABCs lesen Sie am kommenden Sonntag, dem 29. November.

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